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Deep-Sky-Objekte mit den eigenen Augen erkunden

Teil 5: Die Dokumentation

13.02.2020
13 Minuten
Wer dokumentiert, schaut genauer hin.

Die Dokumentation eigener Himmelsbeobachtungen ist in mehrfacher Hinsicht sinnvoll: Aufzeichnungen dienen nicht nur der Erinnerung, sondern der Vertiefung. Man erkundet einzelne Himmelsobjekte viel genauer, da man sie systematischer und präziser beobachtet. Sucht man sie in verschiedenen Nächten auf, so gelingt es, ihnen auf der Basis eigener Notizen und Skizzen mehr und mehr Details zu entlocken. Vielleicht ist einem in der letzten Beobachtungsnacht die heute markant erscheinende Sternenkette in einem Kugelsternhaufen gar nicht aufgefallen? Oder der äußere Spiralarm einer Galaxie war bei der letzten Erkundung unsichtbar?

Ein weiterer Aspekt eigener Dokumentation: Gut lässt sich so Einbildung von tatsächlicher Beobachtung trennen, indem man beim nächsten „Besuch“ desselben Objekts zuvor notierte und skizzierte Beobachtungen verifiziert oder falsifiziert. Zudem ermöglichen eigene Aufzeichnungen und Skizzen Vergleiche mit denen anderer Amateurastronomen. Auch die mit der Zeit wachsende Beobachtungserfahrung spiegelt sich in Aufzeichnungen wider: Man hat es schwarz auf weiß, wie sich die eigene Beobachtungstechnik über die Jahre entwickelt.

Freilich gilt all dies nicht nur für die visuelle Beobachtung von Deep-Sky-Objekten. Auch beim Erkunden von Planeten, Planetenmonden, des Erdtrabanten oder der Sonne dringt man mit der Dokumentation in neue Sphären des systematischen Beobachtens, des genauen Hinschauens und des teleskopischen Sehens (siehe Teil 1 dieser Serie) vor.

In diesem abschließenden Artikel der Serie zur visuellen Beobachtung von Deep-Sky-Objekten beschreibe ich Möglichkeiten und Techniken der Dokumentation. Sie umfasst sowohl Beschreibungen als auch Skizzen und Zeichnungen.

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Himmelstagebuch

Egal ob man analoge oder digitale Notizen eigener Himmelsbeobachtungen anfertigt: Man führt eine Art Tagebuch. Erinnerungen verblassen oder verändern sich, Aufzeichnungen hingegen bleiben. So persönlich ein Tagebuch ist, so individuell und vielfältig sind die Möglichkeiten zum Führen eines solchen Himmelstagebuchs. Bei angenehmen Temperaturen bietet sich am Teleskop ein Klemmbrett an, um den Beobachtungsbogen stets zur Hand zu haben. Wenn es zu feucht oder zu kalt ist, kann ein Diktiergerät beim Festhalten eigener Beschreibungen und Eindrücke helfen.

Daheim überträgt man seine Feldaufzeichnungen in eine Form, die einem ermöglicht, nachzuschlagen, nachzulesen, nachzuschauen. Die systematisch angelegte Sammlung eigener Himmelsbeobachtungen wird mit der Zeit zu einer wertvollen Informationsquelle, die nebenher gute Dienste bei der Planung weiterer Beobachtungsnächte leistet.

Ein Amateurastronom, der seine Beobachtungen archiviert, muss abwägen, ob er einen Ordner anlegt, oder seine Aufzeichnungen und Skizzen digital sammelt. Jede Form bietet Vor- und Nachteile. Wichtig ist es, jene Methode konsequent zu verfolgen, die zu einem passt, und die keinen Zwang darstellt, den man dann nicht fortführt. Der Spaß an der Himmelsbeobachtung steht obenan!

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Das Bild zeigt die wenigen Utensilien, die man benötigt, um seine Himmelsbeobachtungen zu dokumentieren: Ein auf einem Klemmbrett fixierter Beobachtungsbogen, ein Bleistift und eine Klemmlampe mit Rotlicht.
Um am Teleskop Aufzeichnungen zu einem Himmelsobjekt anzufertigen, bedarf es nur weniger Utensilien: Ein auf einem Klemmbrett fixierter Beobachtungsbogen, ein Bleistift und eine Klemmlampe mit Rotlicht.

Am Teleskop die Checkliste

Piloten oder Astronauten nutzen aus gutem Grund eine Checkliste, weil sie vermutlich bei jedem zweiten Start irgendeine „Kleinigkeit“ vergessen oder übersehen würden. Auch zur systematischen Dokumentation eigener Deep-Sky-Beobachtungen bietet sich am Teleskop die Nutzung einer solchen Checkliste an: Ein Beobachtungsbogen hilft, keinen wichtigen Aspekt zu übergehen.

Das Bild zeigt einen Beobachtungsbogen, der Raum für Notizen und eine Skizze bietet, die unter Rotlicht am Teleskop angefertigt werden.
Ein Beobachtungsbogen ist wie eine Checkliste und bietet Raum für Notizen und eine Skizze, die unter Rotlicht am Teleskop angefertigt werden.

Einen Beobachtungsbogen wie diesen fertigt man sich selbst an – oder lädt ihn sich als PDF-Datei hier herunter. Der Beobachtungsbogen bietet Raum für alle Aspekte der sauberen Beschreibung und Skizzierung eines Himmelsobjekts. Den Rahmen geben grundlegende Fakten vor: Datum, Uhrzeit, Beobachtungsort, Beobachtungsbedingungen, Teleskop, zur Skizzierung verwendetes Okular, mit diesem Okular erreichte Austrittspupille, Vergrößerung und das tatsächliche Gesichtsfeld. Wird ein Interferenzfilter eingesetzt, so findet sich auch hierfür ein Feld auf dem Bogen.

Zwei Versionen des Beobachtungsbogens finden sich hier, die sich voneinander in der Position des Kreises auf dem Bogen unterscheiden. Der eine ist für Rechtshänder bequemer, wenn sich der Kreis links auf dem Blatt befindet. Linkshänder greifen zu der Version, bei welcher die zeichnende Hand auf der linken Seite des Zeichenbretts liegt.

DOWNLOAD Beobachtungsbogen für Rechtshänder (als PDF-Datei)

DOWNLOAD Beobachtungsbogen für Linkshänder (als PDF-Datei)


Zur Feststellung der Beobachtungsbedingungen gibt es zwei Skalen, die leicht „nutzbar“ sind: Zur Bewertung von Lichtverschmutzung und Transparenz eignet sich die neunstufige Bortle-Skala. Die fünfstufige Antoniadi-Skala ermöglicht eine präzise Bewertung des Seeings (siehe Teil 2 dieser Serie).

Zum Himmelsobjekt sind neben seinem Objektnamen, dem Objekttyp, seinen Himmelskoordinaten und dem Sternbild, in dem es sich befindet, die wichtigsten Fakten seiner Erscheinung zu notieren: Helligkeit, Größe und Form beziehungsweise Morphologie. Je nachdem, um welchen Typ Deep-Sky-Objekt es sich handelt, sind unterschiedliche objektspezifische Details festzuhalten (siehe Anhang 1: „Beschreibung von Deep-Sky-Objekten“).

Für die Feldskizze des Himmelsobjekts ist ein Kreis auf dem Beobachtungsbogen eingezeichnet, der die Begrenzung des tatsächlichen Gesichtsfelds der eingesetzten Teleskop-Okular-Kombination darstellt. Beim Skizzieren bietet diese Begrenzung eine erste Orientierung. Ein Durchmesser von etwa 10 bis 12 cm hat sich für mich als praktikabel erwiesen. Ist der Kreis zu klein, muss man zu sehr generalisieren und die Skizze wird zu wenig detailliert. Ist der Kreis hingegen zu groß, wird es schwieriger, Abstände und Proportionen vom Okular exakt genug zu übertragen. Auch hier muss jeder zeichnende Beobachter sein eigenes Maß finden.


Am Teleskop die Skizze

Nur wenige Menschen schreiben gerne. Noch weniger Menschen wagen es zu zeichnen. Und das, obwohl fast jeder über ein gewisses Grundtalent zum Zeichnen verfügt. Beim Skizzieren und Zeichnen von Himmelsobjekten geht es nicht darum, einen Schönheitspreis anzustreben. Vielmehr sind Zeichenstift und Papier schlichte und äußerst wirksame Werkzeuge zur Schärfung und Kontrolle des eigenen Blicks und der eigenen Wahrnehmung. Mit wenigen Mitteln gelingt es, recht aussagekräftige und vergleichbare Ergebnisse zu erzielen.

Am Teleskop, während der Beobachtung, entsteht zunächst eine Skizze des Himmelsobjekts. Dazu notwendig sind nur wenige Utensilien: Klemmbrett, Beobachtungsbogen, Bleistift und Rotlicht. Ein Bleistift der Stärke B oder B2 eignet sich auch auf durch nächtlichen Tau angefeuchtetem Papier gut. Besser als eine Stirnlampe mit Rotlicht ist eine Rotlicht-Klemmlampe, die lediglich das Klemmbrett ausleuchtet und nicht blendet. Optimal ist ein dimmbares Rotlicht.

Bei der Anfertigung der Skizze in den Kreis des Beobachtungsbogens bietet sich – unabhängig vom Typ des Deep-Sky-Objekts – folgende Reihenfolge an:

1. Einzeichnen auffälliger Fixsterne

2. Zeichnen der Umrisse des Himmelsobjekts

3. Erfassen und Skizzieren der Strukturen

4. Kontrolle

5. Bestimmen der Himmelsrichtungen

Bei allen Schritten der Beobachtung und ihrer Dokumentation ist es wichtig, Hektik und Ungeduld außen vor zu lassen. Man sollte seine Zeit am Teleskop so entspannt wie möglich (siehe Teil 2 dieser Serie) gestalten und sich ausreichend Zeit nehmen zu schauen, ehe man zum Stift greift.

Die Fixsterne, die man einzeichnet, bilden ein Grundgerüst, das der weiteren Orientierung zum Zeichnen des Deep-Sky-Objekts und der Wiedergabe seiner Formen dient. Hilfreich kann es sein, das Gesichtsfeld in Viertel aufzuteilen und beim Erfassen der Sterne von Feld zu Feld vorzugehen. Beim Zeichnen der Fixsterne streicht man Fehler aus, weil sich auf durch Tau angefeuchtetem Papier nicht radieren lässt. Sterne können leicht ablenken: Stehen zu viele Sterne im Gesichtsfeld, so konzentriert man sich auf das Deep-Sky-Objekt selbst. Nicht jeder noch so kleine Stern muss daher in der Skizze eingezeichnet sein. Man sucht sich die auffälligsten Sterne als Orientierungshilfe aus, die man möglichst maßstabgetreu in die Skizze überträgt. Dabei kann man ähnlich vorgehen wie beim Navigieren am Sternenhimmel: Man erkennt oder denkt sich Sternenmuster (siehe Teil 3 dieser Serie). Am besten funktioniert dies mit gedachten Dreiecken. Beim Abschätzen der Abstände und der Lage der Sterne zueinander entwickelt man schnell eine gewisse Sicherheit.

Beim Skizzieren der Umrisse und der Strukturen eines Deep-Sky-Objekts geht man stets vom Grundlegenden hin zum Detail: Die eingezeichneten Feldsterne dienen der Orientierung und mit ersten Linien markiert man nun die Umrisse des Objekts. In einem weiteren Schritt versucht man Helligkeitsverläufe darzustellen. Bei der Skizzierung feiner Strukturen kann es sich als hilfreich erweisen, mit der Vergrößerung ruhig einmal hoch zu gehen, um den Kontrast zum Himmelshintergrund zu variieren („Spiel mit der Vergrößerung“, siehe Teil 4 dieser Serie). Vielleicht zeigen sich so bei einem planetarischen Nebel oder einer Galaxie weitere Details oder gar neue Strukturen, die zuvor ungesehen blieben? Auch beim Skizzieren feiner Details ist es wichtig, sich ausreichend Zeit zum Betrachten des Objekts zu nehmen.

Augen und Gehirn arbeiten bei der teleskopischen Beobachtung an der Grenze zur Wahrnehmungsfähigkeit. Beim Zeichnen muss man sich daher immer wieder diese Fragen stellen: Sehe ich diese Form, diesen Helligkeitsverlauf oder dieses Detail mit einigen Minuten Abstand erneut? Oder handelt es sich um eine Wahrnehmung, die ich nicht verifizieren kann? Eine einmalige Wahrnehmung sollte man nicht in die Skizze aufnehmen.

Das Skizzieren von Deep-Sky-Objekten ist und bleibt stets ein subjektiver Akt. Das beginnt bei der Auswahl der skizzierten Sterne, aber zeigt sich insbesondere bei der Abschätzung von Helligkeiten. Steht man noch am Anfang eigener Himmelsskizzen, so bremst einen eine zu große Genauigkeit in diesem Punkt eher aus. Ansporn mag es sein, frühere Skizzen derselben Himmelsobjekte mit späteren zu vergleichen.

Wer sich mit einem dobsonmontierten Teleskop auf Erkundungsreise begibt, folgt dem Himmelsobjekt, das er skizziert, mit manueller Nachführung. Insbesondere bei hoher Vergrößerung wandert ein Deep-Sky-Objekt am Dobson mitunter schneller aus dem Gesichtsfeld (selbst bei Nutzung eines Okulars mit einem großen scheinbaren Gesichtsfeld), als einem lieb ist. Aber auch dies meistert man mit zunehmender Praxis.

Nachdem die Skizze fertig gestellt ist, sollte man noch einmal in aller Ruhe durchs Okular schauen und das Werk überprüfen. Vielleicht zeigen sich weitere Details am Himmelsobjekt oder Fehler in der Skizze, für die nun noch Gelegenheit zur Korrektur besteht.

Zum Abschluss einer Skizze gehört das Festhalten der Himmelsrichtungen. Mit einer parallaktischen Montierung funktioniert dies einfach. Nach Abschalten der Nachführung schaut man, in welche Richtung das Himmelsobjekt oder ein heller Stern im selben Gesichtsfeld driften: nämlich nach Westen. Osten liegt gegenüber. Norden bestimmt man, indem das Teleskop mit seiner Deklinationsachse Richtung Polarstern bewegt wird: Norden ist dann diejenige Richtung, aus der sich die Sterne dabei in das Gesichtsfeld bewegen. Süden liegt gegenüber. Auch mit einem azimutal montierten Dobson-Teleskop bestimmt man zunächst Westen (und damit gegenüber Osten). Bewegt man das Teleskop nun in Richtung Polarstern, so hat man mit der Richtung, aus der die Sterne durch das Gesichtsfeld streifen, Norden (und damit gegenüber Süden).


Am Schreibtisch die Zeichnung

Die mit Bleistift auf weißem Papier angefertigte Skizze wird – möglichst solange die Erinnerung noch frisch ist – am Schreibtisch in eine Reinzeichnung verwandelt. Auch für diese sind nur wenige Utensilien notwendig, die es allesamt für wenig Geld zu kaufen gibt: schwarzer Karton oder schwarzes Tonpapier, zwei weiße Buntstifte (einer ungespitzt, einer gespitzt) und ein weißer Gelstift mit feiner Spitze. Zum Zeichnen des Rahmens der Zeichnung, der durch das Gesichtsfeld markiert ist, eignet sich ein Zirkel mit eingespannter weißer Mine.

Drei Bleistifte mit weißer Mine, die der Reinzeichnung auf schwarzem Karton dienen
Zur Reinzeichnung auf schwarzer Pappe oder schwarzem Karton bietet sich die Nutzung unterschiedlich angespitzter weißer Buntstifte an: Für Sterne und scharfe Umrisse einer mit spitzer Mine und für Flächen einer mit abgerundeter Mine.

Auch beim Anfertigen der Reinzeichnung wird zunächst das aus Fixsternen bestehende Grundgerüst zu Papier beziehungsweise Karton gebracht: In einem ersten Schritt mit gespitztem, weißem Buntstift, in einem zweiten Schritt mit weißem Gelstift, der die unterschiedliche Helligkeit der Fixsterne differenziert darstellt. Beim Zeichnen der Umrisse und der Strukturen des Deep-Sky-Objekts geht man ähnlich vor wie beim Skizzieren: Zunächst zeichnet man die Umrisse, ehe man feinere Strukturen darstellt. Für die Darstellung von Helligkeitsverläufen dient der ungespitzte weiße Buntstift.

Sorgfalt ist geboten beim Umzeichnen der Skizze: Man darf der Phantasie nicht zu freien Lauf lassen, sondern muss sich genau an der Bleistift-Skizze orientieren. Ein Fehler übrigens ist es, sich beim Reinzeichnen eine Astrofotografie des Deep-Sky-Objekts anzuschauen beziehungsweise diese im Hinterkopf zu behalten. Natürlich bilden Kamerasensoren Details ab, die mit dem Auge niemals zu erfassen sind, weshalb die Annahme nahe liegt, eine Fotografie sei wertvoller oder weniger subjektiv als eine Objektzeichnung. Aber genau darin liegt der Reiz visueller Deep-Sky-Beobachtung: Denn die eigene Zeichnung eines Himmelsobjekts zeigt genau das, was man mit den eigenen Augen sieht. Nicht mehr, aber auch nicht weniger!


Carpe Noctem

Viele visuelle Deep-Sky-Beobachter werden eine gewisse Sammelleidenschaft nicht leugnen. Wer Mitglied bei ornithologischen Gesellschaften werden möchte, muss eine bestimmte Anzahl eigener Vogel-Beobachtungen nachweisen. Auch wenn eine solche Mindestzahl bei Amateurastronomen glücklicherweise kein Zwang ist, so ist es etwas Besonderes, wenn man bestimmte Himmelsobjekte „sein eigen“ nennen kann. Ein eigenes Archiv beobachteter Deep-Sky-Objekte lädt nicht nur zum Schmökern ein, sondern weist immer auch nach vorne auf weitere reizvolle Ziele. Auch das systematische Erkunden einzelner Kataloge hat seinen Reiz, und kann den Beginn weiterer Erkundungen markieren, denen eine gewisse Sammelleidenschaft eigen ist. Es muss am Anfang nicht gleich der Sharpless-Katalog sein, der in seiner ursprünglichen Version 312 Emissionsnebel vereint (Stewart Sharpless: A Catalogue of HII Regions, Astrophysical Journal Supplement, vol. 4, 257, 1959). Als Einstieg zum Sammeln eignet sich der Messier-Katalog mit relativ einfach zugänglichen Himmelsobjekten. Hinweise auf Beobachtungsführer finden Sie in den Literaturtipps des dritten Teils dieser Serie.

Wer seine Gedanken zu Papier bringt, ordnet und strukturiert sein Denken, und nur ein ausformulierter Gedanke ist auch verstanden. Dasselbe gilt für die Dokumentation visueller Himmelsbeobachtungen: Wer hierbei systematisch vorgeht, nutzt seine wertvolle Beobachtungszeit am Teleskop intensiver.

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Anhang 1: Beschreibung von Deep-Sky-Objekten

Basis der Dokumentation eigener Himmelsbeobachtung ist eine möglichst saubere, systematische Beschreibung des Deep-Sky-Objekts. Textliche Ausführungen ergänzen sich mit Zeichnungen.

Die Angaben zum beobachteten Deep-Sky-Objekt gliedern sich in zwei Kategorien: Erstens sind dies allgemeine Angaben (Datum, Uhrzeit, Beobachtungsort, Beobachtungsbedingungen, Teleskop, zur Skizzierung verwendetes Okular, Austrittspupille, Vergrößerung, tatsächliches Gesichtsfeld, Interferenzfilter). Zweitens Angaben zum Himmelsobjekt selbst (Objektname, Typ, Sternbild, Himmelskoordinaten. Erscheinung: Helligkeit, Größe und Form). Neben diesen Angaben zur Sichtbarkeit sollte notiert werden, ob sich das Objekt bereits durch direktes oder erst durch indirektes Sehen zeigt. Generell stellen sich die beiden Fragen: Wie groß ist der Kontrast des Deep-Sky-Objekts zum Himmelshintergrund? Und: Befinden sich andere Deep-Sky-Objekte im Gesichtsfeld?

Für eine systematische Beschreibung sind für die einzelnen Objektklassen spezifische Fragen zu klären:

Doppelsterne: Distanz der Doppelsterne: weit, eng, nicht auflösbar? Farben der Sterne: gleich oder Kontrast feststellbar?

Offene Sternhaufen: Anzahl der Sterne: noch zählbar oder nur abschätzbar? Verteilung der Sterne: locker oder kompakt? Gibt es Bereiche geringerer und größerer Sternenkonzentration? Helligkeit der Sterne: Verteilung der Sterne? Auflösbarkeit: vollständig oder nur teilweise?

Kugelsternhaufen: Konzentration der Sterne: locker oder kompakt? Auflösbarkeit: ist der Rand oder der Kern auflösbar? Wenn ja, ab welcher Vergrößerung? Sind charakteristische Strukturen wie Sternenketten oder -muster erkennbar?

Emissionsnebel und Reflexionsnebel: Sterne im Nebel? Sichtbarkeit mit Interferenzfilter? Helligkeitsverteilung: Gibt es hellere und dunklere Bereiche? Rand: scharf oder weniger scharf abgegrenzt?

Planetarische Nebel: Zentralstern sichtbar? Helligkeitsverteilung: Sind hellere beziehungsweise dunklere Bereiche erkennbar? Rand: scharf oder weniger scharf? Farbe sichtbar?

Dunkelnebel: Abgrenzung zu Hintergrundsternen: wie deutlich erkennbar? Sind Vordergrundsterne sichtbar?

Galaxien: Zentrum: Ist es diffus oder kompakt? Randbereiche: Ist eine Spiralstruktur erkennbar? Abgrenzung des Randes: scharf oder weniger scharf? Lässt sich der Galaxientyp visuell erschließen?

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Anhang 2: Skizze am Teleskop

Mit der Skizze eines Deep-Sky-Objekts dokumentiert man seine Beobachtungen. Und im Umkehrschluss: Man kontrolliert und filtert seine Wahrnehmung, die sich beim teleskopischen Sehen stets an Grenzen bewegt. Man benötigt für die Skizze lediglich weißes Papier und einen Bleistift.

Unabhängig vom Typ des Deep-Sky-Objekts beginnt man

(1) mit dem Einzeichnen auffälliger Fixsterne sowie solcher Sterne, die einem Orientierung beim weiteren Skizzieren bieten. Fehlerhaft positionierte Sterne radiert man auf dem eventuell durch Tau angefeuchteten Papier nicht aus, sondern streicht sie.

(2) Bei Nebeln oder Galaxien zeichnet man nun die Umrisse des Himmelsobjekts, und macht kenntlich, ob Übergänge eher diffus oder scharf verlaufen.

(3) Man erfasst und skizziert Strukturen des Himmelsobjekts.

(4) Ist die Skizze fertig gestellt, so schaut man Himmelsobjekt und Skizze noch einmal in aller Ruhe an und korrigiert eventuell.

(5) Am Ende stehen das Bestimmen und das Einzeichnen der Himmelsrichtungen.

Die folgenden vier Abbildungen zeigen die im Text beschriebenen Schritte (1), (2), (3) und (5) zum Erstellen der Skizze eines Deep-Sky-Objekts: Der hellste galaktische Nebel des Firmaments, Messier 42 und 43 (Orionnebel), im Sternbild Orion zeigt seine Pracht bereits im Fernglas. Diese Skizze entstand an einem 10-Zoll-Teleskop (f/5) bei einer Vergrößerung von 46-fach und einer Austrittspupille von 5,5 mm, teilweise unter Einsatz eines OIII-Filters:

Schritt 1: Man beginnt mit dem Einzeichnen auffälliger Fixsterne sowie solcher Sterne, die Orientierung beim weiteren Skizzieren bieten. Fehlerhaft positionierte Sterne radiert man auf dem eventuell durch Tau angefeuchteten Papier nicht aus, sondern streicht sie.
(1) Man beginnt mit dem Einzeichnen auffälliger Fixsterne sowie solcher Sterne, die Orientierung beim weiteren Skizzieren bieten. Fehlerhaft positionierte Sterne radiert man auf dem eventuell durch Tau angefeuchteten Papier nicht aus, sondern streicht sie.
Schritt 2: Bei Nebeln oder Galaxien zeichnet man nun die Umrisse des Himmelsobjekts, und macht kenntlich, ob Übergänge eher diffus oder scharf verlaufen.
(2) Bei Nebeln oder Galaxien zeichnet man nun die Umrisse des Himmelsobjekts, und macht kenntlich, ob Übergänge eher diffus oder scharf verlaufen.
Schritt 3: Man erfasst und skizziert Strukturen des Himmelsobjekts.
und
Schritt 4: Ist die Skizze fertig gestellt, so schaut man Himmelsobjekt und Skizze noch einmal in aller Ruhe an und korrigiert eventuell.
(3) Man erfasst und skizziert Strukturen des Himmelsobjekts. und (4) Ist die Skizze fertig gestellt, so schaut man Himmelsobjekt und Skizze noch einmal in aller Ruhe an und korrigiert eventuell.
Schritt 5: Am Ende stehen das Bestimmen und das Einzeichnen der Himmelsrichtungen.
(5) Am Ende stehen das Bestimmen und das Einzeichnen der Himmelsrichtungen.

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Anhang 3: Reinzeichnung am Schreibtisch

Für die Reinzeichnung Ihrer Skizze benötigt man schwarzen Karton oder schwarzes Tonpapier, zwei unterschiedlich gespitzte weiße Buntstifte und einen weißen Gelstift. Man geht in ähnlicher Reihenfolge vor wie beim Anlegen Ihrer Skizze:

(1) Zunächst zeichnet man mit dem spitzen der beiden weißen Buntstifte Fixsterne. Ist das Grundgerüst korrekt, so zeichnet man die unterschiedlichen Sternhelligkeiten mit Buntstiften und Gelstift nach: Die helleren, mit dem Gelstift übermalten Sterne leuchten nun regelrecht.

(2) Bei Nebeln oder Galaxien zeichnet man nun mit dem spitzeren der beiden Buntstifte die Umrisse des Himmelsobjekts. Für diffuse Verläufe nutzt man den weniger gespitzten Stift; für scharfe Übergänge die Mine des spitzen Stifts.

(3) Auch beim Zeichnen der Strukturen des Himmelsobjekts dienen beide Buntstifte.

(4) Den Abschluss bildet das Markieren der Himmelsrichtungen in der Zeichnung.

Das Bild zeigt die am Schreibtisch Reinzeichnung des Orionnebels, und entstand auf der Basis der in Einzelschritten beschriebenen Skizze.
Diese Reinzeichnung des Orionnebels entstand auf der Basis der oben abgebildeten Skizze.

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Anhang 4: Literaturtipps

  • Thomas Jäger: Der Starhopper – 20 Himmelstouren für Hobby-Astronomen, Oculum-Verlag, Erlangen, 2008. Das Buch eines Praktikers: Neben hervorragend beschriebenen Himmelstouren finden sich in diesem Buch ausführliche Tipps zur Dokumentation eigener Himmelsbeobachtungen. Leider nur noch antiquarisch erhältlich.
  • Wolfgang Steinicke: Galaxien – Eine Einführung für Hobby-Astronomen. Oculum-Verlag, Erlangen, 1. Auflage 2012. Galaxien, Galaxienhaufen und Quasare sind die größten beziehungsweise am weitesten entfernten Deep-Sky-Objekte, die man mit dem Teleskop sehen kann. Dieser Ratgeber bietet Himmelsbeobachtern gutes theoretisches und praktisches Rüstzeug für die visuelle und fotografische Beobachtung dieser Himmelsobjekte. Auch zur Dokumentation eigener Beobachtungen findet sich ein nutzbringendes Kapitel.
  • Ronald Stoyan: Fernrohr Führerschein. Oculum Verlag, Erlangen, 7. Auflage, 2015. Das Buch enthält neben vielen wertvollen Hinweisen für angehende Amateurastronomen eine sehr brauchbare Anleitung eigener Zeichnungen von Deep-Sky-Objekten.

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Die Folgen der Serie „Deep-Sky-Objekte mit den eigenen Augen erkunden“

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Es handelt sich bei diesem Text zur visuellen Deep-Sky-Beobachtung um den abschließenden, fünften Teil einer überarbeiteten und erweiterten Version einer ursprünglich für die Zeitschrift „Sterne und Weltraum“ verfassten Artikelserie.

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Stefan Oldenburg

Stefan Oldenburg

Stefan Oldenburg ist Wissenschaftsjournalist, Fotograf und Amateurastronom und schrieb für die Weltraumreporter vom 1.1.2018 bis 30.10.2021.


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