Abhängig von der globalisierten Knolle: Kartoffelbauern als Spielbälle der Marktwirtschaft

Kolumbianer essen Pommes aus den Niederlanden, Deutsche Chips aus Peru. Am Beispiel der Kartoffel zeigt sich Sinn und Unsinn des weltweiten Agrarmarktes

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Ackererde, darauf ein Haufen von ca. 10 frisch geernteten Kartoffeln aufgeschichtet. Im Hintergrund verschwommen eine Landschaft.

Vor 500 Jahren trat die Kartoffel ihren Siegeszug um die Welt an. Die schmackhaften Erdäpfel haben ganze Völker vor dem Hungertod bewahrt und fehlen heute auf keinem Speiseplan zwischen Wladiwostok und San Francisco, sei es als gekochte Knolle oder als eines der stylishen Fertigprodukte, die die europäische Agrarindustrie aus genormten, hoch produktiven Kartoffelsorten herstellt: Kroketten, Taler, Knödel, Chips – und immer wieder Fritten.

Doch ihren Ursprung hat die Kartoffel in den Hochanden, auf über 4.000 Metern, am Titicaca-See, wo das Blau des Wassers in das Blau des Himmels übergeht und wo sich die gleißende Sonne des Tages mit dem bitteren Frost der Nacht abwechselt. Wenn sich dort indigene Bäuerinnen und Bauern aus verschiedenen Dörfern treffen, dann wiederholen sie ein jahrhundertealtes Ritual. Sie binden sich ihre “Aguayos”, die bunten Tragetücher vom Rücken, breiten sie auf dem Boden, der Mutter Erde, aus und zeigen stolz ihren Inhalt: das eine oder andere Fischlein aus dem See, auch mal ein Stück Fleisch oder ein Omelett ist darunter. Vor allem aber glänzen auf den Tüchern gekochte Kartoffeln in allen Formen und Farben. Es sind die alten Kartoffelsorten, von den indigenen Familien der Anden seit Jahrhunderten so liebevoll gehütet wie in deutschen Familien die Rezepte für die Weihnachtsplätzchen. Der gemeinsame Festschmaus kann beginnen.

Im Hintergrund drei indigene Frauen mit Hüten, sitzen an einem Tisch. Auf dem Tisch liegt ein großes Tuch, voller geschälter Kartoffeln in allen Formen und Farben. In der Mitte ein Emailletopf mit einer Soße.
Die indigenen Völker rund um den Titicaca-See zelebrieren den „Apthapi“. Jede Bäuerin bringt Kartoffeln und andere Produkte vom eigenen Feld mit, das nachher gemeinsam verzehrt wird.
Unzählige Säcke voller Kartoffeln in einer Grossmarkthalle im Morgengrauen. Es ist noch dunkel.  In der Mitte ein Träger mit blauem Drillichanzug, der auf seinem Rücken einen Zentnersack voller Kartoffeln trägt. Daneben sind zwei Frauen mit Handeln beschäftigt.
Auf dem Großmarkt von Lima werden im Morgengrauen die Kartoffeln für die Zehn-Millionen-Stadt gehandelt.
Ein Mann wirft Kartoffeln in einen Sack, der auf seine Feld steht. Im Hintergrund sieht man ein Tal, dahinter ragen Berge auf.
Mit bloßen Händen erntet dieser Bauer seine Kartoffeln an einem Steilhang in Peru.
Ein Bauer in Blaumann geht neben einem Traktor her, der große Mengen Kartoffeln geladen hat.
Nur wenige Cent erhalten Bauern wie Rob van den Broek in den Niederlanden für ein Kilo Kartoffeln. Ein Auskommen hat nur, wer Masse liefert und Qualität.
Ein Traktor zieht in der Ferne eines riesigen Ackers seine Bahnen.
Große Felder, dem Meer abgetrotzt: Nur mit Masse können viele Bauernfamilien in den Niederlanden im globalisierten Kartoffelmarkt bestehen. Ihre Waren werden oft exportiert.
Das ganze Foto zeigt Kartoffelchips, die rot gemustert sind. Sie wurden aus einer alten peruanischen Sorte hergestellt.
Diese Chips aus alten Kartoffelsorten werden im peruanischen Huancayo von einer Genossenschaft hergestellt und im fairen Handel in Frankreich und Deutschland vertrieben.
Ein weißes Papiertütchen voller knackig aussehender gelb-goldener Pommes. Einige Pommes haben blaue Einsprengsel. Daran erkennt man, dass sie aus einer alten peruanischen Kartoffelsorte hergestellt wurden.
Die peruanische Fastfood-Kette „La Lucha“ verkauft nur Pommes, die aus der peruanischen alten Huayro-Kartoffel hergestellt werden.

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