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Krieg um Wasser und Klima: Was droht, wenn die Gletscher abschmelzen und Trinkwasser knapp wird

Die Klimakrise bedroht den Weltfrieden – vor allem Indien und China könnten sich gezwungen sehen, zu völlig neuen Mitteln der Existenzsicherung zu greifen. Von Andreas Rinke und Christian Schwägerl

von
07.07.2021
38 Minuten
Zwei Panzer bei einer Militärparade, die nicht wie üblich grün, sondern in einem blauen Tarnmuster angestrichen sind.

Schon heute ist der Zugang zu Wasser in vielen Regionen der Erde umstritten. In Zukunft sind vor allem wegen der Klimakrise noch wesentlich dramatischere, die ganze Welt betreffende Konflikte denkbar, wenn Nationen Angst davor haben, zum Beispiel durch Staudämme und Ableitungen von dem Lebenselixier abgeschnitten zu werden.

Deshalb haben wir für einen der möglichen Krisenherde ein fiktives Szenario entwickelt: Wir erzählen, wie ein Interessenkonflikt zwischen zwei Staaten in einer vielleicht nicht zu fernen Zukunft ablaufen könnte – als Gedankenmodell, um die Gefahren einer Eskalation zu zeigen. In einem Sachteil berichten wir, warum der Zugang zu Wasser so große geostrategische Bedeutung hat. Im zweiten Teil des Szenarios am Ende zeigen wir, welche überraschende Wendung ein Wasserkonflikt in Asien nehmen könnte.

Szenario 1, irgendwann in der Zukunft: Der Durst der Großmächte

Einen Augenblick ist es still. Die Arbeiter sind geschockt von der Nachricht, dass sie die Maschinen ausschalten und zusammenpacken sollen. Dann schreien sie los, zuerst wild durcheinander, bis sich aus der Menge ein Chor formt: „Vorwärts, weiter“, rufen sie im Takt, „weitermachen!“

Sechs Jahre haben sie unter der Erde verbracht. Sechs Jahre waren sie zwischen ihrer Barackensiedlung im tibetischen Nirgendwo und dem finsteren Erdinneren gependelt. Selbst an freien Tagen konnten sie ihre Siedlung kaum verlassen. Es gab in weitem Umkreis auch nichts, was sie hätten tun können. Morgens oder abends um fünf Uhr holte ein Bus die Arbeiter ab, fuhr sie hinauf zu einem der schwarzen Löcher im Fels zu den gigantischen Bohrmaschinen und brachte sie nach der Schicht wieder zurück.

Ihr Projekt war so geheim, dass der Abraum nachts aus dem Tunnel gebracht und mit Lastwagen weit weggefahren wurde, damit auf Satellitenbildern keine Baustelle zu sehen war. Welchem Zweck genau der Tunnel dienen sollte, hatte man ihnen nie gesagt. Ein Eisenbahnprojekt, eine militärische Anlage, ein wissenschaftliches Experiment, so lauteten die Gerüchte. Jedenfalls etwas „von nationaler Bedeutung“.

Wenige Jobs sind härter, als einen 50 Kilometer langen Tunnel durch das Gestein des Himalayas zu bohren. Aber das Ende war nah, die sechs Jahre bald abgelaufen. Seit Tagen hatten die Arbeiter von kaum etwas anderem gesprochen. Schichtleiter hatten ihnen erzählt, dass nur noch wenige Meter bis zum Ziel fehlten. Und jetzt, kurz vor dem Durchbruch, sollten sie aufhören?

„Vorwärts, weiter!“, rufen die Arbeiter empört. „Der Baustopp kommt von ganz oben“, schreit der Projektleiter, „und wenn ihr aufhört zu schreien, dann kann ich euch erklären, was los ist. Denn wenn ihr hier weiterbohrt, dann braucht ihr einen Taucheranzug.“ Das macht die Arbeiter neugierig. Wasser in ihrem Tunnel? „Was ihr hier geleistet habt, wird bald die ganze Welt erfahren“, sagt der Chef. „Unser Ziel war nämlich nicht, einen Eisenbahn- oder einen Militärtunnel zu bauen, sondern etwas viel Wichtigeres. Wir sind nur wenige Meter vom großen Yarlung Tsangpo entfernt, der neuen Lebensader Chinas.“

Wenige Tage später bekommen die Arbeiter saubere Arbeitsanzüge ausgehändigt. Die komplette Staatsspitze hat sich zu Besuch angekündigt. Die Politiker bringen Horden von Fernsehteams und Journalisten mit. Eine Bühne wird oben an einer Einfahrt aufgebaut, eine zweite tief unter der Erde. Der Präsident Chinas tritt vor die Kameras.

Eislandschaft im HImalaya, gefrorenes Schmelzwasser eines Gletschers formt sich zu einer Welle, im Hintergrund Berge.
Die Gletscher des Himalaya – wie hier der Laigu-Gletscher in der Region Qamdo – sind Wasserspeicher für Milliarden Menschen.
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3780 Kilometer entfernt, in Neu-Delhi, wird der indische Premier wenig später von seinen Leibwächtern mitten in einer Rede von der Bühne geholt und in sein kugelsicheres Auto bugsiert. Auf der Fahrt in den Regierungsbunker berichtet ihm sein Stabschef, was passiert ist. „Sie werden es tun, sie werden es wirklich tun – sie werden den Brahmaputra abzweigen.“

Er schaltet den Bildschirm an, um dem Premierminister den Auftritt des chinesischen Präsidenten vorzuspielen: „Der Klimawandel stellt China vor große Probleme“, hebt dieser an.

„Die Gletscher schmelzen, deshalb gibt es im Himalaya für einige Zeit viel, ja zu viel Schmelzwasser. Doch schon jetzt lassen die Dürren im Norden des Landes uns ahnen, was nach der großen Gletscherschmelze droht. Die Bilder von verdursteten Tieren und ausgemergelten Bauern sind unvergessen. An diesem glorreichen Tag eröffne ich deshalb ein neues Kapitel in der Geschichte der Volksrepublik China. Wir haben geschafft, wovon unsere Vorväter nur träumen konnten. Wir haben die Infrastruktur gebaut, um das Schmelzwasser des Himalayas in großen Kavernen zu lagern und bei Bedarf in die trockenen Ebenen Nordchinas zu leiten. Wir können nicht länger zusehen, wie das Schmelzwasser Tibets von Indien und Bangladesch verschwendet wird, indem ein Großteil einfach ins Meer fließt. Nun, da die Gletscher für einige Jahrzehnte ihr Wasser freisetzen, werden wir den Fluss Yarlung Tsangpo mit unseren Nachbarn teilen. Wir werden die Hälfte seines Wassers entnehmen und es über ein ausgeklügeltes Tunnelsystem für künftige Generationen speichern. Ich möchte betonen, dass dies kein aggressiver Akt ist, sondern Selbstverteidigung. Der Fluss ist von der Quelle bis zur Mündung 2906 Kilometer lang, von denen 1625 Kilometer auf chinesischem Staatsgebiet liegen, 918 Kilometer in Indien und 363 Kilometer in Bangladesch. Wir entnehmen also weniger als den Teil, der uns zusteht. Der Klimawandel hat China so zugesetzt, dass bei der nächsten Dürre in Nordchina Millionen Menschen sterben, wenn wir nicht das Wasser aus Tibet nutzen. Weil wir keine andere Wahl haben, ergreifen wir diese Chance zum Wohl des chinesischen Volks.“

Zweimal muss die Staatskarosse des indischen Premierministers wenden, weil die Einwohner von Neu-Delhi nun zu Zehntausenden auf die Straßen strömen, um zu protestieren. Die Nachrichtenbanner an den Hochhäusern könnten eindeutiger nicht sein: „Die Lebensader Indiens in chinesischer Hand“ – „China stiehlt den Brahmaputra“ – „Peking beginnt Wasserkrieg“.

Der indische Premierminister ist geschockt. Ein ums andere Mal hatte er das Thema bei seinen Gipfeltreffen mit der chinesischen Führung angesprochen. Immer wieder war ihm versichert worden, dass es sich bei den Berichten über die „Große Westliche Wasserbrücke“ um „Hirngespinste westlicher Medien“ handle. Es gehe bei den Staudämmen am Oberlauf des Flusses allein darum, Strom zu gewinnen, hatten seine Gesprächspartner ihm versichert. Daran, Wasser abzuzweigen, dächten höchstens einige verrückte Ingenieure und pensionierte Generäle. Und nun das, der Brahmaputra, die Lebensader des östlichen Indien, von dem Millionen Menschen existenziell abhängig sind, für Bewässerung, Grundwasser, Nahrung, Schifffahrt, alles.

Hochgebirgslandschaft mit Fluss
Die Flüsse des Himalaya versorgen China, Indien, Pakistan und alle anderen Anrainerstaaten mit Wasser.

„Wir haben ein zweites Problem“, sagt der indische Premierminister plötzlich zu seinem Stabschef, während sein Wagen in die Tiefgarage seines Regierungsbunkers einfährt. „Wir müssen umgehend unsere eigenen Projekte in Kaschmir und am Ganges stoppen, sonst nimmt uns niemand auf der ganzen Welt ernst.“ Denn Indien hatte Projekte wie den Kishenganga-Tunnel vorangetrieben, um den Rivalen Pakistan von einem erheblichen Teil des Himalaya-Wassers abzuschneiden. Auch wurde daran gearbeitet, das Flusssystem des Ganges mit neuen Projekten in der Art des Farakka-Kanals von Bangladesch auf indisches Territorium umzuleiten.

Das muss nun alles angehalten werden. Wie könnte Indien China wegen Wasserdiebstahls anklagen, wenn es das Gleiche mit Pakistan und Bangladesch vorhat?

Als der indische Premierminister vom Büro des chinesischen Präsidenten auf den nächsten Tag vertröstet wird, befiehlt er, die Atomstreitkräfte seines Landes in Alarmbereitschaft zu versetzen und an der Grenze zu China, besonders im nordöstlichsten Bundesstaat Arunachal Pradesh, Truppen aufmarschieren zu lassen.

Über Nacht randalieren militante Demonstranten in Neu-Delhi, Mumbai, Kolkata und vielen anderen Städten, attackieren Regierungsgebäude und stecken chinesische Konsulate und Kulturzentren in Brand. Zu Hunderttausenden strömen Inder an die Ufer der heiligen Flüsse Ganges und Brahmaputra, entzünden Feuer, steigen ins Wasser, beten. Die indische Nation steht unter Schock und fühlt sich von ihrer Regierung im Stich gelassen. Ebenfalls über Nacht versetzen Pakistan und Bangladesch ihre Armeen in Alarmbereitschaft. Der indische Geheimdienst meldet Truppenbewegungen in Kaschmir und verstärkte Aktivitäten auf den Raketenbasen der pakistanischen Armee.

Am nächsten Morgen um 6.30 Uhr Delhi-Zeit kommt das Telefongespräch mit Peking endlich zustande. Der chinesische Präsident versucht zu beschwichtigen. Die Hälfte des Schmelzwassers werde ja weiterhin in Indien und Bangladesch ankommen, und wenn wirklich Wassernot drohe, werde China „seine helfende Hand ausstrecken“.

Doch der indische Premier lässt sich nicht beruhigen. Es sei alles andere als eine großzügige Geste, Indien weiter mit Wasser des Brahmaputra zu versorgen. Denn dieses Wasser gehöre Indien ebenso wie China, ja, es sei Grundlage der indischen Kultur. Dass nach der großen Gletscherschmelze die Dürre drohe, treffe alle Länder im Himalaya. Dann droht er unverhohlen: „Wir sollten den Fehler von 1962 nicht wiederholen und Krieg gegeneinander führen. Aber wenn Sie uns dazu zwingen, um die Lebensgrundlagen unseres Volkes zu kämpfen, dann ist uns kein Opfer zu groß, dann werden uns auch die Hänge des Himalaya nicht davon abhalten, uns zu holen, was uns gehört.“

„Das sind große Worte“, antwortet der chinesische Präsident. „Was werden Bangladesch und Pakistan mit Indien machen, wenn sie von Ihren Projekten erfahren, die unseren in nichts nachstehen? Ist Ihre Kriegsdrohung gegen China zugleich eine Einladung an diese beiden Länder, Indien anzugreifen?“

Der indische Premier ist einmal mehr geschockt, wie effizient der chinesische Geheimdienst arbeitet. „Wenn wir uns nicht umgehend treffen, kann ich für nichts garantieren, aber ich hoffe, dass dies nicht der Zeitpunkt ist, zu dem Indien eine ganze Generation opfern muss, um die Landkarte der Region zu bereinigen“, antwortet er.

* * *

Im Juli 2011 fasste der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen einen weitreichenden Beschluss. Das Gremium der Mächtigen, das besonders dann gefragt ist, wenn auf der Welt Kriege und Krisen ausbrechen, warnte vor den Folgen des globalen Klimawandels: „Der Sicherheitsrat bringt seine Sorge zum Ausdruck, dass mögliche schädliche Effekte des Klimawandels langfristig bestimmte, bereits bestehende Gefahren für den internationalen Frieden und die Sicherheit verstärken.“

Zuvor hatte Achim Steiner, der damalige Leiter des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP), dem Rat in klaren Worten die Bedrohung geschildert: Es sei klar, dass die Erderwärmung schwerwiegende Folgen für das Zusammenleben der Menschen haben werde. Der Meeresspiegel drohe bis zum Ende des Jahrhunderts um mehr als einen Meter anzusteigen, was weite Küstenregionen, etwa in Bangladesch, unter Wasser setzen und ganze Inselstaaten wie Tuvalu versinken lassen könne. Eine durchschnittliche Erderwärmung um vier Grad Celsius bis 2060 und um sieben Grad Celsius bis 2100 gehöre zum Spektrum des Möglichen. Dies könnte negative Veränderungen in Ökosystemen bewirken und die Produktion von Nahrungsmitteln beeinträchtigen, warnte der UNEP-Chef.

Brennpunkt Himalaya

Besonders stark hob Steiner die Risiken für Zentralasien und die Himalaya-Region hervor. Der UNEP-Chef berichtete dem Sicherheitsrat von Streitigkeiten um Staudämme, von den schmelzenden Gletschern Chinas und davon, dass Peking bereits seine Wasserpolitik an die neue Lage im Hochland von Tibet anpasse. Weltweit sei die Frage nicht mehr, ob der Klimawandel eine Sicherheitsbedrohung sei, sondern wie die internationale Gemeinschaft die Risiken bewältige.

In wenigen anderen Regionen der Welt werden die Folgen des vom Menschen verursachten Klimawandels so stark zu spüren sein wie im Himalaya-Gebirge. Und in wenigen anderen Regionen können erhöhte Temperaturen und Wassermangel so weitreichende politische, wirtschaftliche und militärische Konsequenzen entfalten.

Drei Atommächte, Indien, China und Pakistan, stoßen hier aneinander. Zwischen ihnen verläuft die längste umstrittene Grenze der Welt. Zwischen Indien und China ist der Grenzverlauf auf weiten Strecken ungeklärt. Zudem befindet sich Indien im Dauerkonflikt mit Pakistan um die Kaschmir-Region.

Ein maskierter indischer Soldat mit Gewehr schaut aus der Luke eines Militär-LKWs, das Fahrzeug steht an einem Fluss
Die längste ungeklärte Grenze der Welt verläuft zwischen China und Indien. Die indische Armee, hier ein Soldat am Srinagar-Ladakh-Highway bei Gagangeer, ist in ständiger Alarmbereitschaft.

Das Himalaya-Gebirge hat in den vierzig Millionen Jahren, in denen sich die indische unter die eurasische Erdplatte schiebt, selbst das Klima Asiens massiv beeinflusst. Seine Gipfel, von denen elf sich über 8000 Meter über den Meeresspiegel erheben, halten kalte Luft aus dem Norden davon ab, nach Indien zu strömen, und umgekehrt warme Luft aus dem Süden, gen Norden zu fließen.

Doch nun sagen Klimaforscher massive Veränderungen binnen sehr kurzer Zeit voraus. Die Temperaturen werden wissenschaftlichen Prognosen zufolge schneller und stärker ansteigen als in anderen Weltregionen. Das dürfte den Monsunregen verändern, der die Ernährung von bald 1,5 Milliarden Indern existenziell beeinflusst. Die Erwärmung führt zugleich zu einem Abschmelzen der mächtigen Gletscher.

Als „dritter Pol“ wird das Himalaya-Gebirge oft bezeichnet, weil seine Gletscher die größten Eismassen abseits von Arktis und Antarktis bergen. Allein in den Einzugsgebieten der großen Flüsse Indus, Ganges und Tsangpo/Brahmaputra haben indische Forscher 32.392 Gletscher gezählt, die eines der größten Süßwasserreservoirs der Erde bilden.

Schwindende Wasserspeicher

Für die 1,5 Milliarden Menschen, die in Indien, China, Nepal, Bhutan, Bangladesch und den südostasiatischen Ländern an jenen Flüssen leben, die im Himalaya entspringen, ist das Schmelzwasser der Gletscher von existenzieller Bedeutung. Es steht nämlich bisher genau dann zur Verfügung, wenn von Natur aus Trockenheit und Wasserknappheit herrschen. Die Flüsse sind die Lebensadern Asiens. Sie bieten nicht nur Nahrung, Wasser für die Landwirtschaft und Transportmöglichkeiten, sondern haben besonders in Indien auch eine große spirituelle Bedeutung.

Eine dauerhafte Versorgung weiter Teile Asiens mit Schmelzwasser setzt voraus, dass sich die Gletscher des Himalaya jedes Jahr erneuern können. Doch chinesische und indische Forscher beobachten seit Jahren einen kontinuierlichen Schwund.

Eine Prognose im 7. Bericht des Weltklimarats IPCC von 2007, dass die Gletscher des Himalaya bis 2035 verschwunden sein könnten, hat sich zwar als peinlicher Fehler entpuppt, der nicht durch wissenschaftliche Daten gedeckt ist.

Doch die indische Regierung veröffentlichte bereits im Frühjahr 2011 die Ergebnisse einer von Satelliten unterstützten Langzeituntersuchung von knapp 2800 Gletschern, die Klarheit schafft. Ihr zufolge schrumpfen drei Viertel der Gletscher mit einem sehr hohen Tempo von 3,75 Prozent pro Jahr, während nur acht Prozent der Gletscher zulegen. Eine intensive Untersuchung von knapp 500 indischen Gletschern hat 2007 ergeben, dass ihre Fläche seit den 1960er Jahren um ein Fünftel kleiner geworden war.

Kohletagebau bei Nacht, die riesigen Maschinen sind hell angestrahlt
Die Verbrennung fossile Energieträger wie Kohle heizt die Erdatmosphäre auf, weil Kohlendioxid die Rückstrahlung von Sonnenenergie ins All abschwächt. Dies macht sich auch in Gletscherschmelze bemerkbar.

Wissenschaftler der Chinesischen Akademie der Wissenschaften haben 2010 Daten vorgelegt, denen zufolge die chinesischen Gletscher in den vergangenen 30 Jahren um 17 Prozent geschrumpft sind. Yao Tandong, einer der führenden Gletscherexperten der Akademie, hält Studien für glaubhaft, wonach die Himalaya-Gletscher bis 2030 um weitere 30 Prozent und bis 2050 um 40 Prozent schrumpfen werden.

Der Klimawandel trifft die südasiatischen Länder Indien, Pakistan und Bangladesch besonders stark. (WBGU)

Vollends geklärt ist die Frage nicht, wie schnell der Schmelzprozess laufen könnte. Untersucht wird etwa, ob die Erderwärmung mit der Luftfeuchtigkeit auch den Schneefall vergrößern könnte und dies bei Gletschern zu Wachstum führen kann. Wachstum registrieren Forscher allerdings vor allem unterhalb von Gletschern: Bei den Seen, in denen sich Schmelzwasser sammelt. Ihre Ausdehnung wuchs zwischen 1990 und 2018 weltweit um 50 Prozent. Das Schmelzwasser von Gletschern trägt bereits heute zum Anstieg des Meeresspiegels bei. Eine 2019 veröffentlichte Studie beziffert den Anteil der Gletscher außerhalb von Arktis und Antarktis am Meeresspiegelanstieg auf rund ein Drittel.

Dritter Pol auf Heißzeitkurs

Das International Centre for Integrated Mountain Development (ICIMOD) in Nepal sieht die Himalaya-Gletscher auf breiter Front auf dem Rückzug und warnt vor einem weitgehenden Verschwinden der Gletscher bis zum Beginn des 22. Jahrhunderts. Die Folgen sind bereits spürbar: Im Februar 2021 raste eine gewaltige Flutwelle den Alaknanda im indischen Bundesstaat Uttarakhand hinunter – Auslöser war der Kollaps von Gletschermassen im Oberlauf des Flusses. Wissenschaftler bringen auch dieses Ereignis mit der Erderwärmung in Verbindung.

Regionale Klimaprognosen sind enorm schwierig, weshalb der Weltklimarat IPCC stets auf Unsicherheiten in seinen Vorhersagen hinweist. Für Indien, Pakistan und Bangladesch rechnete der IPCC in seinem 4. Weltklimabericht mit einer Erwärmung um 2 bis 4,7 Grad Celsius bis zum Jahr 2100 gegenüber dem Beginn der Industrialisierung, für das tibetische Hochland um 2,8 bis 5,1 Grad Celsius.

Hinter solchen Durchschnittswerten verbergen sich für die betroffenen Menschen und Ökosysteme enorme Temperaturunterschiede. So war es während der letzten Eiszeit auf der Erde durchschnittlich nur 4 bis 5 Grad Celsius kälter als heute. Eine Zunahme um drei oder vier Grad käme da einer „Heißzeit“ gleich.

“Der Klimawandel trifft die südasiatischen Länder Indien, Pakistan und Bangladesch besonders stark. Zu den Folgen zählen der Anstieg des Meeresspiegels, der zum Beispiel. das dicht besiedelte Gangesdelta bedroht, die Beeinflussung des für die Landwirtschaft so wichtigen Monsunregens, das Abschmelzen der Gletscher in der Hindukush-Karakorum-Himalaya-Region, deren Schmelzwasser für die Wasserversorgung in den trockenen Jahreszeiten von entscheidender Bedeutung ist, sowie die absehbare Zunahme von Starkregenereignissen und der Intensität tropischer Wirbelstürme ”, warnte der Wissenschaftliche Beirat Globale Umweltveränderungen der Bundesregierung bereits 2007.

Luftaufnahme eines ausgetrockneten Feldes mit rissigem Boden, auf das ein Bauer einen Wasserschlauch zieht.
Verzweifelter Kampf gegen Dürre in China im Mai 2020 in der Nähe von Neijiang: Wasserversorgung ist für das Land eine Überlebensfrage.

Wie genau diese Erwärmung das wichtigste Wetterphänomen der Region, den Monsun, der Landwirte mit Wasser versorgt, beeinflussen wird, ist noch unklar. Doch Klimaforscher sind sich weitgehend einig, dass der Himalaya-Region eine schwierige Entwicklung bevorsteht: Während die Gletscher abschmelzen, fließt tendenziell deutlich mehr Wasser in den Flüssen als heute.

China wächst wirtschaftlich – und damit der Wasserbedarf

Das kann nicht nur zu Katastrophen wie der Flut am Alaknanda Anfang 2021 führen, sondern zeitweise auch sehr positive Effekten haben, wenn in die landwirtschaftlichen Ebenen mehr Schmelzwasser gelangt. Sobald die Gletscher deutlich geschrumpft sind, tritt allerdings ein chronischer Wassermangel ein. Besonders für die Landwirte würde es noch schwieriger als schon heute, Trockenperioden zu überstehen, in denen sie sich bisher aus den Flüssen über Bewässerungskanäle mit Wasser versorgen.

Gleichzeitig nimmt die Nachfrage nach Süßwasser deutlich zu. Schon heute kämpfen die beiden asiatischen Großmächte mit extrem harten Folgen von Wassermangel und ökologischem Stress durch Umweltveränderungen.

Die Industrialisierung Chinas und auch Indiens findet vor allem in den großen Flusstälern statt. Für Indien sagen die Vereinten Nationen bis zur Mitte des Jahrhunderts ein starkes Bevölkerungswachstum auf mehr als 1,6 Milliarden Menschen voraus, in Pakistan sollen bis Mitte des Jahrhunderts 121 Millionen Menschen hinzukommen.

Mit dem Wohlstand wächst in Asien auch die Nachfrage nach Fleisch, was eine intensivere Bewirtschaftung mit hohem Wasserverbrauch voraussetzt. In ihrer neuesten Projektion für den globalen Fleischkonsum rechnen die UN-Welternährungsorganisation FAO und die OECD mit einem Anstieg für Asien von rund 150 Millionen Tonnen jährlich im Jahr 2019 auf rund 175 Millionen Tonnen im Jahr 2029.

Der schwierige Zugang zu sauberem Wasser

Die großen Flüsse, die in der Himalaya-Region entspringen – darunter Indus, Ganges, Tsangpo/Brahmaputra, Jangtsekiang, der Gelbe Fluss und Mekong – versorgen zusammengenommen jeden fünften Menschen auf der Erde mit Wasser. Modellberechnungen, die im Wissenschaftsjournal Science veröffentlicht wurden, haben ergeben, dass die vom IPCC vorhergesagte Erderwärmung die Wassermengen in diesen Flüssen deutlich verringern würde.

Zwar wird fehlendes Schmelzwasser teilweise durch höhere Niederschläge ausgeglichen, doch kommt die Studie zu dem Ergebnis, dass das verfügbare Wasser aus dem Indus um acht Prozent, aus dem Ganges um 18 Prozent, aus dem Brahmaputra um 20 Prozent und aus dem Jangtsekiang um fünf Prozent abnehmen könnte. Nur der Gelbe Fluss zeigt in den Modellberechnungen eine Zunahme des verfügbaren Wassers.

Die Autoren warnen vor Unwägbarkeiten in ihren Annahmen, stellen aber zugleich fest: „Obwohl zunehmende Niederschläge ausgleichend wirken können, erwarten wir, dass sich die Wassermengen des Indus und Brahmaputra im Frühjahr und Sommer zwischen 2046 und 2065 dauerhaft und deutlich verringern, wenn eine Zeit steigender Abflüsse aus beschleunigter Gletscherschmelze vorüber ist.“

Frauen in orangefarbener und roter traditioneller Kleidung stehen im Wasser des Brahmaputra
Lebensader Indiens: Beim Chhath-Puja-Fest stehen Hinduistinnen im November 2020 am Ufer des Brahmaputra.

Im Einzugsgebiet des Brahmaputra könnte dies die Ernährungssicherheit von 34 Millionen Menschen gefährden, am Indus von 26 Millionen Menschen und am Ganges von 2,4 Millionen Menschen. Insgesamt könnte die Ernährung eines erheblichen Teils der der Bevölkerung durch zeitweiliges Austrocknen oder einen dauerhaft niedrigeren Pegel der Himalaya-Flüsse bedroht sein. Die Austrocknung des Aralsees, der früher der viertgrößte Binnensee der Welt war, zeigt, welche gewaltigen Dimensionen Wasserfragen annehmen können.

In den vergangenen Jahrzehnten hat eine große Zahl von Menschen erstmals Zugang zu sauberem Trinkwasser bekommen – 1,8 Milliarden Menschen waren es allein seit dem Jahr 2000, wie das UN-Kinderhilfswerk Unicef berichtet.

Risiko von Wasserkriegen

Doch rund 2,2 Milliarden Menschen weltweit haben ebenfalls laut Unicef keinen regelmäßigen Zugang zu sauberem Wasser. Und rund 785 Millionen Menschen – sehr viele von ihnen leben in den ärmsten Ländern der Welt – verfügen nicht einmal über eine Grundversorgung mit sauberem Trinkwasser. Bei fast 80 Prozent der Weltbevölkerung ist der sichere Zugang zu Trinkwasser in absehbarer Zeit Bedrohungen ausgesetzt – zu den großen Risikofaktoren gehören auch die Klimakrise und Schäden an Ökosystemen wie Feuchtgebieten, Grundwasserspeichern sowie Fließgewässern und Süßwasserreservoirs in Gebirgen.

Einen „blinden Fleck in der Entwicklungsdebatte” nennt dies Martha Rojas Urrego, Chefin der UN-Konvention zum Schutz von Feuchtgebieten: Dass jeder Mensch das Wasser, das ihn tagtäglich am Leben erhält, aus der Natur bezieht, gilt als so selbstverständlich, dass es vor allem im Westen wenigen wirklich bewusst sei, vielfach auch den Menschen und Institutionen nicht, die technisch für die Wasserversorgung zuständig seien.

Eine Frau geht mit einem Eimer in der Hand durch ein trockengefallenes Flussbett, in dem Boote auf dem Trockenen liegen
Wassermangel – wie hier 2014 während einer Dürre im Bundesstaat Assam – ist ein existentielles Problem für Indien.

Der Zugang zu sauberem Wasser für alle Menschen ist Ziel Nummer 6 der insgesamt 17 „Sustainable Development Goals" der Weltgemeinschaft. Ein wichtiges Teilziel nimmt dabei die Natur ins Visier. Denn an jedem Ort der Erde gilt: Ob für uns Menschen genug sauberes Wasser zur Verfügung steht, hängt nicht nur davon ab, ob es überhaupt genug Niederschläge gibt, ob Wasser an der Oberfläche und im Untergrund in ausreichender Menge und Qualität zur Verfügung stehen. Sondern auch davon, dass es wie das Schmelzwasser der Gletscher ganzjährig zur Verfügung steht – nicht zu viel, sonst wäre es eine Überschwemmung, und nicht zu wenig, sonst wäre es gefährliche Trockenheit.

Das ganze Netzwerk von Wasserrechten und Wasserverteilung hängt in vielen Teilen der Welt davon ab, dass Wasser in den Schnee- und Eismassen von Gebirgen gespeichert wird. (Aaron Wolf)

Die große Frage für Asien ist: Wie kann eine sichere Wasserversorgung aufrechterhalten und auf alle Menschen ausgeweitet werden? Und können dies die Atommächte China, Indien und Pakistan mit friedlichen Mitteln tun?

Trotz mannigfaltiger Warnungen vor „Wasserkriegen“ hat die Menschheit es bisher meist verstanden, Verteilungskonflikte entlang von Flüssen mit friedlichen Mitteln zu lösen. Der Geograph Aaron T. Wolf von der Oregon State University, einer der weltweit führenden Experten für Wasserkonflikte, hebt hervor, dass bisher nur ein wirklicher Wasserkrieg bekannt ist, der schon vor 4500 Jahren im Euphrat-Tigris-Becken stattgefunden hat.

Staudämme als Machtmittel

Während es seit 1950 rund 500 Streitigkeiten zwischen Nationen um Wasser gegeben habe, seien gleichzeitig mehr als 1200 Kooperationsabkommen abgeschlossen worden. „Gewaltanwendung im Umgang mit Wasser ist strategisch nicht rational, hydrographisch nicht effektiv und wirtschaftlich nicht tragfähig“, schreibt Wolf. So sei es zum Beispiel unklug, wenn ein Land am Unterlauf eines Flusses einen Staudamm am Oberlauf bombardiere – „das würde eine Wand von Wasser zum Angreifer schicken“.

Großer Staudamm in einem engen Tal, Wasser schießt durch die Turbine
Das derzeit größte Wasserkraftwerk in Tibet – Zangmu.

Doch in vielen Teilen der Welt ist Wasser ein umstrittenes Gut:

  • Seit 2015 versuchen Nil-Anrainer, ein Abkommen über die Nutzung der Wasserressourcen des Flusses abzuschließen, ausgelöst von der Errichtung des „Renaissance-Staudamms“ am Blauen Nil in Äthiopien, einem der größten Bauwerke Afrikas. Während sich die Vereinten Nationen 2020 optimistisch zeigten, sind Beobachter skeptisch.
  • Costa Rica und Nicaragua streiten sich seit vielen Jahren um den genauen Verlauf der Grenze am San Juan-Fluss. Dabei geht es auch um Kontrolle über Südwasserreserven.
  • Am Mekong häufen sich Streitigkeiten zwischen den Ländern am Oberlauf, die den Fluss mit Wasserkraftwerken nutzen, und Ländern weiter unten wie Kambodscha, die Angst um eine sichere Wasserversorgung haben.

Trotz der aufgeheizten Rhetorik der Trump-Jahre und dem unter Trump begonnenen Bau einer Mauer riedlich verläuft dagegen die gemeinsame Bewirtschaftung des Colorado River an der Grenze der USA zu Mexiko. Der häufig niedrige Wasserstand des Flusses spiegelt den enormen Wasserbedarf der Region wider – seit vielen Jahren wird vor allem für die Landwirtschaft so viel Wasser entnommen, dass der Colorado sein Mündungsgebiet gar nicht mehr erreicht und vorher trocken fällt. Doch die USA und Mexiko kooperieren dabei, regelmäßig einen Wasser-"Puls" durch das Flussbett zu schicken, damit das Feuchtgebiets-Ökosystem wenigstens ansatzweise erhalten bleibt.

Gletscher als Friedensgaranten

Forscher Aaron Wolf sieht durchaus die Möglichkeit, dass bei Streitigkeiten zwischen Ländern um die Ressource Wasser in Zukunft doch „Gewalt wahrscheinlich“ wird: wenn sich die Wasserverfügbarkeit schnell verändere, wenn sie stärker als früher schwanke und wenn Institutionen aller Art damit überfordert seien, die neue Situation zu regeln.

„Das ganze Netzwerk von Wasserrechten und Wasserverteilung hängt in vielen Teilen der Welt davon ab, dass Wasser in den Schnee- und Eismassen von Gebirgen gespeichert wird.“ Angesichts der Klimawandelszenarien, folgert Wolf, seien Wasserkriege durchaus denkbar.

Modi am Rednerpult, er streckt seinen linken Arm nach oben
Der indische Premierminister Narendra Modi bei der Eröffnung des Kishanganga-Wasserkraftwerks nahe Srinagar in der Nähe der Grenze zu Pakistan.

Insbesondere an Staudammprojekten entzünden sich weltweit Streitigkeiten zwischen Ländern. Sie erlauben es dem Land am Oberlauf, sowohl Wasser für die Trockenzeit zu speichern als auch es mithilfe von Kanälen und Tunneln abzuzweigen und so den Menschen am Unterlauf des Flusses vorzuenthalten.

In Syrien und im Irak löste deshalb in der Vergangenheit das türkische Großvorhaben, den Tigris mit dem Ilusu-Projekt und den Euphrat mit dem Beyhan-Projekt aufzustauen, Angst vor Wasserknappheit aus. In Kenia sorgen sich viele Menschen vor negativen Effekten des äthiopischen „Gibe“-Damms. Und auch wenn der Streit um das Nilwasser noch nicht eskaliert ist, zeigen regelmäßige militärische Drohungen der beteiligten Länder doch sehr deutlich, wie existentiell dieses Thema ist und wie schnell Kriegs-Szenarien im Raum stehen.

Auch für die Himalaya-Anrainer können Staudämme zur Existenzfrage werden. Seit vielen Jahren streiten sich China und die weiteren Anrainerstaaten um chinesische Staudammprojekte.

Kontroverse Dämme

Die drei Himalaya-Flüsse Indus, Brahmaputra und Ganges entspringen allesamt in einem Gebiet rund 500 Kilometer nordöstlich von Neu-Delhi im Umkreis des Berges Kailash.

Der Ganges hat seinen Ursprung auf indischem Territorium. Der Indus sowie der Yarlung Tsangpo, der später zum Brahmaputra wird, entspringen in China.

Trotz zahlreicher militärischer Konflikte im Himalaya seit dem Zweiten Weltkrieg und dem nuklearen Kräftemessen zwischen Indien und Pakistan ist es bisher gelungen, die Wasserressourcen weitgehend friedlich zu teilen. Nach langen, schwierigen Verhandlungen haben Indien und Pakistan 1960 den „Indus-Vertrag“ abgeschlossen. Er spricht Indien zu, das Wasser der drei westlich entspringenden Flüsse Ravi, Beas und Satluj zu nutzen, und Pakistan das Wasser der drei östlich entspringenden Flüsse Indus, Jhelam und Chenab. Indien und Bangladesch haben 1977 nach langjährigen Konflikten ebenfalls ein Wasserabkommen unterzeichnet.

Das verhindert nicht, dass die Nationen sich um die Wassernutzung streiten. Besonders kontrovers war zwischen Indien und Pakistan der Bau des Kishenganga-Staudamms, für den ein 24 Kilo­meter langer und fünf Meter breiter Tunnel durch die nordkaschmirische Gebirgskette gebohrt wurde.

Der Tunnel entzieht dem Fluss Neelum, den Pakistan für sich beansprucht, Wasser, um daraus Strom für Indien zu gewinnen. Indien argumentiert, dass das Wasser letztlich wieder im Jhelam-Fluss lande, der nach Pakistan fließt. Doch Pakistan wollte sich den Eingriff in das Neelum-Tal nicht gefallen lassen und warnte, dort entstehe sonst eine Wüste.

Die indische Regierung unter Premierminister Modi ließ sich von den Bedenken nicht abhalten – und nahm das Wasserkraftwerk 2018 in Betrieb.

Xi Jinping steht an der Reling eines Bootes und schaut auf einen See.
Mai 2021: Der chinesische Präsident Xi Jinping besucht das Danjiangkou-Wasserreservoir, das zum Süd-Nord-Wasserumleitungs-Projekt gehört und lässt sich auch über Naturschutzmaßnahmen informieren.

Auch zwischen Bangladesch und Indien bleibt die Lage gespannt, denn Bangladesch wirft seinem großen Nachbarland vor, systematisch zu viel Wasser aus dem Ganges abzuzweigen, um es in die Region von Kolkata zu leiten.

Die größte Spannung entwickelt sich allerdings zwischen Indien und China. Die beiden Mächte haben bisher keinen Vertrag geschlossen, wie sie die Wasserressourcen ihrer Region teilen, sondern nur eine Vereinbarung über den Austausch hydrologischer Daten. Zur Wasserfrage kommen territoriale Spannungen: China beansprucht den nordöstlichsten Bundesstaat Indiens, Arunachal Pradesh, wo der Tsangpo den Himalaya hinunterdonnert und zum Brahmaputra wird, fast vollständig für sich, was indische Sicherheitsexperten warnende Szenarien schreiben lässt. Der Grenzverlauf in den Regionen, in denen der Indus und der Satluj von China nach Indien fließen, ist ebenfalls nicht geklärt.

Indien steckt bereits in einer Wasserkrise

Schon jetzt herrscht in weiten Teilen Indiens eine veritable Wasserkrise. Der Grundwasserspiegel sinkt, die Landwirtschaft leidet. Aber wenigstens war darauf Verlass, dass das Wasser, das im Himalaya schmilzt, seinen Weg in die weiten Talebenen findet.

Bis vor kurzem gab es im gesamten Oberlauf des Tsangpo auf chinesischer Seite keinen Staudamm. Medienberichte über mögliche Projekte ließ die chinesische Regierung mehrere Jahre lang konsequent dementieren.

2009 jedoch gab es erste Berichte in chinesischen Zeitungen über eine Serie von mehreren Staudämmen, die in der Nähe von Gyaca am Oberlauf des Tsangpo realisiert würden. Die indische Öffentlichkeit bemerkte dies erst mit Verzögerung, war aber dann umso schockierter über Satellitenbilder, die bei einem der Dämme, „Zangmu“, bereits einen erheblichen Baufortschritt erkennen ließen.

Bereits 2010 und 2011 kam es deshalb zu hitzigen Debatten im indischen Parlament, in denen sich die damalige Regierung vorwerfen lassen musste, nicht vehement genug gegen die chinesischen Staudämme protestiert zu haben und so die Interessen Indiens zu verraten.

Flusslandschaft ohne menschlichen Einfluss
Der Tongtian-Fluss gehört zu den wichtigsten Zuflüssen des Yangtze. Es gibt Pläne, sein Wasser in Richtung des Gelben Flusses abzuleiten und damit in die nördlicher gelegenen Bevölkerungszentren Chinas.

Der Zangmu-Damm samt Wasserkraftwerk ging dann im November 2014 in Betrieb. Doch das ist erst der Anfang: Weitere Dammprojekte tragen die Namen Dagu, Jiacha und Jiexu.

China ist in der Vergangenheit nicht davor zurückgeschreckt, von seiner Wasserhegemonie im Verhältnis zu seinen Nachbarn Gebrauch zu machen. (Brahma Chellaney)

Ende 2020 gab die regierungsnahe chinesische Zeitung Global Times Pläne aus Peking bekannt, noch einen weiteren Staudamm in Angriff zu nehmen, ein “Super-Projekt”, das im unteren Teil der chinesischen Seite entstehen soll, wo der Fluss in einer dramatischen Biegung viele hundert Höhenmeter verliert. Das Projekt ergebe sich aus dem 14. Fünf-Jahres-Plan des Landes, wird Yan Zhiyong, Vorstand der Wasserkraftfirma Powerchina, zitiert. Es gebe “keinen Vergleich in der Geschichte” und handle sich um eine “historische Gelegenheit für die chinesische Wasserkraftindustrie”, wird der Firmenchef zitiert.

Es handle sich um ein “Projekt für die nationale Sicherheit” und zudem einen wichtigen Beitrag zu den Klimaschutzzielen Chinas, da CO2-freier Strom erzeugt werde. Inzwischen ist von einer geplanten Leistung von 60 Gigawatt die Rede – was dem Dreifachen des Drei-Schluchten-Staudamms entspräche und das Projekt zum größten Wasserkraftvorhaben der Welt machen würde.

Die Vorhaben macht Indien, das mit China um die Vorherrschaft in Asien ringt, hochnervös.

Indische Regierungsvertreter befürchten, dass China Wasser zurückhalten und so die Versorgung Ostindiens mit Wasser kontrollieren könnte, und das Wasser im Konfliktfall als Druckmittel einsetzen könnte.

China denkt und handelt in großen Dimensionen

Das Handelsblatt zitiert Brahma Chellaney, Geopolitikexperte am Centre for Policy Research in Neu-Delhi, mit den Worten: „China ist in der Vergangenheit nicht davor zurückgeschreckt, von seiner Wasserhegemonie im Verhältnis zu seinen Nachbarn Gebrauch zu machen.“ Die neuen Staudammpläne seien nun die bisher wohl größte Gefahr für die Wasserversorgung in der Region.

Sogar vor einem Einsatz des Wassers als Waffe haben indische Beobachter Angst. Der Journalist Amitava Mukherjee warnte Ende März 2021 in “The Diplomat”: “Wenn das Wasserkraftprojekt an der Großen Biegung zustande kommt, dann wird nicht nur Arunachal Pradesh, sondern ganz Nordostindien mit dem Risiko schlafen müssen, dass jederzeit gigantische Wassermengen über unsere Köpfe hereinbrechen können.”

Luftaufnahme eines großen Kanals
Weit vom Himalaya entfernt, aber doch Teil desselben Süd-Nord-Wassertransfer-Projekts: Das Shahe-Aquädukt in der chinesischen Provinz Henan.

Zudem geht die Sorge geht um, dass es gar keiner kriegerischen Handlung bedürfte. Die betreffende Region ist geologisch aktiv – ein Erdbeben könnte einen oder mehrere Dämme brechen lassen und zu einer Katastrophe führen. Auch um dem vorzubeugen, sondiert die indische Regierung Pläne für einen Staudamm weit oben am Fluss auf eigenem Territorium.

Und noch eine Sorge zirkuliert in Indien: Statt Wasser nur zu stauen, könnte China die Schmelzwasser des Himalayas ganz daran hindern, ihren Weg nach Indien zu finden.

Denn in China wurden immer wieder Pläne diskutiert werden, in großem Stil das Wasser des Tsangpo abzuzweigen und in das trockene Nordchina umzuleiten, wo der Bedarf enorm ist.

Mit dem Bau großer Kanäle hat China lange Erfahrung, die Arbeiten am „Kaiserkanal“, der Peking und Shanghai verbindet, begannen bereits vor 2400 Jahren. Eine Wasserleitung quer durch das tibetische Hochland mit seinen Gebirgsketten zu legen, würde freilich eine ganz andere Dimension von Ingenieurskunst darstellen. Nichtsdestotrotz haben sich einflussreiche Kreise in China immer wieder mit der Idee befasst.

Tunnel sollen das Wasser in die Metropolen bringen

2005 veröffentlichte einer der Vordenker des Projekts, Li Ling, das Buch “Tibets Wasser wird China retten”, das einen konkreten Vorschlag für eine Route unterbreitet. Diese Route wurde von der chinesischen Regierung zwar als „Fantasterei“ abgetan, doch wenige Jahre später wurde am Staatlichen Laboratorium für Wasserwissenschaft und Ingenieurswesen ein ähnlicher Plan mit einer neuen Route entwickelt, die vom im Bau befindlichen Staudamm Zangmu abzweigt. Der Autor, Wang Guangqian, schlägt vor, 200 Milliarden Kubikmeter Wasser pro Jahr aus dem Tsangpo abzuzweigen und in den durstigen chinesischen Norden zu leiten.

Ende 2017 bekamen die Pläne wieder öffentliche Aufmerksamkeit, als eine Gruppe chinesischer Unternehmer und Wasserbauingeneure den Plan für einen 1000 Kilometer langen Tunnel vom Tsangpo in die Provinz Xinjiang unter dem Namen “Red Flag River Project” lancierte. Zwar hält selbst die eher konservative US-amerikanische Jamestown Foundation das Ganze nicht nur für einen Bluff, sondern versuchten Investorenbetrug.

Chinesische Regierungsmedien weisen die Meldungen als “fake news” Warnungen vor einem “Wasserkrieg” als abwegig zurück.Die chinesische Seite versucht, die indischen Bedenken zu zerstreuen. Die Gebiete am Unterlauf des Flusses hätten keine Beeinträchtigung zu befürchten, zitierte die Frankfurter Allgemeine Zeitung im November 2010 Li Chaoyi, Chefingenieur des Energiekonzerns Huaneng, aus der Nachrichtenagentur Xinhua. „Nach der Inbetriebnahme wird das Wasser durch Turbinen und Schleusen geleitet und den Wasserstand am Unterlauf nicht beeinflussen“, sagte der Ingenieur.

Ein Kanal, der in einem Hügel verschwindet.
Chinesische Wasserbaukunst: Auch dieses Bauwerk bei Shijiazhuang ist Teil des Süd-Nord-Wassertransfer-Projekts.

Ähnlich argumentieren chinesische Regierungsvertreter bis heute – und nennen den Mekong als Vorbild, wo es Kooperationsabkommen zwischen den Anrainerstaaten gebe. Doch Anfang 2021 mussten die Länder unterhalb des chinesischen Teils des Flusses erfahren, was Wassermacht ist: Binnen weniger Stunden sank der Pegel des Mekong um einen Meter. Als Grund für die Halbierung des Wassers aus dem Jinghong-Damm wurden Wartungsarbeiten an Stromleitungen genannt.

Dass China bei der Wasserversorgung in großen Dimensionen denkt, zeigt das Süd-Nord-Wassertransferprojekt, das weltweit größte Projekt zur Umlenkung von Wasser in bedürftige Regionen.

Zu dem auf Jahrzehnte angelegten Wasserbau-Projekte gehören Pläne, Wasser aus dem Oberlauf des Jangtsekiang über einen 298 Kilometer langen Tunnel in den Yalong-Fluss und von dort und dem Dadu-Fluss über weitere Tunnel in den Gelben Fluss umzuleiten. Bauarbeiten gibt es für diesen westlichen Teil des Transferprojekts im Gegensatz zum östlichen Teil noch keine. Bisher werden nur Machbarkeitsstudien angefertigt.

Luftbild von Zhengzhou – ein Meer von Wolkenkratzern
China wächst wirtschaftlich und damit auch der Wasserbedarf. Luftaufnahme von Zhengzhou in der Provinz Henan.

Doch die Richtung ist klar: China fürchtet, bei seinem geplanten Aufstieg zur Welt- und Wirtschaftsmacht Nummer 1 von Wasserknappheit gehemmt und von der Klimakrise in seiner Trinkwasser- und Nahrungsversorgung existenziell bedroht zu werden.

Bleibt nur die künstliche Kühlung der Erde?

Was also wird passieren, wenn die internationalen Bemühungen zum Klimaschutz nicht ausreichend schnell vorankommen und sowohl die CO2-Konzentration in der Atmosphäre als auch die Temperaturen weiter steigen?

Großtechnische Maßnahmen wie der Bau von Wassertunneln könnten eine mögliche Strategie sein, mit der die Volksrepublik ihr Überleben sichert. Doch dies birgt das Risiko eines asiatischen Kriegs um Wasser.

Es gibt aber noch eine zweite großtechnische Antwort auf die Klimakrise: das sogenannte „Geo-Engineering“.

Darunter verstehen Wissenschaftler technische Eingriffe in das Klimasystem. Zu den Ideen gehört es, die Ozeane mit Eisenspänen zu düngen, damit Algen mehr Kohlendioxid aus der Atmosphäre aufnehmen können. Andere schlagen die Installation von gewaltigen Spiegeln oder anderen reflektierenden Oberflächen in der Atmosphäre vor, um wärmendes Sonnenlicht zurück ins All zu lenken.

Als realistischste Alternative erscheint die gezielte Freisetzung von Gasen wie Schwefel-Aerosolen, die in der Atmosphäre den gegenteiligen Effekt von Treibhausgasen haben, indem sie verhindern, dass Sonnenstrahlen überhaupt erst zur Erde gelangen. Die Befürworter argumentieren, dass solche kühlenden Effekte auch auf natürliche Weise etwa nach dem Ausbruch von Vulkanen auftreten.

Um das Geoengineering tobt ein heftiger Expertenstreit

So hat allein der Ausbruch des Vulkans Pinatubo 1991 die globale Bodentemperatur in den Folgejahren um 0,1 bis 0,2 Grad Celsius gesenkt. In den vergangenen Jahren dämpften vom Menschen ausgestoßene Stoffe, wie schwefelige Aerosole aus Kohlekraftwerken, den wärmenden Effekt der CO2-Emissionen um rund ein Viertel. Wissenschaftler schätzen, dass zum Ausgleich der menschlichen CO2-Emissionen pro Jahr 1,5 bis 5 Millionen Tonnen Schwefel pro Jahr in die Stratosphäre eingebracht werden müssten.

Zu den prominentesten Befürwortern aktiver Erforschung des Geo-Engineering zählt der kanadische Wissenschaftler David Keith von der Harvard-Universität: „Was die Wissenschaft heute weiß legt nahe, dass ein moderates Kühlprogramm erhebliche Vorteile für uns Menschen bringen könnte, vor allem für die Ärmsten, die einem ungebremsten Klimawandel und den Veränderungen in der Natur, die er mit sich brächte, schutzlos ausgeliefert wären“, sagte er in einem Interview mit der Zeitschrift GEO.

Für ein ausreichend überhebliches oder verzweifeltes Land könnte Geo-Engineering weniger hässlich aussehen als ungehinderte Klimaerwärmung. (David A. Victor)

Bisher wurde das „Geo-Engineering“ von den meisten Umweltorganisationen und vielen Regierungen abgelehnt. Die Gegner warnen, dass künstliche Eingriffe in ihren Folgen weder absehbar noch kontrollierbar seien und nur die Aufmerksamkeit davon ablenken würden, die CO2-Emissionen wirksam zu reduzieren. Der US-Strategieexperte John T. Ackerman vom Air Command and Staff College (ACSC) mahnt: „Beim Klima-Engineering sind unerwartete und vielleicht unerwünschte, nonlineare Konsequenzen wahrscheinlich.“

Gelbe Dämpfe quillen aus einem Berg,
Schwefeldämpfe am Vulkan Kawah Ijen in Indonesien: In der Atmosphäre wirken diese Gase dem Treibhauseffekt entgegen, weil sie die Einstrahlung von Sonnenlicht verringern.

Der Klimahistoriker James R. Fleming vom US-amerikanischen Wilson Center wirft den Befürwortern vor, „das Mögliche zu übertreiben und die politischen, militärischen und ethischen Implikationen“ von gezielten Kühlmaßnahmen zu ignorieren.

Die Versuchung einer einfachen Lösung der Klimakrise

Auch Befürworter wie David Keith warnen vor geopolitischen Risiken, die zu Konflikten führen könnten. Als besonders gefährlich gilt das Szenario, dass ein einzelner Land oder ein kleines Bündnis von Ländern allein beginnen könnte – oder dass künftige Geo-Engineering-Methoden es erlauben würden, das Klima nicht global ausgeglichen zu verändern, sondern regional unterschiedlich. So könnten zum Beispiel die vom Untergang bedrohten Südsee-Inseln Geld für einen klimapolitischen Präventivschlag sammeln und Kühlgase ausbringen, warnt David Keith. Oder Länder versuchen, ihre eigenen Lebensbedingungen auf Kosten anderer zu optimieren.

„Es ist vorstellbar, dass an einem gewissen Punkt in der nahen Zukunft ein Land, das nicht genug gegen den Klimawandel getan hat, zu dem Ergebnis kommt, dass die Erderwärmung nun so sehr seinen Interessen schadet, dass es einseitig Geo-Engineering betreiben sollte“, schrieb der Rechtswissenschaftler David A. Victor, Leiter des Programms für Energie und Nachhaltige Entwicklung an der Stanford University, bereits 2009 zusammen mit Kollegen in einer Analyse in Foreign Affairs.

Für so ein „ausreichend überhebliches oder verzweifeltes“ Land könnte Geo-Engineering „weniger hässlich aussehen als ungehinderte Klimaerwärmung“. Es könnte dann die Technologie nutzen wollen, ohne andere zu fragen, und bereit sein, anderen Staaten einseitig die Folgen in Form von veränderten Niederschlagsmustern oder Nachteilen für die Landwirtschaft aufzubürden.

Erschwerend kommt hinzu, dass eine internationale Einigung über das Geo-Engineering noch schwieriger erscheint wie eine Einigung über CO2-Reduktionen. Außer in einer absoluten Katastrophensituation sei es unwahrscheinlich, dass eine globale Einigung über Geo-Engineering erzielt werden kann, da die Interessen sehr unterschiedlich ausfielen, glaubt Victor. Das Konfliktpotenzial sieht er deshalb als groß an. Manche Experten warnen davor, dass Kühltechniken, einmal entwickelt, als „Massenvernichtungswaffe“ eingesetzt werden könnten.

„Gefahr internationaler Konflikte“

Donald Johnston vom International Risk Governance Council glaubt, dass Geo-Engineering „eines der umstrittensten und am stärksten polarisierenden Themen in der Klimadebatte werden könnte, wenn es nicht umgehend ausführlich diskutiert wird“. Denn auch das kennzeichnet die Diskussion über Kühllösungen: Es gibt bisher mit Ausnahme eines einzelnen UN-Votums gegen die Ozeandüngung keinerlei internationale Regeln für gezielte Eingriffe dieser Art in das Weltklima. Bei den Olympischen Sommerspielen in Peking hat China bereits gezeigt, wie effektiv es das Wettergeschehen regional beeinflussen kann.

Mit speziellen Partikeln wurden Regenwolken aufgelöst, um gutes Wetter zu schaffen. Nichts verbietet es bisher einem Land oder einem Bündnis von Ländern, ohne die Zustimmung anderer Länder Geo-Engineering zu betreiben – zumal wenn, durch Wetterextreme hervorgerufen, international eine Art „Paniksituation“ entsteht.

Eine große Bühne in Blau mit Soldaten, die eine Aufführung bieten, an der Rückseite das Bild eines Kampfjets
Galamit Kampfjet: Ende Juni feierte die Kommunistische Partei Chinas, der das Militär untersteht, ihr hundertjähriges Bestehen.

Der US-amerikanische Thinktank RAND Corporation warnte 2011 in einer Analyse des Geo-Engineering davor, dass „im Gegensatz zu den meisten Ansätzen zur Minderung von Treibhausgasemissionen einige Geo-Engineering-Ansätze sich als rasch wirksam und billig herausstellen könnten und von einer oder einer kleinen Zahl von Nationen angewandt werden könnten“. Dies bringe „erhebliche Herausforderungen für das Risikomanagement, die nationale Sicherheit und die internationale Weltordnung mit sich, mit deren Untersuchung gerade erst begonnen wurde“. Die Technologie könne unter bestimmten Umständen „das Risiko von Konflikten zwischen Nationen erhöhen“.

Ähnlich sehen es die Wissenschaftler vom „Kiel Earth Institute“, einem Zusammenschluss des Instituts für Meeresforschung und des Instituts für Weltwirtschaft an der Universität Kiel. Sie legten im Oktober 2011 im Auftrag des Bundesforschungsministeriums eine Studie zum „Climate Engineering“ (CE) vor, in der es heißt: „Im Gegensatz zur Emissionskontrolle, die nur durch eine Übereinkunft einer Vielzahl von Staaten effektiv werden kann, können einige CE-Maßnahmen technisch und finanziell ohne Weiteres von einem einzelnen Staat oder einer kleinen Anzahl von Staaten durchgeführt werden. Eine solche Möglichkeit birgt die Gefahr internationaler Konflikte.“

Großangelegte Pläne zur Wetter-Modifikation

Während Wissenschaftler den möglichen Beitrag des Geoengineering zum Klimaschutz in einer umfassenden, 2018 in Nature veröffentlichten Studie negativ bewerteten, raten andere dazu, die Option offenzuhalten. So befürwortete es Anfang 2021 die National Academy der Vereinigten Staaten, großtechnische Eingriffe ins Klimasystem der Erde zu untersuchen.

“Solar Geoengineering ist kein Ersatz für Dekarbonisierung", zitierte die New York Times Chris Field, Direktor des Woods Institute for the Environment an der Stanford University und Leiter des Komitees, das den Akademie-Bericht erstellt hat, aber die Technologie verdiene „eine mit erheblichen Mitteln so schnell und effektiv wie möglich erforscht zu werden.“ China hat wie auch westliche Industrieländer mit dieser Art von Forschung längst begonnen, ebenso Indien.

Am 2. Dezember 2020 beschloss Chinas Führung, bis 2025 ein System zu “entwickelten Wetter-Modifikation” zu installieren. Wie aufmerksam das in Indien verfolgt wird, zeigt ein Bericht in der “New Delhi Times” vom März 2021, als über chinesische Pläne geschrieben wurde, künstlichen Regen oder Schnee über eine Fläche von 5,5 Millionen Quadratkilometern zu erzeugen – einer Fläche so groß wie ganz Südasien.

Was also könnte in Asien inmitten einer eskalierenden Klimakrise passieren, wenn die Großmächte Indien und China im Streit um das Himalaya-Wasser aneinandergeraten und erkennen müssen, dass die Gefahr eines katastrophalen Atomkriegs besteht?

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Szenario, Teil 2: Der Kühlkrieg

Zwei Tage nach ihrem Schlagabtausch am Telefon landen die Regierungschefs von Indien und China in kleinen Jets auf dem Flughafen von Thimpu. Das Königshaus von Bhutan hat sich bereit erklärt, das Geheimtreffen auszurichten. Nach ein paar Stunden gegenseitiger Vorwürfe kommen sie zu den Gemeinsamkeiten: Sie reden darüber, wie sehr ihre Vorgänger den Klimawandel unterschätzt haben. Dass der innenpolitische Druck, Wasserressourcen zu sichern, einfach gigantisch ist. Und dass sie die nahende Zeit fürchten, in der das Gletscherwasser des Himalaya zur Neige gehen wird, wenn sich die Eismengen nicht wieder erneuern können.

Damit sind sie bei dem Thema, auf das der chinesische Präsident das Gespräch lenken will. Denn aus seiner Sicht gibt es nur einen Weg, das Wasserproblem im Himalaya und viele andere Klimaprobleme ohne Krieg und Katastrophen in Asien zu lösen: Die Erde muss insgesamt wieder kühler werden. Nur eine globale Abkühlung kann den Kreislauf von Eisbildung und Eisschmelze im Himalaya wieder in Gang setzen, nur so kann in den Trockenperioden wieder ausreichend Wasser zur Verfügung stehen.

Die führenden Köpfe der Chinesischen Akademie der Wissenschaften haben ihn überzeugt, dass Global Cooling machbar ist. Aber er hatte es bisher nicht gewagt, dies bei internationalen Gipfeltreffen als Strategie vorzuschlagen – aus Angst, sich zu isolieren oder sogar für verrückt erklärt zu werden. Doch nun, da der CO2-Gehalt mit 560 ppm doppelt so hoch liegt wie bei Beginn der Industrialisierung, droht eine katastrophale Heißzeit anzubrechen. Die Zeit ist reif für globale Gegenmaßnahmen unter asiatischer Führung.

Die Weltgemeinschaft würde das Problem nicht lösen können. Vor zehn Jahren war die vorerst letzte UN-Weltklimakonferenz in einem gewaltigen Streit zwischen den alten und den neuen Industriemächten zu Ende gegangen. Der Generalsekretär der Vereinten Nationen kündigte damals an, dass weitere Gipfel dieser Art keinen Sinn mehr machen. „Wir hatten eine Chance, und wir haben sie nicht genutzt“, sagte er. „Weitere Konferenzen abzuhalten würde bedeuten, unsere Bevölkerungen anzulügen.“ Über diese Entwicklung waren die Großmächte USA, Indien und China zunächst erleichtert. Die jährlichen Gipfel, bei denen ihre Länder als Übeltäter vorgeführt wurden, gehörten der Vergangenheit an. Jedes Land entschied nun auf Dauer selbst, wie viele fossile Brennstoffe es verbraucht.

Die Vorgänger an der Spitze Chinas hatten die Lücke in der Weltklimapolitik genutzt, um die Industrialisierung auf bisher rückständige Gebiete auszuweiten. Um den Millionen von jungen Männern, die auf der Suche nach Arbeit und Frauen in die Städte kommen, eine neue Heimat zu geben, war der große Plan entstanden, Tibet noch viel stärker zu industrialisieren. Mithilfe staatlicher Subventionen entstanden am Himalaya-Gebirge neu angelegte Städte mit hohem Energieverbrauch. Neue Staudämme wurden nötig, um den Wasser- und Energiebedarf des Entwicklungsprojekts zu decken und die wachsende Zahl der Menschen in diesem unwirtlichen Gebiet zu versorgen.

Wenige Jahre später häuften sich gerade im Himalaya die Zeichen, dass der menschengemachte Klimawandel mit genau jener Wucht zuschlägt, die Klimaforscher vorhergesagt hatten. Mehrere Dürren in den Tiefebenen, bei denen Ernten ausfielen, Menschen an Trinkwassermangel litten und Kraftwerke mangels Kühlwasser stillgelegt werden mussten, brachten die Staatsführung in Peking dazu, die Umleitung des Himalaya-Schmelzwassers gen China in Angriff zu nehmen und an einem globalen Kühlprogramm arbeiten zu lassen.

Am Ende ihres Treffen in Bhutan beraten der chinesische Präsident und der indische Premier hauptsächlich über das Kühlprogramm: Ist es nicht so etwas wie ein militärischer Angriff auf Asien, dass der Westen die Welt in den Ölverbrauch getrieben hat und die Folgen nun hauptsächlich die armen Menschen in ihren Ländern treffen? Gibt es nicht sogar eine ethische Pflicht, kühlend in das Klima einzugreifen? Schnell finden die beiden einen gemeinsamen Kurs.

Der indische Premier fährt mit der guten Nachricht nach Hause, dass China einstweilen darauf verzichtet, den Tunnel in Betrieb zu nehmen. Die Bevölkerung kommt daraufhin wieder zur Ruhe und feiert ihren Premier sogar als Helden. Er hat in Thimpu das Ehrenwort erhalten, dass Pakistan und Bangladesch nichts von den indischen Bauarbeiten erfahren würden.

Der chinesische Präsident seinerseits hat sein strategisches Ziel erreicht: Sein Land kontrolliert nun durch das Tunnel- und Speichersystem das Wasser des Tsangpo. Ob China in diesem Jahr oder erst bei der nächsten Dürre davon Gebrauch machen wird, spielt keine Rolle. Zugleich hat China Indien demonstriert, welche von den beiden aufstrebenden Milliarden-Mächten die stärkere ist.

Wenig später stellen die beiden Präsidenten das Vorhaben, die Erde durch die Freisetzung riesiger Mengen spezieller Gase in die Atmosphäre künstlich zu kühlen, den Regierungschefs von Bangladesch, Nepal und Pakistan vor. Diese treten der Initiative umgehend bei. „Global Cooling Project“ nennen sie ihr Vorhaben. Mit Hilfe von Spezialflugzeugen sollen die Aerosole hoch oben in der Stratosphäre ausgebracht werden, wo die Partikel die stärkste und langfristigste Wirkung entfalten können.

Die Chinesische Akademie der Wissenschaften und die indischen Technologieinstitute sind bald mit ihren Berechnungen fertig, wie viel Schwefelaerosole nötig sind, um die globale Durchschnittstemperatur wieder auf das Niveau vor der Industrialisierung zu senken. Es sind viele Millionen Tonnen, verteilt über einen längeren Zeitraum, weil sonst die Wirkung nachlassen würde. Zwanzig oder dreißig Jahre Zeit könnte man auf diesem Weg gewinnen, heißt es in der Stellungnahme.

Eine Dauerlösung könne die Kühltechnik nicht sein, wegen der erforderlichen Schwefelmengen, aber auch wegen ihrer Wirkung auf die Gesundheit und auf säureempfindliche Lebensräume. Die Kühlphase müsse dringend genutzt werden, um der Atmosphäre Treibhausgase zu entziehen. "Wir brauchen nicht nur Nullemissionen, sondern negative Emissionen. Ohne eine aktive Minderung des CO2-Gehalts der Luft gibt es keine dauerhafte Lösung des Klimaproblems", heißt es im gemeinsamen Bericht der Wissenschaftler.

Der Bericht der Wissenschaftler schließt mit einer Warnung: „Vermehrte Eisbildung im Himalaya ist sehr wahrscheinlich, doch ebenso wahrscheinlich ist es, dass es in Europa und Nordamerika zu einer drastischen Abkühlung kommen wird, mit massiven Folgen für die Landwirtschaft und den Alltag von vielen hundert Millionen Menschen.“

Die Länderchefs wissen, dass es angesichts dieser Prognose fast müßig ist, in Europa und Amerika vorfühlen zu lassen, wie man dort einen solchen Plan sähe. Doch sie erachten es als nötig, eine Mission zu entsenden. Schließlich wäre es das erste Mal in der Geschichte der Menschheit, dass eine Gruppe von wenigen Staaten gezielt in das Weltklima eingreift, mit unklaren Folgen für den Globus.

Die Emissäre treffen in Berlin auf einen Referatsleiter im Landwirtschaftsministerium, der ihnen ruhig zuhört und zum Abschied noch erzählt, dass ihm das Thema nicht neu sei. Die Universität, an der er studiert habe, sei 1818 gegründet worden, drei Jahre nach dem Ausbruch des Vulkans Tambura in Indonesien. „Die Vulkanasche führte zu einer globalen Abkühlung, zu einem Jahr ohne Sommer, zu Missernten und Hungersnöten weltweit – und zur Gründung der Agraruniversität Hohenheim, damit die Landwirtschaft wieder in Schwung kommt“, sagt der deutsche Beamte. Fast glauben die Besucher, er finde ihren Plan gut.

Als sie das Zimmer verlassen, alarmiert der Beamte jedoch sofort seinen Minister. In Paris wird der Termin vom Agrarministerium ins Wirtschaftsministerium verlegt, die Abgesandten treffen auf einen nervösen Staatssekretär, der sie fragt, ob es sich um eine Art Planspiel handle oder um ein echtes Projekt. Als sie ihm erzählen, dass die Infrastruktur bereits existiere, um die Kühlgase auszubringen, verlässt er kurzerhand den Raum.

In Washington werden die Emissäre aus China und Indien nicht mehr im Landwirtschaftsministerium empfangen, sondern im Pentagon. „Unsere europäischen Verbündeten haben uns informiert“, sagt der US-Verteidigungsstaatssekretär, „und wir kommen in unserer Analyse zu dem Ergebnis, dass wir Ihren Plan als schwerwiegenden Verstoß gegen die Klimakonvention der Vereinten Nationen betrachten, die es verbietet, das Weltklimasystem aufs Spiel zu setzen.“

Die Erwiderung, dass die USA die Konvention immer abgelehnt und das Klimasystem durch ihre extrem hohen CO2-Emissionen gefährdet haben, lässt der Amerikaner unbeantwortet. „Wir sorgen uns, dass der Klimawandel in Ihrer Region destabilisierend wirkt. Aber hier geht es um einen unilateralen Eingriff von außen in die Lebensbedingungen der Menschen in den Vereinigten Staaten von Amerika“, betont er. „Und wenn ich mich mit meinem Verweis auf die Klimakonvention zu feinfühlig ausgedrückt habe, dann lassen Sie es mich noch einmal versuchen: Wir würden es als feindlichen Akt ansehen, wenn Ihr Bündnis das Risiko eingeht, die nördlichen Breiten zurück in die Eiszeit zu katapultieren.“

Doch die Staaten der Kühlallianz wollen sich nicht von jenen Ländern in die Knie zwingen lassen, die einen Großteil der Treibhausgase in der Atmosphäre zu verantworten haben. Ihre Regierungschefs nutzen die nächste Generalversammlung der Vereinten Nationen in New York, um sich zu rechtfertigen. Nacheinander treten sie ans Rednerpult. „Millionen Menschen in meinem Land sind vom steigenden Meeresspiegel betroffen, aber noch schlimmer wird es, wenn wir uns mit unseren Nachbarn um das Gletscherwasser streiten, bevor es versiegt“, sagt der Premier von Bangladesch.

„Unsere Länder haben seit Jahrzehnten versucht, das Wasser von Indus, Ganges und Brahmaputra gerecht zu teilen, aber wir stoßen an unsere Grenzen, wenn der Klimawandel so weitergeht“, warnt der Vertreter aus Pakistan. „Wir stehen rund um den Himalaya vor einer riesigen Wasserkrise, die uns, obwohl China eine friedfertige Nation ist, in einen Krieg treiben könnte, wenn wir nicht gegensteuern“, sagt der chinesische Premier.

Schließlich ist es der indische Premierminister, der den Kühlplan verkündet, denn mit knapp 1,6 Milliarden Menschen ist Indien das bevölkerungsreichste Land der Welt. „In den vergangenen Jahrzehnten haben die alten Industriemächte die Erde unkontrolliert aufgeheizt. Sie haben vor langer Zeit in Kyoto, in Kopenhagen und bei vielen anderen Klimakonferenzen versagt, das Nötige zu tun, und uns damit angeleitet, ihrem falschen Entwicklungsmuster zu folgen. Nun, da die Konsequenzen nicht länger zu leugnen sind, wollen es die Staaten Asiens in die Hand nehmen, die Erde kontrolliert zu kühlen.“

Es folgt der knappe Hinweis darauf, dass man das Leben von Milliarden Menschen nicht mit Blick auf die „Minderheiten“ in Europa und den USA aufs Spiel setzen dürfe. Der Rest der Generalversammlung geht in Tumulten unter.

Drei Wochen später steigen zeitgleich von indischen und chinesischen Luftwaffenstützpunkten Flotten von Spezialflugzeugen auf. In 20 Kilometer Höhe beginnen sie, die Kühlpartikel freizusetzen. Nach Bekanntwerden dieser Aktion schließen sich andere Nationen dem Kühlprogramm an – dazu zählen Pakistan, die Allianz der Südseestaaten und afrikanische Länder.

Washington hält sich mit einer militärischen Antwort zunächst einige Monate zurück. Dann treten erste negative Effekte für die USA auf. In Washington erfrieren die Kirschbäume mitten in der Blüte, in Iowa schneit es Anfang Juni, und die Maisernte halbiert sich. Im folgenden Winter bersten in Alaska Tausende von Wasserleitungen und erfrieren Tausende Menschen an der Ostküste, weil extreme Minustemperaturen auftreten. Ähnliches passiert in Nordeuropa.

Die USA und die EU kündigen an, jeden weiteren Flugzeugstart in Asien zu vereiteln, bis das Kühlprogramm gestoppt ist. Die Kühlallianz antwortet darauf mit der Forderung, Washington und die EU müssten ihre CO2-Emissionen unilateral um 90 Prozent senken und drei Billionen Dollar in globale Aufforstungsprogramme investieren – und zwar sofort, weil der Westen noch immer für einen erheblichen Teil der historischen Emissionen verantwortlich sei und die ganze Welt auf den Pfad der Verschwendung fossiler Energie gebracht habe. „Wenn das nicht geschieht, werden wir das Kühlprogramm trotz aller unverantwortlicher Drohungen fortführen“, heißt es in einem Statement.

Das ist der Beginn einer globalen Eskalation: Der „Kühlkrieg“ beginnt, ein politisch-militärisches Ringen, wer größere Macht über das Weltklima hat. Wenig später explodiert ein chinesisches Kühlgas-Flugzeug beim Start aus unklarem Grund. An einem Seitenfluss des Yarlung Tsangpo birst eine chinesische Staumauer, was eine Flutwelle gen Indien in Gang setzt, die Hunderte Menschen mit sich reißt. Washington äußert sein „tief empfundenes Beileid für diesen tragischen Fall von Materialschwäche“.

Die chinesische Führung findet keine Beweise, dass amerikanische Kommandos hinter den Vorfällen stecken könnten. Doch das Misstrauen ist groß, zumal die Stimmung im US-Kongress nach Vergeltung ruft. Das asiatische Bündnis reagiert nicht mit direkter Aggression, sondern mit der „Operation Kühlnetz“: Alle Starts von Spezialflugzeugen werden abgesagt, was westliche Medien erleichtert als Einlenken interpretieren.

Doch die drei Atommächte Indien, China und Pakistan haben einen anderen Plan. Sie beginnen damit, die Schwefelpartikel dem Treibstoff von Verkehrsflugzeugen und Militärmaschinen beizumischen. Der Kühlkonflikt beginnt nun erst richtig – und die Flugpassiere werden zu seinen Geiseln. Die Herrschaft über das Weltklima wird zur alles entscheidenden Machtfrage.

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Im Projekt Countdown Natur" berichtet ein Team von 25 Journalistinnen und Journalisten mit Blick auf den UN-Naturschutzgipfel Ende 2021 über die Gefahren für die biologische Vielfalt und Lösungen zu ihrem Schutz. Die Fotoanschaffung für diesen Artikel wurde vom European Journalism Centre durch das Programm „European Development Journalism Grants“ gefördert.

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Andreas Rinke

Andreas Rinke

Andreas Rinke ist seit 2011 Chefkorrespondent der Nachrichtenagentur Reuters in Berlin. Der promovierte Historiker hat zuvor als Redakteur bei der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung und als Politikkorrespondent in Berlin beim Handelsblatt gearbeitet. Mit Christian Schwägerl hat er das Buch „11 drohende Kriege“ (2012, aktualisiert 2015) verfasst. Sein Buch „Das Merkel-Lexikon“ ist im Herbst 2016 beim Verlag zu Klampen erschienen. Bei RiffReporter entwickelt er das „Merkel-Lexikon“ zu einem ständig aktualisierten und erweiterten Projekt fort.


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Der Reichtum des Lebens auf der Erde ist in Gefahr. Es geht um die Zukunft unzähliger Tier- und Pflanzenarten und Lebensräume. Das betrifft uns Menschen existenziell. Es geht auch um sauberes Trinkwasser, unsere Nahrung und ein lebensfreundliches Klima. Ein Team von 25 Journalistïnnen von RiffReporter berichtet bei "Countdown Natur" über den Wettlauf gegen die Zeit und über Lösungsansätze. Wissenschaftlerïnnen sagen: Bisher hat der globale Naturschutz fast alle Ziele verfehlt. Kommt nun die Wende zum Besseren?

2021 entscheiden die Staaten der Erde bei zwei UN-Umweltgipfeln darüber, ob und wie sie gemeinsam die weitere Zerstörung der Lebensvielfalt aufhalten wollen. Dazu braucht es vertiefte Recherchen, ausführliche Berichterstattung und eine große Öffentlichkeit. Die Recherchen werden von der Hering-Stiftung Natur und Mensch, dem European Journalism Centre, der Andrea von Braun Stiftung und dem Hofschneider-Preis gefördert. Auch Sie können uns unterstützen!

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