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#ShowYourStripes

Wie eine einfache Grafik zur kulturellen Ikone wurde – Gastbeitrag von Ed Hawkins

von
20.09.2019
4 Minuten
Eine Grafik mit vielen senkrechten blauen und roten Streifen, die in acht breiten, waagerechten Bändern angeordnet sind. – 
Warming Stripes 1901 bis 2018 für (von oben): die Welt, die Arktis, Deutschland, Norwegen, Grönland, die USA, Australien und Südafrika. Die Streifen haben jeweils eine eigene Farbskala.

Die Warming Stripes (Foto oben) sind längst zu einem wichtigen Symbol in der Klimawandel-Kommunikation geworden. Hier beschreibt der Erfinder der Grafik, was er damit bezweckt.

Es scheint, dass die Menschen endlich aufwachen, um sich der Bedrohung durch den Klimawandel zu stellen. Das ergreifendste Zeichen dafür war für mich, eine Infografik zu sehen, die beim Musikfestival in meiner Heimatstadt Reading 2019 auf der Hauptbühne gezeigt wurde. Eine Infografik, die ich erstellt hatte.

Während die Mehrheit der Menschen in der Menge ihre wahre Bedeutung vielleicht nicht begriffen hat oder sich nicht in der Stimmung befand, sich damit auseinander zu setzen und sie zu verstehen, war es ein bedeutender Moment. Eine beliebte Rockband, Enter Shikari, unterstützte die Klimaforschung und stellte sie buchstäblich in den Mittelpunkt.

Hauptbühne beim Reading Festival 2019: Hier dehnte die Band Enter Shikari die Warming Stripes über die ganze Videoleinwand aus.
Beim Reading Festival 2019 dehnte die Band Enter Shikari die Warming Stripes über die ganze Videoleinwand aus.

Die Klimastreifen veranschaulichen die globale Durchschnittstemperatur für jedes Jahr seit 1850 in Form eines farbigen Streifens. Blautöne stehen für kühlere Jahre und rote für wärmere Jahre. Der Gesamteffekt ist ein markanter Trend zu höheren Temperaturen in den letzten Jahrzehnten als Folge des vom Menschen verursachten Klimawandels.

Einfache Grafiken mit wissenschaftlicher Basis

Die Klimastreifen habe ich nach anderen Visualisierungen von Klimadaten erdacht, die ich in den letzten Jahren erstellt habe, einschließlich einer Animation, die globale Daten zum Temperaturanstieg als eine sich ständig erweiternde Spirale darstellt. Dies wurde bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele von Rio 2016 verwendet – eine weitere öffentliche Anerkennung der Wissenschaft, wo man es vielleicht nicht erwartet hätte.

Dieses Logo weist darauf hin, dass der Artikel im Rahmen der Aktion Covering Climate Now von einem Partner-Medium übernommen wurde, in diesem Fall von The Conversation in Großbritannien. Ein Klicken auf das Wort „Link“  in der Bildunterschrift führt zur Orignalquelle.
Hinweis auf CoveringClimateNow und Originalquelle des Artikels

All diese Grafiken sind einfach und leuchtend, aber sie basieren auf solider Wissenschaft und tragen eine ernsthafte Botschaft. Sie übersetzen komplexe Daten in ein leicht zugängliches Format, das über die Sprache hinausgeht und fast keinen Kontext benötigt, um sie zu erklären. Die Klimastreifen wurden bereits auf Postern verwendt, auf den Protest-Plakaten bei den Klimastreiks der Jugendlichen sowie auf Bannern und T-Shirts auf der ganzen Welt.

Die Wissenschaft dabei zu unterstützen, diesen Sprung vom Labor in die Sozialen Medien zu schaffen, ist entscheidend für ein Umdenken. Meine Forschung hat sich oft darauf konzentriert, die Auswirkungen des Klimawandels einem neuen Publikum zu vermitteln. Je mehr Menschen dieses riesige Problem sehen und verstehen, desto größer ist unsere Chance, es zu lösen.

Anfang 2019 haben wir eine Website eingerichtet, die es den Menschen ermöglicht, Klimastreifen für rund 200 Länder und einzelne US-Bundesstaaten herunterzuladen. So konnten die Menschen die Streifen zeigen und verbreiten, die die jüngste Klimageschichte ihres eigenen Landes kennzeichnen. Wettermoderatoren in Fernsehsendern aus aller Welt schlossen sich der Kampagne an und nutzten die Streifen, um in ihren Sendungen über den Klimawandel zu sprechen.

Nach einer Million Downloads in der ersten Woche erschienen Dutzende von Beispielen online, in denen Menschen die Streifen auf Krawatten und Schals trugen oder sie sogar auf ihren Tesla druckten. Eine Stadt in Deutschland malte sie sogar in einer Straßenbahn.

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Die Warming Stripes sind längst zu einem allgemeinen Symbol für die Erderhitzung geworden. Sie finden sich – wie diese Tweets zeigen – auf einer Straßenbahn, in selbstbestrickten Schals, auf Kaffeebechern und Rollkragen-Pullovern.

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Der Öffentlichkeit die Klimawissenschaft zu erklären, kann schwierig sein. Der wissenschaftliche Konsens ist, dass sich die Welt erwärmt, aber jede Region der Welt erwärmt sich in einem ganz eigenen Tempo. Die meisten Teile des Vereinigten Königreichs sind mehr als ein Grad Celsius wärmer als vor einem Jahrhundert, während Teile der Arktis sich um fast drei Grad aufgeheizt haben. Die Klimastreifen können diese Nuancen fast sofort vermitteln.

Wenn wir wollen, dass Klimaschutz zur Forderung einer Massenbewegung wird, dann können wir uns nicht damit zufrieden geben, das Thema bei geselligen Gesprächen zwischen Wissenschaftlern und Politikern vorzubringen. So ernst die Sache auch ist, sie muss zu einer Unterhaltung führen, die wir überall haben, sei es über den Zaun zu unseren Nachbarn, in den Seifenopern im Fernsehen oder beim Tanzen auf Festivals. Diese einfachen Grafiken haben geholfen, diese Gespräche zu beginnen.

Über den Klimawandel wird in der Presse zwangsläufig negativ berichtet, aber wir können die Geschichte, die wir erzählen, auch positiv bewerten. Wenn sei einen Draht zur und Eingang in die Populärkultur finden, können Wissenschaftler helfen, einen grundlegenden Einstellungswandel auszulösen, der zu Massenaktionen führen wird. Wir stehen vor einigen schwierigen Entscheidungen, aber wir haben noch Zeit, die Veränderungen vorzunehmen, die eine Zukunft voller Hoffnung schaffen. ◀

Übersetzt und bearbeitet von Christopher Schrader

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Christopher Schrader

Christopher Schrader

Christopher Schrader, einer der Gewinner des AAAS Kavli Prize for Science Journalism, war 15 Jahre Redakteur bei der Süddeutschen Zeitung, bevor er sich 2015 mit den Themen Klimaforschung, Energietechnik, Umwelt, Physik und Geowissenschaften selbständig machte. 


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