Corona: Immunität nach Infektion zu Unrecht abgewertet

Die Impfung schützt vor einem schweren Covid-19-Verlauf und Long Covid. Dennoch ist eine Immunität nach einer überstandenen Infektion mindestens mit einer Impfdosis gleichzusetzen, fordern ExpertInnen.

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Rasterelektronenmikroskopische Aufnahme von Sars-CoV-2; das Virus ist in hellgrün, seine stacheligen Hüllproteine, die Spike-Proteine, in dunkelgrün dargestellt.

Wer im Internet zu Daten und wissenschaftlichen Einschätzungen rund um Sars-CoV-2 und Covid-19 recherchiert, kommt an Eric Topol nicht vorbei. Der US-amerikanische Mediziner, Direktor des Scripps Research Translational Institute in La Jolla/Kalifornien und Herausgeber von „Medscape" hat sich seit Beginn der Pandemie in zahlreichen Publikationen, Veranstaltungen und vor allem auf Twitter als profunder Kenner der Faktenlage zu SARS-CoV-2 gezeigt. In einem aktuellen Artikel kritisiert Topol die in den USA vorherrschende Fokussierung auf die Impfung als scheinbar alleinigen Weg zur Corona-Immunität. Topol nennt das den „Impftunnelblick“. Eine durchgemachte Infektion würde von den zuständigen Behörden hinsichtlich ihres Wertes für den Aufbau eines „Immunitätswalls“ in der Bevölkerung gegen das Coronavirus zu Unrecht abgewertet.

In den USA wird die Auseinandersetzung zwischen den Lagern „Immunität durch Impfung“ und „Immunität nach Infektion“ gerade sehr heftig geführt. Die Centers for Disease Control stuften die einmalige Impfung mit dem Vakzin von Johnson&Johnson immer noch als „vollständig geimpft“ ein. Doch der Zustand nach Genesung von Covid-19, „Prior Covid“, der einen wesentlich höheren Immunschutz erzeuge, würde überhaupt nicht anerkannt, kritisiert Topol. Dies zu tun, hieße selbstverständlich nicht, Menschen dazu aufzufordern, sich absichtlich anzustecken, was leichtsinnig wäre. Die Impfung sei nach wie vor die beste Empfehlung zum Schutz vor einer Infektion oder gar schwerem Covid-19. Es gelte aber eben auch zu akzeptieren, dass die natürliche Infektion ein Weg sei, um eine schützende Immunität zu erreichen.

Impfungen und Infektionen tragen dazu bei, dass in der Bevölkerung eine Immunitätsmauer gegen Covid-19 aufgebaut wird. Auf dem Foto: Reste einer „Immunitätsmauer“ in Münster. Diese Mauer rund um den Dom grenzte in mittelalterlichen Städten den Bereich ab, in dem nicht das städtische, sondern das kirchliche Recht galt.

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