1. RiffReporter /
  2. Wissen /
  3. Corona-Impfung für U12: Was Eltern jetzt zur Kinderimpfung wissen müssen

U12-Kinderimpfung gegen Corona: Was Eltern zur Stiko-Empfehlung wissen müssen

Die Ständige Impfkommission empfiehlt die Impfung gegen Covid-19 für 5– bis 11-Jährige mit Vorerkrankung. Gesunde Kinder können sich auf Wunsch ebenso impfen lassen.

4 Minuten
Ein Arzt führt eine Spritze mit Impfstoff an den rechten Arm eines Mädchens, das eine rosafarbene Maske trägt und in die Ferne schaut.

Die Ständige Impfkommission (Stiko) hat die Covid-19-Impfung für Kinder im Alter zwischen fünf und elf Jahren mit verschiedenen Vorerkrankungen empfohlen. Zusätzlich wird die Impfung Kindern angeraten, in deren Umfeld Risikopatienten leben, die nicht oder nur unzureichend durch eine Impfung geschützt werden können.

Auch gesunde Kinder können sich impfen lassen

Für alle anderen Kinder soll eine Impfung ebenfalls möglich sein, „sofern ein individueller Wunsch der Kinder und Eltern bzw. Sorgeberechtigten besteht“.

Zur Begründung, warum es keine allgemeine Impfempfehlung für fünf- bis elfjährige Kinder gibt, erklärte die Stiko, dass die meisten Infektionen „asymptomatisch“ verliefen. Auch sei die Datenlage, um das Risiko seltener Nebenwirkungen der Impfung in dieser Altersklasse einzuschätzen, nach Ansicht der Stiko noch nicht ausreichend. In der aktuellen Pressemitteilung kündigte die unabhängige Impfkommission an, die Empfehlung in Zukunft möglicherweise anzupassen, sollten weitere Daten zur Sicherheit des Impfstoffes oder andere relevante Erkenntnisse vorliegen. „Bislang ist die wissenschaftliche Begründung zur Empfehlung noch nicht veröffentlicht. Sie enthält in der Regel ausführliche Erläuterungen, wie die Stiko weitere Faktoren gewichtet, etwa soziale Aspekte.“

Einen ähnlichen Weg hatte die Stiko schon einmal beschritten als es um die Impfempfehlung für alle Kinder und Jugendlichen ab zwölf Jahren ging. Bei der EU-Zulassung des Impfstoffs im Mai hatte die Stiko zunächst ebenfalls nur die Impfung von Jugendlichen mit Vorerkrankungen empfohlen. Erst drei Monate später hatte die Stiko die Impfempfehlung für alle Jugendlichen ausgesprochen und dabei auf millionenfache Überwachungsdaten, insbesondere aus dem amerikanischem Impfprogramm, verwiesen.

Was wir bisher zur Sicherheit wissen

Aus der Zulassungsstudie liegen Erfahrungen mit insgesamt rund 3.000 geimpften Kindern vor. Dabei wurden auch die Nebenwirkungen und Impfreaktionen erfasst. Wie bei Jugendlichen und Erwachsenen auch kam es bei vielen geimpften Kindern zu Impfreaktionen, am häufigsten nach der zweiten Impfung. So berichteten gut 70 Prozent über Schmerzen oder Schwellungen an der Einstichstelle (allerdings auch 30 Prozent mit Placebo), knapp 40 Prozent über Abgeschlagenheit (rund 25 Prozent mit Placebo) und knapp 30 Prozent über Kopfschmerzen (etwa 20 Prozent mit Placebo).

Diese Beschwerden traten meistens am zweiten Tag nach der Impfung auf. Sie wurden mehrheitlich als eher leicht beschrieben und verschwanden innerhalb von ein bis zwei Tagen. Solche Symptome sind eine Reaktion des Immunsystems und treten auch bei anderen Impfungen auf. Schwere allergische Reaktionen (Anaphylaxien), Entzündungen des Herzmuskels (Myokarditis) oder des Herzbeutels (Perikarditis) fielen in der Zulassungsstudie nicht auf. Da diese Nebenwirkungen grundsätzlich so selten auftreten, hätte die Studie dafür allerdings deutlich größer sein müssen.

Daten aus den USA

In den USA wurden bisher rund fünf Millionen Fünf- bis Elfjährige mit Comirnaty zumindest teilweise, also mindestens einmal, geimpft (Stand 7.12.2021). Die US-Arzneimittelbehörde FDA hatte dem Impfstoff am 29. Oktober 2021 eine Notfallzulassung für diese Altersgruppe erteilt. Das Impfkommittee ACIP kam Anfang November zu dem Schluss, dass der individuelle Nutzen der Impfung die möglichen Risiken überwiege, auch wenn Covid-19 bei jüngeren Kindern in der überwiegenden Zahl der Infektionen mild verläuft.

In den USA ist bisher kein einziger Fall der am meisten gefürchteten Nebenwirkung, der Herzmuskelentzündung, bekannt geworden. Rochelle Walensky, die Direktorin der US-amerikanischen Gesundheitsbehörde CDC, sagte diese Woche, in dieser Datenbank gebe es bisher keinerlei Meldungen über diese Erkrankung bei unter zwölfjährigen Kindern. Allerdings sind bei Jugendlichen die Myokarditis-Fälle oft erst bis zu zwei Wochen nach der zweiten Impfung aufgetreten.

Das US-amerikanische Impfkommittee hatte darauf hingewiesen, dass Myokarditis durch andere Ursachen bei Kindern seltener ist als bei Jugendlichen und deshalb vermutlich auch impfbedingte Herzbeutelentzündungen nicht so häufig auftreten sollten. Die sind aber auch bei Jugendlichen eher selten: Das Paul-Ehrlich-Institut berichtet für Deutschland pro 1 Million Zweitimpfungen über etwa 82 Meldungen bei männlichen Jugendlichen, bei weiblichen dagegen nur über 4 bis 5.

Warum kommt die Empfehlung der Stiko erst jetzt?

Das Gremium wurde immer wieder dafür kritisiert, zu lange für Empfehlungen zu brauchen. Die Impfkommission verweist darauf, anders als die EMA zu arbeiten. Während die EMA Zulassungsempfehlungen ausspricht, gibt die Stiko konkrete Impfempfehlungen. „Die Ständige Impfkommission (STIKO) entwickelt Impfempfehlungen für Deutschland und berücksichtigt dabei nicht nur deren Nutzen für das geimpfte Individuum, sondern auch für die gesamte Bevölkerung“, ist auf den Seiten des RKI zu lesen. „Während für die Zulassung einer Impfung deren Wirksamkeit (zumeist im Vergleich zu Placebo), deren Unbedenklichkeit und pharmazeutische Qualität relevant sind, analysiert die STIKO darauf aufbauend neben dem individuellen Nutzen-Risiko-Verhältnis auch die Epidemiologie auf Bevölkerungsebene und die Effekte einer flächendeckenden Impfstrategie für Deutschland.“

Der Stiko-Chef Thomas Mertens räumte zuletzt allerdings auch Fehler ein. Er hatte im ARD-Politikmagazin Panorama erklärt, dass bestimmte Entscheidungen der Kommission „aus der heutigen Perspektive“ zu spät erfolgt sind. So wäre es laut Mertens „wahrscheinlich günstiger gewesen, mit dem Boostern früher anzufangen“. Daneben sorgte der Stiko-Chef zuletzt mit Aussagen zur Kinderimpfung für Verunsicherung unter Eltern.

Was ist anders am Kinderimpfstoff?

Der seit Ende November von der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA zugelassene Impfstoff von BioNtech/Pfizer („Comirnaty“) wurde für Kinder angepasst. Sie brauchen nur ein Drittel der Erwachsenen-Dosis. Die Ampullen enthalten entsprechend weniger Wirkstoff. Ein weiterer Unterschied: Der Kinderimpfstoff enthält einen anderen Puffer. Diese erhöht die Stabilität des aufgetauten Impfstoffs.

Der Impfstoff soll ab dem 13. Dezember in Deutschland ausgeliefert werden. 2,4 Millionen Dosen davon sind für den Start der Impfkampagne für Deutschland reserviert. Insgesamt leben 4,5 Millionen Kinder in dieser Altersgruppe in Deutschland. Einige Ärztinnen und Ärzte verimpfen jedoch auch jetzt schon eine entsprechend geringere Dosis des Erwachsenen-Impfstoffs.

Wer impft?

Nach Empfehlung der Stiko soll die Impfung mit 2 Impfstoffdosen im Abstand von 3 bis 6 Wochen durchgeführt werden.

Zwar sind für viele Eltern in erster Linie die Kinderärzte Ansprechpartner:innen, doch nicht alle bieten die Kinderimpfung an. Auch in vielen Impfzentren und bei mobilen Impfteams soll die Impfung möglich sein. Die nachfolgende Übersicht zeigt, wo ab sofort bzw. zeitnah die Impfung für Kinder angeboten wird:


Aachen, ab 17. Dezember

Berlin, ICC und Tegel, ab sofort, Naturkundemuseum Termine zur Zeit vergeben

Bayern, ab 15. Dezember, häufig wird lokale, telefonische Kontaktaufnahme empfohlen

Brandenburg an der Havel, ab sofort

Barnim (Landkreis; Eberswalde /Wandlitz), 18. Dezember

Braunschweig, ab 18. Dezember

Bremen, Kinderimpfzentrum, auf Einladung ab 14. Dezember

Coburg, ab 18. Dezember, nur nach telefonischer Anmeldung ab 14. Dezember

Ebersberg, ab sofort, nach telefonischer Anmeldung

Forchheim, Impfstraße Pretzfeld, noch unklar

Hamburg, Kinderimpfzentrum, noch unklar

Hannover, Impfen am Zoo, ab sofort sowie Region Hannover, ab 15. Dezember

Iserlohn, ab 14. Dezember

Kiel, 17. und 18. Dezember

Köln, ab 17. Dezember

Mühldorf am Inn, ab sofort

München, ab 15. Dezember, sowie weiterführende Informationen zu geplanten Impfangeboten

Niedersachsen, ab sofort

Regen (Landkreis), voraussichtlich ab 22. Dezember

Saarland, ab Mitte Januar 2022

Sachsen, in Vorbereitung

Sachsen-Anhalt, ab kommender Woche

Schleswig-Holstein, verschiedene Starttermine, weiterführende Infos zu Impfaktionen

Thüringen, ab 14./15. Dezember

Unterfranken, verschiedene Starttermine

Weitere bundesweite Termine, auch zu impfenden Arztpraxen erhalten Sie via Twitter, u.a. hier (U12Schutz)

Diese Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Sie wird in unregelmäßigen Abständen aktualisiert.

Lesen Sie jetzt:

Marianne Falck

Marianne Falck

Marianne Falck ist freie Journalistin, Filmemacherin und Autorin u.a. für ARD, BR, Süddeutsche Zeitung/ sz.de, FAZ/ faz.net und diverse Produktionsfirmen. Ihr Schwerpunkt liegt auf investigativen Recherchen und Langzeitrecherchen. Ein Stipendium der Filmförderungsanstalt (FFA) zur filmberuflichen Weiterbildung führte sie 2010 nach Los Angeles in die USA. Marianne Falck ist Mitglied im netzwerk recherche e.V. für investigative Journalisten und der Vereinigung Mörderische Schwestern e.V. für Autorinnen. 2020 erschien ihr erstes Sachbuch „Zuckerfrei von Anfang an“.



Corona: Ein Virus bedroht die Welt

Die Corona-Pandemie und ihre Gefahren prägen unser Leben. Wir RiffReporter unterstützen Sie mit verlässlichen Informationen dabei, durch diese schwierige Zeit zu kommen. Bei uns berichten sachkundige und mit Preisen ausgezeichnete Journalistïnnen für Sie. Hier bekommen Sie

Einzelne Recherchen für dieses Themenmagazin wurden vom Recherchefonds der Wissenschaftspressekonferenz e.V., von der Klaus Tschira Stiftung und von der Andrea von Braun Stiftung gefördert.

Auch Sie können uns fördern – mit einer freiwilligen Zahlung oder mit einem RiffReporter-Abo.

Verantwortlich im Sinne des Presserechts

Marianne Falck

Kreuzfeldweg 5a
85617 Aßling

www: https://mariannefalck.de

E-Mail: kontakt@mariannefalck.de

Weitere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

Redaktion: Iris Hinneburg

VGWort Pixel