Vom Klima-Saulus zum Paulus

von Daniela Becker
5 Minuten
Das Bild zeigt Christian Noll, geschäftsführender Vorstand der Deutschen Unternehmensinitiative Energieeffizienz e. V. und Olaf Höhn, Geschäftsführer der Florida-Eis Manufaktur

„OK, Boomer“ ist eine gerne verwendete ironisch-lakonische Antwort der jüngeren Generation auf belehrende, herablassende oder ignorante Äußerungen der Älteren. Die ältere Generation hätte die Klimakrise kommen sehen, aber nicht gehandelt, so der unterschwellige Vorwurf. Völlig von der Hand zu weisen ist es nicht. „Ich konnte früher gar nicht genug CO2 ausstoßen", gibt zum Beispiel Olaf Höhn freimütig zu. Doch dann lernt er mehr über die Gefahren der Erderhitzung. Sein Sohn, ein Geologie-Student, löst dieses Umdenken aus. Heute gilt Höhns Unternehmen als Vorzeigebetrieb für Energieeffizienz – und er wird nicht müde, anderen Unternehmern die Vorzüge des klimaneutralen Wirtschaftens schmackhaft zu machen.

Auf dem Heimweg von seiner Eismanufaktur in Berlin macht sich Olaf Höhn oft einen kleinen Spaß daraus, auszuprobieren, mit wie wenig Energie er diesmal den Heimweg absolviert. Er fährt einen Elektro-Mercedes, von dem es nur wenige gibt und der aus einer Zeit stammt, in der Daimler noch mit dem Elektropionier Tesla kooperierte. „Wenn ich das geschickt anstelle, im Windschatten fahre und ein kurzes abschüssiges Stück runter laufen lasse, und dabei die Bremswirkung Energie zurückgewinne, fahre ich 16 der 27 Kilometer praktisch ohne Antrieb“, erzählt Höhn begeistert.

Diese Episode beschreibt Höhns Charakter vermutlich ganz gut. Ein Tüftler, der eine große Lust daran hat, neue Dinge auszuprobieren. Dass irgendwann einmal ein Aufkleber „Ich fahre CO2-neutral“ auf seinem Auto prangen würde und seine Florida Eismanufaktur von der Bundesregierung als Vorzeigebetrieb für klimaneutrales Wirtschaften ausgezeichnet würde, war allerdings nicht unbedingt absehbar. „Ich war ein richtiger Petrolhead, Motorsport, Flugzeuge – ich konnte gar nicht genug CO2 ausstoßen“, gibt der gelernte Maschinenbau-Ingenieur zu. Sein Umdenken ausgelöst hat sein Sohn, der Geologie studierte. „Über sein Studium habe ich viel mitbekommen, was bei uns in Sachen Klimaschutz so alles im Argen liegt. Das hat bei mir viel in Gang gesetzt.“

Die Lage ist dramatisch, was also tun?

Erst habe er nur „ein bisschen grünen Strom mit einer Photovoltaikanlage“ erzeugen wollen. „Aber dann hat mich jemand darauf hingewiesen, dass wir durch unsere Eisherstellung ja ganz viel Abwärme produzieren, die wir nutzen könnten“, erzählt der 70-Jährige. Als er für seine Firma eine neue Halle baute, entschied sich Höhn deswegen vor acht Jahren eine Adsorptionskältemaschine anzuschaffen. „Als einer der ersten Betriebe überhaupt!“ sagt er stolz. Solche Anlagen erzeugen Kälte, indem sie als Antriebsenergie überschüssige Wärme nutzen und dadurch ohne Strom die benötigte Kühlleistung bereitstellen. Als Antriebsquelle nutzt Florida Eis eine Solarthermie-Anlage sowie eine Holzpellets-Heizung – und die aufgefangene Wärme eines ausgeklügelten Energierückgewinnungssystems, an das alle 50 Kältekompressoren des Betriebs gekoppelt sind. Damit laufen die Kompressoren sparsam, da sie durch die Gastechnik der Adsorptionskältemaschine etwas kühler gehalten werden als sonst üblich.

Warmes Wasser aus der Rückgewinnung

Bei der Rückgewinnung aus dem Kreislaufsystem der Kältemittel in der Adsorptionskältemaschine wird sehr viel heißes Wasser produziert, das im Betrieb weiter verwendet wird. „Wir nutzen das als Warmwasser für Waschbecken und Dusche, für die Fußbodenheizung und für die Warmluftheizung. Das spart richtig Geld“, sagt Höhn. Die Anfangsinvestition in die Adsorptionskältemaschine sei zwar sehr hoch gewesen, aber sie habe sich sehr wohl gelohnt, so der Unternehmer. „Es ist wirklich verblüffend, wie wahnsinnig effizient diese Anlage arbeitet.“ Und langlebig sei sie auch: Die Hersteller garantieren eine Lebensdauer von bis zu 50 Jahren. „Ich muss also nicht alle fünf Minuten ein Ersatzteil kaufen, das schlägt sich in geringen Wartungs- und Instandsetzungskosten nieder", sagt der Unternehmer. Vor dem Umzug des Betriebs in die neue Halle am Zeppelinpark in Berlin hatte Höhn nur eine kleine Produktion für seine zwei Eiscafés mit monatlichen Stromkosten in Höhe von 10.000 Euro. „Die zahle ich heute auch noch, aber wir produzieren zehnmal so viel und beliefern zusätzlich den Handel“, sagt Höhn.

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Daniela Becker


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