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Wenn die Knäkente für Lohengrin übt

Das Gute am Vogelbeobachten: In kargen Hütten zu sitzen (es gibt aber Ausnahmen)

01.11.2017
8 Minuten
Am Ufer des Barmener Sees, eines Baggersees bei Düren, steht eine geräumige Beobachtungshütte, zu der eine kleine Leiter hinauf führt. Von dort aus kann man Enten, Gänse, Teichhühner und auch Eisvögel beobachten.

Was ist das Gute am Vogelbeobachten? Ende September schrieb mein Kollege Christian Schwägerl über das Warten, das sich auch dann lohnt, wenn der erwartete Vogel nicht auftaucht. Auf meiner persönlichen Best-of-Liste beim Vogelbeobachten ganz oben: In einem Holzbau zu sitzen und durch eine Luke nach draußen zu gucken, am besten aufs Wasser.

Rucksack unter der Sitzbank verstaut (wenn es eine gibt), Thermoskanne abgestellt, Fernglas oder Spektiv in Stellung gebracht – und dann einfach dasitzen oder -stehen und rausschauen, bis die Vögel kommen. Meistens muss man nicht lange warten, denn die Vögel sind schon da, sonst wäre da kein Holzbau. Oder, wie die offiziellere Bezeichnung lautet: Beobachtungshütte.

Das Wort finde ich allerdings nicht ideal, weil es umständlich ist und auch nur begrenzt zutreffend: Manche Hütten sind eher Türme, zum Teil mehrstöckig, andere ähneln überdachten Balkons, wieder andere haben nicht einmal ein Dach. Oder bestehen nur aus einer Wand mit Öffnungen drin. Die Modellvielfalt ist groß, und manche Modelle, das muss man leider sagen, sehen von außen besser aus als aus der Beobachterperspektive von drinnen. Aber dazu später mehr.

Blick aus der Öffnung einer Vogelbeobachtungshütte über einen See, an dessen Ufern sich Röhricht ausbreitet. Im Hintergrund Wald
Logenblick auf Röhricht und Wasser: Vogelbeobachtungshütte in Finnland
Auf den ersten Blick sehen manche Beobachtungstürme wie klassische Hochsitze für Jäger aus. Wie dieser in einem Naturschutzgebiet östlich von Greifswald.
Mutet wie eine Jägerkanzel an, dient aber ornithologischen Zwecken: Beobachtungsstand in einem Naturschutzgebiet östlich von Greifswald.
Blick aus einer Vogelhütte an der Kooser See nördlich von Greifswald. Man sieht eine weite Schilflandschaft, am Horizont eine weitere Hütte.
Weite mit Vogelhütte: An der Kooser See nördlich von Greifswald gibt es vereinzelt Thorshühnchen zu sehen – und eine ganze Palette spannender Küstenvögel.

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Seidenreiher und Krickenenten, auf dem Wasser und fliegend, gesehen aus einer Beobachtungshütte in NewportWetlands, einem Schutzgebiet der Royal Society for the Protection of Birds (RSPB) in Wales
Seidenreiher und Krickenten, beobachtet von einem Hide im Vogelschutzgebiet Newport Wetlands, Wales
Ein mehrstöckiger Beobachtungsturm im Ochsenmoor am Dümmersee. Darin befinden sich mehrere Menschen. Einige schauen durch ein Fernglas.
Mehrere Stockwerke mit bestem Blick auf Watvögel: Beobachtungsturm am Dümmersee
Ein kleiner Junge richtet ein mächtiges Spektiv durch die Luke einer Beobachtungshütte auf eine Gruppe von Vögeln.
Vogelbeobachtungshütten sind immer spartanisch eingerichtet. Bänke haben aber für die kleinen Beobachter enorme Vorteile.
Aus dem „Kiekkasten“ blickt man auf einen Fluss, der durch eine weite Schilflandschaft fließt. Der Kiekkasten ist ein bei Ornithologen beliebter Ausguck am Dollart, direkt an der deutsch-niederländischen Grenze.
Der „Kiekkasten“ – der Lieblingsort mancher Ornithologen am Dollart, direkt an der deutsch-niederländischen Grenze.
Zwei Stockenten stellen beim Gründeln ihre Schwänze senkrecht
Hier demonstrieren zwei Stockenten, warum sie zu den Gründel- und nicht zu den Tauchenten gehören
Eine Gruppe von Birdern hat ihre Spektive in einer Beobachtungshütte in Finnland aufgestellt. Einige unterhalten sich, die meisten gucken
Es ist immer wieder nett, beim Besuch von Vogelgucks andere Birder zu treffen (auch wenn man vor lauter Gucken oft kaum zum Reden kommt)
In dieser Beobachtungshütte sitzt eine Frau mit Fernglas in ziemlich unbequemer Stellung auf einer Holzbank, weil das Sichtfenster zum Rausgucken zu schmal und zu niedrig ist.
In dieser Hütte muss man sich ganz schön verrenken, um durch das Sichtfenster gucken zu können
Eine schmale, teils mit einem Brett verdeckte Luke in einer Beobachtungshütte. Das Bild illustriert einen verbreiteten Misstand: Viele Hütten sind fürs Beobachten ungünstig konstruiert.
Brett vor dem Kopf – in manchen Fällen trifft das auf Konstrukteure wie auf die Beobachter zu.
Dieser massive und zugleich filigrane Turm an der Mündung der Lune in die Weser (im Naturschutzgebiet Luneplate) sieht zumindest von außen sehr vielversprechend aus. Man kann hier, unter anderem, Weißwangengänse, Löffler, Eisvögel und jede Menge Enten beobachten.
Dieser Turm an der Mündung der Lune in die Weser sieht zumindest von außen sehr vielversprechend aus. Man kann hier, unter anderem, Weißwangengänse, Löffler, Eisvögel und jede Menge Enten beobachten.
Blick durch die Luke einer Beobachungshütte an der Mündung des Flusses Isonozo in Italien. Man sieht direkt davor eine Gruppe von Krähenscharben im Wasser paddeln.
An der Isonozomündung in Italien bietet sich dieser beschauliche Anblick – direkt vor der Hütte paddeln die Krähenscharben um die Wette.
Ein Vogelschwarm zieht über das Neeracherried, eines der letzten Flachmoore der Schweiz. Dort befindet sich ein BirdLife-Zentrum.
Schönheit liegt in den Augen des Betrachters: Ein besonderer Blick auf das Neeracherried, eines der letzten Flachmoore der Schweiz, wo sich ein BirdLife-Zentrum befindet.
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Johanna Romberg

Johanna Romberg

Johanna Romberg war von 1987 bis 2019 Autorin und Redakteurin der Zeitschrift GEO. 2018 erschien ihr erstes Buch „Federnlesen – vom Glück, Vögel zu beobachten“ im Lübbe-Verlag. Soeben ist ihr zweites Buch erschienen, Titel: „Der Braune Bär fliegt erst nach Mitternacht. Unsere Naturschätze – wie wir sie entdecken und retten können“.


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