Zum Artikel springen
  1. RiffReporter /
  2. Umwelt /
  3. Königreich des Wassers: Lesotho versorgt den Süden Afrikas – was hat das Land davon?

Königreich des Wassers: Lesotho versorgt den Süden Afrikas – was hat das Land davon?

Lesotho exportiert Wasser nach Südafrika, obwohl Bürger über Trinkwasser-Mangel klagen. Der Zustand von Feuchtgebieten zeigt: Das Problem könnte sich weiter zuspitzen. Fotos: Roger Jardine

von
29.07.2021
22 Minuten
In den Bergen im Hochland von Lesotho steht ein Hirtenjunge mit seinem Schaf vor einer Wasserquelle

Malerisch schmiegt sich der Katse-Stausee an die Berghänge, mäandert durch mehrere Täler, die glatte Wasseroberfläche reflektiert die Wolken im Hochland Lesothos. Das kleine Königreich in den Bergen, das vom Nachbarland Südafrika umgeben ist, gilt als Wasserturm der gesamten Region. Die Talsperre versorgt das südafrikanische Wirtschaftszentrum rund um Johannesburg seit 1998 mit Trinkwasser.

Sie ist das Herzstück des sogenannten Lesotho Highlands Water Project, das aus Staudämmen, Tunnelsystemen, Pumpstationen und Wasserkraftwerken besteht. Es gehöre zu den „erfolgreichsten grenzüberschreitenden Wasser-Management-Systemen der Welt“, heißt es voller Stolz von der zuständigen Behörde, der Lesotho Highlands Development Authority (LHDA).

„Das Wasser gehört Südafrika und nicht mehr uns“

Aber wenn Mothusi Seqhee auf die riesige glitzernde Wasserfläche schaut, dann sieht er etwas anderes: „Das Wasser gehört Südafrika und nicht mehr uns“, sagt er. „Wir können es nicht nutzen, wie wir wollen. Das ist ein Problem.“ Seqhee arbeitet für das Seinoli Legal Centre – eine Nichtregierungsorganisation, die 2010 gegründet wurde, um die Interessen der Dorfbewohnerïnnen zu vertreten, die wegen dieses Großprojekts umgesiedelt oder enteignet wurden.

Im Tal zwischen den Bergen glitzert die Wasseroberfläche des Katse-Stausees
Der Katse-Staudamm
Seqhee steht vor der Berglandschaft, er trägt einen Rollkragen-Pullover, eine blaue Jacke und schaut in die Kamera
Mothusi Seqhee vom Seinoli Legal Centre
Unterstützen Sie „Countdown Natur“ mit einer einmaligen Zahlung. Oder lesen und fördern Sie alle Themenmagazine mit einem RiffReporter-Abo.

An diesem Wintertag ist er wieder einmal von der Hauptstadt Maseru über gewundene Passstraßen ins Hochland gefahren, um den Chief der Gemeinde Ha Lejone zu treffen. Der kleine Ort liegt auf rund 2300 Höhenmetern am nördlichen Ufer des Katse-Stausees: Kleine Geschäfte säumen die belebte Straße, Männer verladen Schafe auf einen Pick-Up. Traditionell aus Naturstein gebaute, grasgedeckte runde und modernere rechteckige Häuser mit Wellblechdächern verteilen sich über die Landschaft.

Seqhee parkt auf dem abschüssigen Gemeindeplatz neben einem Viehpferch und steigt den Hang ein paar Schritte hinauf. Eine Frau kommt ihm entgegen. Sie trägt eine karierte Decke um die Hüften – es ist kalt, außerdem gehören Wolldecken, die als Röcke, Umhänge oder Mäntel getragen werden, zur kulturellen Tradition in Lesotho. Sie begrüßt ihn herzlich, mit pandemischem Ellenbogen-Gruß.

Seit dem Staudamm ist im Dorf nichts mehr, wie es einmal war

Der Chief ist eine Frau: Seit 1991 ist Mammphole Molapo das traditionelle Oberhaupt ihrer Gemeinde. Damals war der Katse-Staudamm gerade im Bau. „Seitdem ist nichts mehr, wie es einmal war.“ Sie setzt sich auf einen Plastikstuhl – mit Blick auf die Hauptstraße ihres Dorfes, über den Katse auf die Berghänge, von denen aus die Reste der letzten Schneedecke und vereiste Quellwasser-Bäche in der Sonne reflektieren.

Früher war Ha Lejone nur schwer erreichbar, seit die Teerstraße im Zuge des Staudamm-Projekts gebaut wurde, ist es einfacher ins Tiefland zu fahren. Das sei der einzige Vorteil, sagt Molapo. Denn unter dem Strich habe sich ihr Leben nicht verbessert. Bauarbeiter rückten nicht nur mit großen Maschinen an, sondern brachten auch HIV ins Dorf. Es gebe seitdem viele „soziale Übel“, sagt Molapo. „Viele Menschen sind gestorben, Kinder wachsen ohne Väter auf, Familien sind auseinandergebrochen.“ Doch das ist noch nicht alles.

Chief Molapo sitzt auf einem Plastikstuhl und spricht mit Mothusi Seqhee vom Seinoli Legal Centre
Mammphole Molapo, Chief von Ha Lejone
Vor der Bergkulisse in Ha Lejone sitzen Chief Molapo, Mothusi Seqhee und Leonie March und unterhalten sich
Chief Molapo, Mothusi Seqhee und Leonie March
Vor einem kleinen Haus sitzen Bürger und Bürgerinnen, traditionelle Rundhütten und die Berge im Hintergrund
Bürger und Bürgerinnen in Ha Lejone
Ein kleines rechteckiges Haus mit Wellblechdach steht neben einem traditionellen Rundhaus – grasgedeckt, aus Naturstein
Ein typisches Haus im Dorf
Auf dem Dorfplatz verladen Männer Schafe auf einen Pick-up, andere Kleinbauern lehnen am Zaun zum Viehpferch
Kleinbauern vor dem Viehpferch in Ha Lejone

Früher seien sie Subsistenzbauern gewesen, erzählt Molapo. „Wir haben genug angebaut, um unsere Familien zu ernähren.“ Sie dreht sich um und deutet in Richtung Staudamm: „Dort waren früher die Weidegründe für unser Vieh und unsere Maisfelder. Dort wuchsen wilde Gemüsesorten sowie Arznei-Pflanzen für unsere traditionelle Medizin.“ Doch diese alten Zeiten sind buchstäblich untergegangen.

Das Tal mit dem von Bäumen gesäumten Malibamat’so Fluss wurde geflutet. Er speist einen der wichtigsten Flüsse der Region, der als Senqu River in Lesotho entspringt, als Orange River durch Südafrika, Teile Botswanas und Namibias fließt und nach rund 2200 Kilometern an der Grenze zu Namibia in den Atlantik mündet. Für das grenzüberschreitende Wassermanagement, Planung und Bewirtschaftung haben die vier Länder im Jahr 2000 die Orange-Senqu-River-Comission (ORASECOM) gegründet.

Lesotho exportiert Wasser ins Nachbarland Südafrika

Bereits 1986 hatten das kleine Lesotho und der große Nachbar Südafrika den Vertrag für das Lesotho Highlands Water Project geschlossen: Das bevölkerungsreichere, wohlhabendere Südafrika importiert demnach Wasser in großem Stil. Lesothos eigene Wasserversorgung, das Lowlands Water Supply Scheme, das die Hauptstadt Maseru versorgt, ist dagegen winzig. Doch der Zwergstaat mit zwei Millionen Einwohnern, der zu den Least Developed Countries gehört, brauchte Devisen und Wasser schien ein profitables Exportgut.

Über dem Tal mit dem Stausee steht ein Straßenschild mit der Aufschrift: Katse Dam 50km
Der Katse-Stausee bei Ha Lejone
Im Tal zwischen den Bergen führt eine Brücke über den Katse-Stausee
Brücke über den Stausee bei Ha Lejone
Auf dem Stausee  vor der Bergkulisse ragt ein Betonturm – die Pumpstation
Pumpstation der Katse-Talsperre
In der Hauptstadt Maseru liegt ein See hinter einem Parkplatz
Ein See in der Hauptstadt Maseru

Südafrika zahlt Wasser-Gebühren, sogenannte Water Royalties. Lesotho hat dadurch allein im vergangenen Jahr rund 58 Millionen Euro eingenommen. Durch das Projekt wurde der Zwergstaat außerdem in die Lage versetzt, Strom aus Wasserkraft zu generieren und die Straßen-Infrastruktur auszubauen. Internationale Geber wie die Weltbank beteiligten sich an den Kosten, Kredite wurden gewährt. Das Projekt biete Möglichkeiten zur Entwicklung von Tourismus, Fischerei-Betrieben und anderen Vorhaben für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung, so die LHDA.

Medizinpflanzen gibt es nur noch im Botanischen Garten

Auch von Chancen für landwirtschaftliche Bewässerungssysteme und die Trinkwasserversorgung war die Rede. Doch in Gemeinden wie Ha Lejone sind diesen Worten offenbar kaum Taten gefolgt. Seit es den Staudamm gebe, sei fruchtbares Land rar geworden, sagt Chief Molapo. Viele Kleinbauern hätten die Ackerwirtschaft aufgegeben, ihr Vieh müsse nun an teils steilen Hängen weiden. „Und Medizinpflanzen gibt es nur noch in einem Botanischen Garten.“

Der wurde extra eingerichtet, um die alpine Flora der Region zu erhalten: Mit einer Samenbank und Pflanzen wie der endemischen Aloe polyphylla, eine Sukkulenten-Art mit charakteristisch spiralförmig angeordneten Blättern. Ein Ersatz für die natürlichen Ressourcen, die sie früher einfach ernten konnten, sei dieser Botanische Garten jedoch nicht, meint Molapo. Er wurde ganz am anderen Ende der riesigen Talsperre in der Nähe der Staumauer eingerichtet, etwa eine Stunde Fahrtzeit entfernt. „Die Reise ist zu weit und zu teuer für die meisten von uns.“ Und außerdem müsse man dort für die Pflanzen bezahlen.

Trotz großer Staudämme herrscht Mangel an Trinkwasser

„Früher hatten wir auch Wasser im Überfluss“, erzählt Molapo weiter, steht auf und geht ein paar Schritte zu dem Wasserhahn, der mitten aus dem abschüssigen Platz ragt – eine Art kommunale Wasserstelle, an der die Dorfbewohnerïnnen Wasser für ihre Haushalte holen. Jedenfalls in der Theorie. Sie öffnet den Hahn: Nicht einmal ein Tropfen. Normalerweise sollte Quellwasser, das in den Berghängen entspringt, durch diese Leitung fließen.

„Aber durch die Spreng- und Bauarbeiten für den Staudamm ist sie beschädigt und seitdem nicht wie versprochen repariert worden.“ Andere Quellen seien versiegt oder sprudelten nur in der Regenzeit. Und aus dem Stausee, der aus Sicht Südafrikas von entscheidender Bedeutung für die nationale Sicherheit ist, dürfen die Anwohnerïnnen kein Wasser abzapfen. Der Zugang zu sauberem Trinkwasser ist – wie in vielen Gegenden Lesothos – eingeschränkt. Doch hier steht im Kontrast zu den Wassermassen im Tal.

Eine Hand öffnet den Wasserhahn, aber daraus kommt nicht einmal ein Tropfen
Aus dem kommunalen Wasserhahn kommt kein Tropfen

Auf der Straße balancieren Frauen gefüllte Kanister auf dem Kopf oder schieben sie in Schubkarren nach Hause, auch Kinder packen mit an. Sie kommen von der derzeit einzigen funktionierenden Quelle im Dorf. Aus einem Betonquader ragen zwei Metallrohre, aus denen Wasser fließt, der Boden ist matschig, herausragende Steine rutschig. Hirten tränken hier auch ihr Vieh: Kühe, Schafe, Angoraziegen. Zwei Mädchen füllen Eimer und Kanister mit Wasser. Nach der Schule sei das ihre tägliche Aufgabe, erzählen sie schüchtern. Trink-, Wasch- und Badewasser für die Familie.

Die Behörden räumen Probleme bei der Wasserversorgung ein

Die Lesotho Highlands Water Authority räumt in einer schriftlichen Stellungnahme ein, dass Probleme bei der Wasserversorgung in Gemeinden wie Ha Lejone bestehen. „Die größten Herausforderungen sind Vandalismus, Brunnen, die austrocknen und eine Bevölkerung, die schneller wächst als die Kapazität der Systeme zur Wasserversorgung.“ Deshalb werde das Wasser insbesondere in Dürrezeiten knapp.

Ein Hirtenjunge und sein Schaf gehen durch den Matsch an der Wasserquelle vorbei
Hirten tränken an der Wasserquelle ihr Vieh
Zwei Mädchen stehen mit mehreren Wasserkanistern an der Wasserquelle – einem Steinquader aus dem zwei Rohre ragen
Mädchen füllen Wasserkanister an der Quelle
Ein Junge trägt einen schweren weißen Plastikeimer mit Wasser den Hang hoch
Ein Junge schleppt Wasser den Hang hoch
Das Mädchen strahlt über das ganze Gesicht, mit den Händen hält sie den blauen Wassereimer auf ihrem Kopf fest
Auf dem Kopf: Trink- und Badewasser für die Familie.
Der Junge ist in eine Wolldecke gehüllt und schiebt eine Schubkarre mit dem Wassercontainer
Ein Junge bringt Wasser per Schubkarre nach Hause

Mothusi Seqhee lässt diese Erklärung nicht gelten. Es sei die Pflicht der Regierung für die Wasserversorgung der Bevölkerung zu sorgen. Dörfer wie diese, am Rande der großen Staudämme, zahlten nun den Preis für die Wasserversorgung im Nachbarland Südafrika. „Ihnen wurde zu Beginn des Projekts ein besseres Leben versprochen. Ein Teil der Einnahmen sollte in ihre Entwicklung investiert werden.“

Aber stattdessen würden nur „Politiker in Maseru“ von den südafrikanischen Wasser-Gebühren profitieren. Das Geld, das eigentlich für Projekte in den betroffenen Gemeinden gedacht war, hätte von Anfang an auf ein Sonderkonto bei der Zentralbank eingezahlt werden und nicht in öffentliche Kassen fließen sollen.

Seinoli Legal Centre musste Rechte der Dorfgemeinschaft einklagen

Eigentlich hätten die Bürgerïnnen in Orten wie Ha Lejone auch entschädigt werden müssen, sagt Seqhee, der seit der Gründung des Seinoli Legal Centre als Community Liasion Officer für den Kontakt zu den betroffenen Gemeinden zuständig ist. „Wenn jemand sein Haus verliert, ist die LHDA verpflichtet, ihm ein neues zu bauen. Wenn eine Gemeinde ihr Weideland, Medizinpflanzen und Wälder verliert, hat sie Anspruch auf kommunale Entschädigung.“ Zunächst flossen die Zahlungen auch, dann jedoch versiegten sie. Anwälte des Seinoli Legal Centre mussten die Rechte der Gemeinden erst vor Gericht einklagen.

Damit die jährlich fällige Entschädigung ausgezahlt wird, müssen Komitees, deren Mitglieder in und von den betroffenen Dörfern ausgewählt werden, ihre Ausgaben genau dokumentieren, durch Rechnungsprüfer absegnen lassen und sogar Business-Pläne vorlegen. Damit soll Missmanagement verhindert werden. Aber ohne jegliche Unterstützung ist das eine schwierige Aufgabe für diese Komitees.

Vor einem kleinen Haus sitzen die Mitglieder des Komitees nebeneinander, sie tragen Corona-Masken und Mützen
Mitglieder des Komitees in Ha Lejone versammeln sich
In einem Raum sitzen die Komitee-Mitglieder auf Bänken, vor ihnen hält Mothusi Sequee ein neues Schreiben der LHDA hoch
Mothusi Seqhee bespricht sich mit dem Komitee
An einem Tisch führt ein Komitee-Mitglied Protokoll, die anderen sitzen im Hintergrund
Ein Mitglied des Komitees macht Notizen

Es gebe eine Vereinbarung, in der stehe, dass die LHDA die Komitees dazu befähigen solle, die Gelder gut zu managen, sagt Mothusi Seqhee als Vertreter des Seinoli Legal Centre. „Aber aus unserer Sicht hat die LHDA keine entsprechenden Anstrengungen unternommen.“ Vielleicht wäre sie auch kein guter Lehrer: Seit 2019 gibt es bei der LHDA zwar ein Regelwerk gegen Korruption, aber in den Jahren zuvor waren mehrfach Fälle dieser Art bekannt geworden: Gelder wurden veruntreut, Schmiergelder flossen, es wurden sogar Haftstrafen verhängt.

Korruption und Klimawandel wirken sich auf das Projekt aus

Korruption gilt auch als Grund dafür, dass sich die Fertigstellung der zweiten Phase des Lesotho Highlands Water Projekts um Jahre verzögert. In dem Fall steht die südafrikanische Seite unter Verdacht. Statt bereits 2019 soll nun erst 2026 mehr Wasser nach Südafrika fließen. Für Lesotho bedeutet das, dass die Einnahmen nicht steigen. Und für Südafrika, dass in seiner Wirtschaftsregion Gauteng mit über 12 Millionen Einwohnern das Wasser knapp wird.

Dazu kommt der Klimawandel: Angesichts einer Dürre habe Lesotho die Wasser-Exporte nach Südafrika 2020 zum ersten Mal seit zehn Jahren drosseln müssen, so die LHDA. Von 780 auf 639 Millionen Kubikmeter. Und diese Entwicklung könnte sich fortsetzen. Das ursprünglichen Ziel, das im bilateralen Vertrag festgeschrieben wurde, ist schon längst unerreichbar: 2208 Millionen Kubikmeter sollte Lesotho zum heutigen Zeitpunkt liefern.

Sinkende Pegel durch eine Zerstörung relevanter Ökosysteme

Mehr Dürren, mehr Überflutungen, eine weniger berechenbare Regenzeit: Der Klimawandel werde sich in Lesotho durch mehr Extreme ausdrücken, sagt Henrik Hartmann von der deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) in Lesotho. In den letzten zehn Jahren hätten solche Ereignisse bereits stark zugenommen.

„Da sind Anpassungen nötig. Sowohl von uns (Bürgerïnnen den Großstädten), die wir jeden Tag den Wasserhahn aufmachen, als auch von den Menschen, die auf das Land angewiesen sind in diesen Wassereinzugsgebieten.“ Das Bewusstsein dafür steige, der Fokus liege nun vermehrt darauf, „den Druck zu verringern, einem ökologischen Kollaps vorzubeugen.“

Die Wasserpegel der Stauseen in Lesotho sänken seit 20 Jahren stetig, sagt Hartmann. Das liege jedoch nicht daran, dass es in Lesotho weniger regne. „Es gibt starke Hinweise darauf, dass es an der Zerstörung relevanter Ökosysteme liegt.“ Weideland werde nicht nachhaltig genutzt, Feuchtgebiete könnten ihre ökologische Funktion nicht mehr erfüllen. „Es gibt viele Erosionsprozesse, Staudämme verschlammen, und es gibt eine enorme Boden-Zersetzung.“ Die Dichte der Mikroorganismen in den Böden nimmt ab, weniger organisches Material wird zersetzt, das Nährstoffrecycling leidet.

Ein Fluss fließt durch die fahle Graslandschaft, am Ufer ein paar Pferde und Bäume
Flüsse führen im Winter nur wenig Wasser
Der Reiter sitzt auf seinem braunen Pferd, einen Wasserkanister vor der Brust
Lesoetsa holt mit seinem Pferd Wasser

Auf der Fahrt von Ha Lejone nach Masakong, wo derzeit ein Staudamm der zweiten Projektphase gebaut wird, sind einige Folgen dieser Zerstörung mit bloßem Auge sichtbar. Eine Brücke führt über ein breites Flussbett, aber darin fließt nur noch wenig Wasser. Drei Männer haben dort gerade ihre Pferde und ein Fohlen getränkt und Wasserkanister gefüllt. Sie wären dafür jetzt länger unterwegs als früher, sagt Lesoetsa, einer der Männer, während er den vollen Kanister auf den Pferderücken hievt.

Wenn Feuchtgebiete austrocknen, versiegen die Flüsse

Natürlich seien die Pegelstände der Flüsse auch wegen der trockenen Winterzeit niedrig, aber sie seien in den vergangenen Jahren generell gesunken, sagt Peter Chatanga. Er lehrt Biologie an der Universität von Lesotho. Viele Flüsse, die früher noch ganzjährig Wasser geführt hätten, täten das nun nur noch saisonal. Die Ursache liege in einer massiven Schädigung der Feuchtgebiete. „Wenn es regnet, saugen sie sich normalerweise voll wie ein Schwamm und geben das Wasser dann langsam über das Jahr nach und nach ab.“ Dieser Kreislauf sei nun beeinträchtigt, dadurch führten auch die Flüsse weniger Wasser.

Die Ursachen sind vielfältig: Durch den Straßenbau seien die einst dünnbesiedelten Dörfer im Hochland nun besser erreichbar. „Damit steigt der anthropogene Druck“, sagt Chatanga. Generell seien die Feuchtgebiete hier oben aber noch in besserem Zustand als jene in tieferen Lagen, wo die große Mehrheit der Bevölkerung lebt. „Dort sind die Feuchtgebiete vor allem durch Urbanisierung, die Versiegelung von Flächen und Landwirtschaft bedroht. Im Hochland dagegen sind es in erster Linie der Klimawandel und die Überweidung.“

Ein Hirte lässt seine Kühe grasen, dahinter ragt ein Strommast in den blauen Himmel
Ein Hirte treibt seine Kuh-Herde durch die Landschaft
Schafe grasen vor einer Wasserstelle, die gegenüberliegenden Hänge wirken durch die Überweidung fast terassiert
Überweidung setzt Ökosysteme in Lesotho unter Druck
An dem Flussufer im Hochland Lesothos ist Erosion sichtbar, dahinter ragt ein pyramidenförmiger Berg in den Himmel
In vielen Gegenden macht Erosion Probleme
Über Steine fliesst Quellwasser einen bewachsenen Hang hinunter
Quellwasser fließt einen Hang hinunter

An den teils steinigen, steilen Berghängen, die jetzt im Winter von fahlgelbem Gras bedeckt sind, wachsen niedrige Sträucher, aber kaum Bäume. Zu Fuß und zu Pferd treiben Hirten ihr Vieh quer durch die Landschaft. Eingezäunte Weideflächen gibt es nicht. Das Land wird traditionell von allen genutzt. Auch die Feuchtgebiete, sagt Chatanga. Hirten tränken dort ihr Vieh, das selektiv Pflanzen abfrisst, Bauern bewirtschaften die nährstoffreichen Böden rundherum. Viele Hänge wirken durch die ausgetretenen Pfade der Herden regelrecht terrassiert, an vielen Stellen klafft die Erde auf: Die Erosion nimmt zu.

Ökosysteme müssen sich dringend regenerieren

„Es ist höchste Zeit, dass wir diese komplexen Ökosysteme dabei unterstützen, sich zu regenerieren. Sonst kommen wir zu spät“, warnt Chatanga. Die Einbeziehung der Bevölkerung vor Ort sei dabei zentral. Genau hier setzt das sogenannte Integrated Catchment Management Projekt an, an dem auch die GIZ beteiligt ist. Ziel dieses integrierten Managements von Wassereinzugsgebieten ist es, Land- und Wasserressourcen nachhaltig zu nutzen und weitere Schäden in den Einzugsgebieten zu vermeiden.

Zu den Maßnahmen gehöre die Bepflanzung von Wasserläufen, Uferböschung und Umleitung in Schutzdämme, erzählt Henrik Hartmann. „Aber das ist nur Symptombekämpfung. Da versuchen wir das Schlimmste zu verhindern und Ökosysteme, die geschädigt sind, wieder zu stabilisieren.“ Im nächsten Schritt müsse jedoch an den Kern-Ursachen gearbeitet werden. Der „innovative Ansatz“ liege im Wort integriert.

Ministerien müssen Verantwortung für Wasser-Einzugsgebiete übernehmen

Die GIZ versucht, verschiedene Ministerien dazu zu bewegen, gemeinsam die Verantwortung für die Wasser-Einzugsgebiete zu übernehmen. So, dass beispielsweise beim Straßenbau die Effekte stromabwärts bedacht werden. In Zusammenarbeit mit Behörden und traditionellen Autoritäten sollen Verordnungen geschaffen und Gemeinderäte dazu befähigt werden, diese auch umzusetzen.

Diese ökologischen Ziele müssten mit sozialen und ökonomischen Zielen in Einklang gebracht werde, betont Hartmann. „Die Kern-Ursache für die Schädigung von Ökosystemen in Lesotho ist die Armut.“ Die Menschen hätten gerade im Hochland außer der Subsistenz-Landwirtschaft keine anderen Einkommensquellen. Über die Hälfte der Bevölkerung Lesothos lebt in Armut.

Kostenfreien Newsletter bestellen

Sie möchten regelmäßig über neue Beiträge dieses Magazins informiert werden? Dann bestellen Sie hier unseren kostenlosen Newsletter.

Die runden Gebäude sind aus Naturstein gemauert und haben ein grasgedecktes Dach
Traditionelle Rundhäuser im Hochland Lesothos

Angesichts vermehrter Dürren und Überschwemmungen litten die Menschen an chronischer Ernährungsunsicherheit, die sich periodisch zu Hungersnöten auswachse, so Hartmann. „Wir können also nicht einfach sagen: ‚Wir sperren einzelne Gebiete ab und erklären sie zu Schutzgebieten. Ihr dürft das Land nicht mehr nutzen.‘ Denn das hat natürlich enorme Auswirkungen auf die Existenzgrundlage.“

Die GIZ arbeitet an Maßnahmen zum Schutz der Feuchtgebiete

Konkrete Maßnahmen könnten darin bestehen, Trinkstellen am Rande von Feuchtgebieten aufzubauen. „Derzeit führen Hirten ihre Tiere oft in die Feuchtgebiete, weil sie da trinken können. Durch die Trinkstellen können sie ihre Tiere weiterhin tränken, aber ohne die Feuchtgebiete zu betreten.“ Auch der Aufbau von Baumschulen sei ökologisch und ökonomisch „sehr effektiv“. Invasive Pflanzenarten, die in gestörten Ökosystemen wuchern, könnten abgeholzt, von lokalen Kleinbetrieben zu Pellets verarbeitet und in Haushalten zum Kochen benutzt werden. Noch sind derartige Pläne jedoch Zukunftsmusik, ihre Umsetzung hat sich durch die Corona-Pandemie verzögert.

Ein gelber Bagger steht auf einem Steinhaufen, daneben liegen große Betonrohre
Straßenbau im Zuge neuer Staudammprojekte
Blick über zwei große Betonrohre in die Weite der Bergwelt Lesothos
Bäche werden durch Betonrohre umgeleitet
Blick durch ein Betonrohr auf eine Wasserstelle
Wasserquelle am Rande der Straßenarbeiten
Hochspannungsmasten stehen in der Landschaft, die Überleitungen sind noch nicht installiert
Strommasten entlang der neuen Straße

Die Straße nach Masakong verwandelt sich mehr und mehr in eine Baustelle. Bald wird auch sie geteert sein. Noch schaffen Bagger Steinbrocken aus dem Weg, verlegen Betonrohre, um Bäche umzuleiten, Planierraupen sind im Einsatz, Arbeiter bereiten den felsigen Untergrund für Sprengungen vor. Riesige Metallmasten für den Strom-Transfer ragen aus der Berglandschaft, hoch über den traditionellen Rundhütten der Bevölkerung – nur die Leitungen fehlen noch. Kleinbauern bringen auf ihren kleinen Feldern die Maisernte ein. Sie haben sie zu Pyramiden aufgestapelt, packen sie in Säcke und transportieren sie auf den Rücken ihrer Esel heim.

Auch Feuchtgebiete fallen dem Straßenbau zum Opfer

Nach einer Kurve taucht ein riesiges Rechteck aus nebeneinanderliegenden Steinen auf. Es wirkt wie ein Mahnmal. „Das war früher mal ein Feuchtgebiet“, sagt Mothusi Seqhee während er vorbeifährt. Es musste dem Straßenbau weichen. Und das obwohl auch die Lesotho Highlands Development Authority betont, Umweltprogramme seien ein integraler Teil der zweiten Projektphase, dazu gehöre auch der Schutz der Feuchtgebiete.

Ein Rechtech aus Steinen bedeckt, was früher einmal ein Feuchtgebiet war.
Hier wurde ein Feuchtgebiet trockengelegt

Nicht nur eine solch drastische Trockenlegung sei problematisch, sagt der Biologe Peter Chatanga. Wasser laufe von den Straßen auch durch Abflüsse in darunterliegende Feuchtgebiete. „In der Folge reichern sich dort Sedimente an, die Feuchtgebiete verschlammen, ihre Hydrologie verändert sich, und sie verlieren ihre Kapazität als Wasserspeicher.“ Die Biodiversität leidet, die Nährstoffzusammensetzung verändert sich, die natürliche Filter-Funktion ist gestört, weshalb sich wiederum die Wasserqualität verschlechtert.

Mangel an Daten erschwert Wissenschaftlern die Arbeit

Der Wissenschaftler hat entsprechende Studien zur Funktion der alpinen Feuchtgebiete in Lesotho verfasst. Problematisch sei dabei jedoch der Mangel an grundlegenden Daten. „Konkrete Daten darüber, in welchem Zustand diese Feuchtgebiete früher einmal waren, existieren meist nicht. Wir sind deshalb bei Vergleichen oft auf Schätzungen angewiesen.“ Eine Ausnahme seien Gebiete wie dieses, in denen die LHDA bereits seit langem ihre Projekte vorantreibe. Hier lägen teils Daten aus den 1990er Jahren vor. Und die bestätigten seine Befürchtungen.

„Sie zeigen, dass nichts in Ordnung ist: Einige Feuchtgebiete existieren nicht mehr, und die Biodiversität nimmt ab.“ Angesichts der vielschichtigen Bedrohungen, dem Druck, unter dem Feuchtgebiete in ganz Lesotho stehen und ihrer Bedeutung für die Wasserversorgung einer ganzen Region, wundert sich Chatanga, dass in der Ramsar-Konvention zum Schutz von Feuchtgebieten internationaler Bedeutung nur ein einziges in Lesotho auftaucht – Lets’eng-la-Letsie im Südwesten des Landes.

Eine Betonbrücke führt über den Senqu-Fluss, am Ufer grasen Kühe
Brücke über den Senqu-Fluss
Der Hirtenjunge ist in eine Wolldecke gehüllt, umringt von seinen Hunden steht er am Flussufer des Senqu
Hirtenjunge mit seinen Hunden am Fluss
An einem Hang fließt Wasser über flache Steine, mehrere Menschen warten darauf, Wasser in Kanister abzufüllen
Bauarbeiter und Dorfbewohner nutzen die Quelle gemeinsam
Am Hang über der Quelle sind dutzende Wasserkanister aufgestapelt, Menschen warten, bis sie an der Reihe sind
Für Trinkwasser müssen Bürger nun Schlange stehen

Kurz vor Masakong führt eine Brücke über den Senqu-Fluss, ein Hirte mit einem Rudel Hunde im Schlepptau führt sein Vieh zum Ufer. „Bald wird das alles unter Wasser sein“, bemerkt Mothusi Seqhee trocken. Dieser Teil des Senqu wird durch den neuen Polihali-Staudamm geflutet, auch Feuchtgebiete liegen in dem markierten Tal. Für den Hirten bleiben dann nur die steilen Hänge. Etwas weiter stehen Dorfbewohner und Bauarbeiter vor einer Quellwasserleitung Schlange. Dutzende Kanister sind am Hang aufgestapelt. Das Wasser muss nun für mehr Menschen reichen.

Ein Dorf von Kleinbauern liegt nun mitten in einer Baustelle

Auf der Anhöhe sind Unterkünfte für die Arbeiter errichtet worden, auf der Teerstraße fahren LKW im Minutentakt vorbei. Mittendrin, eingezäunt, liegt das Dorf Masakong. „Es hätte schon längst umgesiedelt werden sollen“, sagt Seqhee. Heute will er mit der Dorfgemeinschaft besprechen, wie es weitergehen soll. Von der LHDA heißt es, der Plan für die Umsiedlung von Masakong und anderer Dörfer in der Gegend mit mehreren tausend Einwohnern solle Ende dieses Jahres abgeschlossen sein.

Viel zu spät, kritisiert Lebohang Lengoasa. Der 40-jährige Kleinbauer ist hier aufgewachsen. „Man könnte meinen, dass unser Leben früher hart gewesen sei. Aber es war besser als jetzt.“ Seit fast drei Jahren leben Lengoasa und die anderen Dorfbewohnerïnen schon inmitten dieser Großbaustelle. Der Weg zum Fluss ist versperrt, weil dort die Tunnel gebaut werden, durch die das Wasser in den Katse-Staudamm geleitet wird. Auch Weideland und Ackerflächen sind verloren gegangen.

Blick über eines der traditionellen Rundhäuser des Hauses auf die neue Straße auf der Baumaschinen fahren, getrennt durch einen Zaun
Masakong: Leben auf der Großbaustelle
Ein Zaun trennt die traditionellen Rundhäuser von der neuen Asphalt-Straße
Für die Bauarbeiten wurde das Dorf eingezäunt
Über dem Zaun, der das Dorf von der Baustelle trennt, hängt Wäsche zum Trocknen in der Sonne
Der Zaun ist nur zum Trocknen der Wäsche praktisch
Auf der neuen Straße schiebt eine Frau eine Schubkarre, eine andere folgt ihr. Neben Rundhäusern sind nun auch neue Gebäude für die Arbeiter des Wasserprojekts gebaut worden
Für die Einwohner ist das Leben schwieriger geworden
Er trägt einen Mantel und eine Mütze und schaut in die Kamera
Lebohang Lengoasa in Masakong

„Weil wir nicht wissen, wie lange wir noch hier leben und weil alles, inklusive der Felder mit einer dicken Staubschicht bedeckt ist, liegt mein Acker brach. Und Vieh habe ich nicht mehr“, erzählt Lengoasa. Seine kleine Herde hat die letzte Dürre nicht überstanden, andere Tiere sind verendet, weil sie Plastiktüten gefressen haben. Derartigen Müll gab es hier früher nicht. Mitarbeiter der LHDA hätten ihm zwar Land für die Neuansiedlung gezeigt, aber das sei ungeeignet. „Es ist zu steil, zu steinig und für unsere Landwirtschaft vollkommen ungeeignet“, sagt Lengoasa.

Von versprochenen neuen Einkommensmöglichkeiten keine Spur

Da seine Frau Arbeit hat, steht die Familie wenigstens nicht komplett ohne Existenzgrundlage da. „Aber wir hätten uns gewünscht, dass uns wenigstens während der Bauarbeiten ein Job angeboten wird, damit wir überleben können.“ So steht es eigentlich auch in der schriftlichen Stellungnahme der LHDA: In Dörfern, die nicht mehr als fünf Kilometer entfernt liegen, seien 1123 Arbeitsplätze entstanden. Auch von nachhaltigen Programmen zur Entwicklung und neuen Einkommensmöglichkeiten ist die Rede. Aber Lengoasa weiß von all dem nichts.

Man hätte denken können, dass die LHDA aus der ersten Projektphase gelernt hat. Der ursprüngliche Vertrag war unterzeichnet worden, als in Südafrika noch Apartheid und in Lesotho ein Militär-Regime herrschte. Nun werden beide Länder demokratisch regiert, und in der Vereinbarung für die zweite Phase ist mehrfach von sozialer und ökologischer Verantwortung die Rede. „Wie so oft sind die Umsetzung und der politische Wille das Problem“, sagt Mothusi Seqhee.

Unter einem kleinen Steindach kommt Quellwasser, daneben liegt eine leere Plastikflasche
Die alte Wasserquelle von Masakong
Ein Wasserhahn steht zwischen Steinen, im Hintergrund sind die Wassertanks der Baustelle zu sehen
Die neue kommunale Wasserstelle in Masakong
Der Mann beugt sich zum Wasserhahn und füllt eine keine Plastikflasche ab
Lebohang Lengoasa holt Trinkwasser

Gemeinsam gehen die beiden Männer den Hang herab zu der kleinen Quelle, an der die Dorfbewohner früher ihr Wasser geholt haben. Sie liegt direkt neben der Einfahrt zu den Unterkünften der Arbeiter. Zwischen ein paar Steinen in einer Senke kommt das Quellwasser in einem kleinen Rinnsal direkt aus dem Boden. Auch hier liegt Müll. Den könnte man wegräumen, sagt Lengoasa. „Schlimmer ist, dass unsere Quelle von den Abwässern verseucht wurde.“ Kinder hätten Durchfall bekommen.

Die Projektleitung errichtete deshalb einen kommunalen Wasserhahn im Dorf. Das Wasser wird aus dem Fluss in Plastiktanks gepumpt und gefiltert. „Das behaupten sie uns gegenüber jedenfalls“, sagt Lengoasa während er den Hahn aufdreht. Im Gegensatz zu Ha Lejone fließt hier zwar Wasser, aber wenn es regne, sei es braun. „Außerdem riecht und schmeckt es seltsam.“ Einige Haushalte würden es deshalb abkochen.

„Es ist schwer, sich eine Zukunft vorzustellen.“

Lengoasa wirft einen Blick auf den Hang an der Flussbiegung, wo das Haus, in dem er mit seiner Frau und drei Kindern lebt, zwischen einem dutzend anderen steht. Wie es weitergehen soll? Er zuckt hilflos mit den Schultern. „Es ist schwer, sich eine Zukunft vorzustellen. Wir leben von der Landwirtschaft, aber jetzt haben wir keine Felder und keine Tiere mehr. Auf die Entschädigung warten wir auch noch.“ Einige Dorfbewohner wollten nun in die Städte ziehen, andere würden versuchen, sich im Hochland irgendwie eine neue Existenz aufzubauen.

Am Hang der Flussbiegung stehen die Häuser von Lengoasa und seinen Nachbarn – bald sollen sie umgesiedelt werden
Die Häuser an der Flussbiegung werden bald umgesiedelt
Im Tal der fahlgelben Graslandschaft sind Bauarbeiten und LKW zu sehen
Bauarbeiten für den neuen Staudamm
Lengoasa steht in der Mitte des Bildes, um ihn herum sitzen seine Nachbarn auf dem Boden
Lengoasa und seine Nachbarn versammeln sich
Am Feld am Rand der neuen Teerstraße haben sich die Dorfbewohner zu einem Krisentreffen versammelt, einige stehen, andere sitzen auf dem Boden
Krisentreffen an der neuen Straße in Masakong

„Die Rechte der Dorfbewohnerïnnen werden mit Füßen getreten“, sagt Mothusi Seqhee, während sich Frauen und Männer zu dem geplanten Krisentreffen versammeln. Abgesehen davon, dass die eigene Regierung nicht ihre Interessen vertrete, habe sich Lesotho bei dem Vertrag mit dem mächtigen Nachbarland Südafrika über den Tisch ziehen lassen. Es sei dringend notwendig, nachzuverhandeln.

„Wir sollten wenigstens die Erlaubnis erhalten, die Talsperren auch für Bewässerungssysteme zu nutzen.“ Dazu kommen die Konflikte um nicht ausgezahlte Entschädigungen, um mangelnde neue Beschäftigungsmöglichkeiten und den Zugang zu sauberem Trinkwasser. „Vielleicht müssen unsere Anwälte vom Seinoli Legal Centre schon bald wieder vor Gericht ziehen“, fügt Seqhee nachdenklich hinzu. Es sei ein Kampf von David gegen Goliath.

Fotograf Roger Jardine und Journalistin Leonie March

Im Projekt Countdown Natur" berichtet ein Team von 25 Journalistinnen und Journalisten mit Blick auf den UN-Naturschutzgipfel Ende 2021 über die Gefahren für die biologische Vielfalt und Lösungen zu ihrem Schutz. Die Recherchen wurden vom European Journalism Centre durch das Programm „European Development Journalism Grants“ gefördert. Dieser Fonds wird von der Bill & Melinda Gates Foundation unterstützt.

Unterstützen Sie „Countdown Natur“ mit einer einmaligen Zahlung. Oder lesen und fördern Sie alle Themenmagazine mit einem RiffReporter-Abo.
Leonie March

Leonie March

Leonie March lebt und arbeitet seit 2009 als freie Auslandskorrespondentin in Südafrika.


Countdown Natur

Der Reichtum des Lebens auf der Erde ist in Gefahr. Es geht um die Zukunft unzähliger Tier- und Pflanzenarten und Lebensräume. Das betrifft uns Menschen existenziell. Es geht auch um sauberes Trinkwasser, unsere Nahrung und ein lebensfreundliches Klima. Ein Team von 25 Journalistïnnen von RiffReporter berichtet bei "Countdown Natur" über den Wettlauf gegen die Zeit und über Lösungsansätze. Wissenschaftlerïnnen sagen: Bisher hat der globale Naturschutz fast alle Ziele verfehlt. Kommt nun die Wende zum Besseren?

2021 entscheiden die Staaten der Erde bei zwei UN-Umweltgipfeln darüber, ob und wie sie gemeinsam die weitere Zerstörung der Lebensvielfalt aufhalten wollen. Dazu braucht es vertiefte Recherchen, ausführliche Berichterstattung und eine große Öffentlichkeit. Die Recherchen werden von der Hering-Stiftung Natur und Mensch, dem European Journalism Centre, der Andrea von Braun Stiftung und dem Hofschneider-Preis gefördert. Auch Sie können uns unterstützen!

Verantwortlich im Sinne des Presserechts

Leonie March

Weltreporter.net
Hoheluftchaussee 53a
20253 Hamburg

www: http://www.weltreporter.net/march

E-Mail: march@weltreporter.net

Tel: +27 71 499 6944

Weitere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

Redaktion: Claudia Ruby
Fotografie: Roger Jardine
VGWort Pixel