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Fotoessay: Abflug der Kraniche

Keine andere Vogelart lässt Menschen das Naturwunder Vogelzug so hautnah erleben.

22.10.2019
4 Minuten
Eine Gruppe Kraniche im Abendlicht

Jetzt sind sie wieder unterwegs, zu Zehntausenden. Der Zug der Kraniche ist in vollem Gang. Ihre melancholischen Trompetenrufe lassen Menschen in Großstädten ebenso wie auf dem Land in den Himmel blicken, auf der Suche nach den Vögeln, die sich meist in keilförmigen Formationen auf den Weg nach Südwesten machen. Kraniche faszinieren Menschen und der Grund liegt auf der Hand: Keine andere Vogelart erlaubt in unseren Breiten einen so unmittelbaren Einblick in das geheimnisvolle Phänomen des Vogelzugs.

Im Herbst sammeln sich Kraniche an Schlafplätzen, um sich für die große Reise in den Süden vorzubereiten.
Im Herbst sammeln sich Kraniche an Schlafplätzen, um sich für die große Reise in den Süden vorzubereiten.
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Während viele Vogelarten nur nachts oder einzeln ziehen und allenfalls ihr plötzliches Fehlen einen Hinweis auf ihren Abzug gibt, spielt sich das Schauspiel des Vogelzugs ausgerechnet bei einem der anmutigsten und schönsten Vögel, dem Kranich, vor aller Augen ab.

Ein Kranich bricht zum Weiterzug auf, während seine Artgenossen noch unentschlossen sind.
Ein Kranich bricht zum Weiterzug auf, während seine Artgenossen noch unentschlossen sind.

Laut rufend machen sie auf sich aufmerksam, sie ziehen in großen Trupps und sie rasten an traditionellen Plätzen in spektakulären Konzentrationen von oft mehreren Zehntausend Vögeln. Kein Wunder, dass sich in den Regionen Deutschlands, die im Zentrum des Kranichzugs liegen, in den vergangenen Jahren ein regelrechter Kranichtourismus entwickelt hat.

Kraniche ziehen im Familienverband. Die Jungtiere werden stets von ihren Eltern flankiert.
Kraniche ziehen im Familienverband. Die Jungtiere werden stets von ihren Eltern flankiert.
Kraniche stehen bei erstem Morgenlicht im Wasser
Ihren Rastplatz teilen die Kraniche im Herbst mit Gänsen und Enten.

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In vielen Ländern werden Kraniche als Symbole des Glücks verehrt.
In vielen Ländern werden Kraniche als Symbole des Glücks verehrt.

Auch ich kann mich dem Bann dieser Vogelart nicht entziehen. Trotz ihrer Größe ziehen Kraniche nicht wie etwa Störche im energiesparenden Thermikflug, sondern aktiv und selbst bei Nacht. Immer wieder berührend ist es, zu sehen und zu hören, wie Eltern und ihre Jungvögel gemeinsam die Reise in das Winterquartier antreten und dabei durch Kontaktrufe sich immer der Nähe versichern; die Jungvögel noch mit hoher Heranwachsenden-Stimme. Auch während der Nahrungssuche am Tag sieht man fast immer eng zusammenhaltende Familienverbände.

Gut geschützt verbringen die Kraniche die Nacht. Hier fliegt noch ein Trupp Silberreiher ein, der sich unter die anderen Vögel mischt.
Gut geschützt verbringen die Kraniche die Nacht. Hier fliegt noch ein Trupp Silberreiher ein, der sich unter die anderen Vögel mischt.

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Brüteten in Deutschland Ende der 1970er Jahre nur rund 700 Paare, stieg die Zahl auf heute mehr als 8000 Brutpaare an. Kraniche haben auch innerhalb Deutschlands ihr Brutgebiet ausgedehnt. Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern bleiben aber mit weitem Abstand die wichtigsten Länder für Kraniche in Deutschland.

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Kraniche ziehen bei Nacht und bei Tag – wenn sich ihr Ruf mit dem Anblick des Vollmonds verbindet, kommt eine ganz besondere Stimmung auf.
Kraniche ziehen bei Nacht und bei Tag – wenn sich ihr Ruf mit dem Anblick des Vollmonds verbindet, kommt eine ganz besondere Stimmung auf.

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Ihr langer Weg in den Süden führt die Tiere auch über Gebirge, wie hier in Israel.
Ihr langer Weg in den Süden führt die Tiere auch über Gebirge, wie hier in Israel.

Der Abflug der Kraniche macht wehmütig. Ich freue mich schon auf den nebelverhangenen menschenleeren kalten Frühjahrsmorgen, an dem ich den ersten Ruf eines Rückkehrers hören werde. Der perfekte Sound unbeschwerten Naturerlebens…

Kraniche sind aktive Flieger. Anders als andere Großvögel legen sie nur gelegentlich Gleitstrecken ein.
Kraniche sind aktive Flieger. Anders als andere Großvögel legen sie nur gelegentlich Gleitstrecken ein.

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Kraniche streben im Abendrot ihrem Schlafplatz entgegen  – kurz vor dem Abschied ins Winterquartier.
Kraniche streben im Abendrot ihrem Schlafplatz entgegen – kurz vor dem Abschied ins Winterquartier.

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Thomas Krumenacker

Thomas Krumenacker

Thomas Krumenacker ist Journalist und Naturfotograf in Berlin. Neben den RiffReportern schreibt er für überregionale Zeitungen und Fachjournale über Wissenschaftsthemen.


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