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Totgesagte leben länger: Eine seit 170 Jahren verschollene Vogelart wird in Indonesien wiederentdeckt

Interview mit den Vogelexperten Ding Li Yong und Panji Gusti Akbar über den sensationellen Fund des Schwarzbrauen-Mausdrosslings auf Borneo

von
03.03.2021
6 Minuten
Der grau-braune Vogel in der Hand eines der Männer, die ihn gefunden  haben.

Eine Sensation: Nachdem in Indonesien jüngst mehrere neue Vogelarten entdeckt wurden, haben Ornithologen nun die Wiederentdeckung einer seit 170 Jahren verschollenen Art bekanntgegeben. Ausgehend von Fotos, die zwei Laienbeobachter gemacht hatten, kamen die Experten zu dem Ergebnis, dass der Schwarzbrauen-Mausdrossling (Malacocincla perspicillata) noch existiert, und berichteten davon in einem Fachmagazin. Medien wie BBC, Guardian und New York Times berichteten.

Zu dem Expertenteam gehörten Ding Li Yong von BirdLife International und Panji Gusti Akbar von der indonesischen Organisation Birdpacker.

***

Wie haben Sie reagiert, als Sie zum ersten Mal hörten, dass es den Schwarzbrauen-Mausdrossling noch geben soll?

Ding Li Yong: Mein erstes Gefühl war Skepsis. Die Art ist wenig bekannt, und es hat bei angeblich wiederentdeckten Arten schon viele Fehlalarme gegeben. In den USA wurde vor einigen Jahren behauptet, der Elfenbeinspecht sei wiederentdeckt worden, aber die Forscher konnten keine überzeugenden Beweise vorlegen. Mir ging durch den Kopf, dass es sich bei dem angeblichen Schwarzbrauen-Mausdrossling um einen ähnlich aussehenden Vogel aus Südamerika handeln könnte, oder dass das Foto bearbeitet worden sein könnte. Nach sorgfältiger Recherche und einem Gespräch mit Panji wurde mir klar, dass meine Skepsis unbegründet war.

Panji Gusti Akbar: Bei mir mischten sich anfangs Aufregung, Zweifel und Hoffnung. Ich durchsuchte mein Bestimmungsbuch nach einem Vogel, der dem Schwarzbrauen-Mausdrossling ähnlich ist, aber fand nichts. Als ein sehr kundiger Freund von mir auch zu dem Schluss kam, dass nichts außer dem Schwarzbrauen-Mausdrossling im Buch so aussieht wie auf dem Foto, das wir bekommen hatten, war ich außer mir, jubelte vor Freude und verrichtete ein Festgebet. Es war ein unvergesslicher Moment.

Wie ist es möglich, dass eine Vogelart so lange Zeit nicht beobachtet oder übersehen wird?

Poratritfotos der Vogelexperten Panji Gusti Akbar und Ding Li Yong
Die Vogelexperten Panji Gusti Akbar (links) und Ding Li Yong sind daran beteilig, den Fund zu dokumentieren und die Vogelart zu schützen.
Drei Bilder zeigen den Vogel, seine Entdecker und den Tieflandregenwald.
Der Schwarzbrauen-Mausdrossling, der Ort seiner Wiederentdeckung und der Tieflandregenwald, in dem er vorkommt. Die Fotos entstanden mit einer einfachen Handykamera und sind deshalb etwas unscharf.

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Christian Schwägerl

Christian Schwägerl

Christian Schwägerl ist Journalist in den Bereichen Umwelt, Wissenschaft und Politik. Er war als Korrespondent für die Berliner Zeitung (1997–2001), die Frankfurter Allgemeine Zeitung (2001–2008) und den SPIEGEL (2008–2012) tätig und arbeitet seit 2013 freiberuflich für Medien wie GEO, FAZ und Yale E360. Von ihm stammen die Bücher „Menschenzeit“ über das Anthropozän, „11 drohende Kriege“ über globale Konfliktrisiken (mit A. Rinke) und „Analoge Revolution“ über die Zukunft digitaler Technologien. Seit 2014 leitet er die von der Robert Bosch Stiftung geförderte „Masterclass Wissenschaftsjournalismus“. Schwägerl hat einen Master-of-Science-Abschluss in Biologie. Er ist Mitgründer und Vorstand von RiffReporter. Für seine journalistische Arbeit hat er zahlreiche Preise erhalten, darunter den Georg von Holtzbrinck Preis für Wissenschaftsjournalismus (2007) und den Otto-Brenner-Preis für kritischen Journalismus (2020, mit J. Budde).


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