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Bei Anruf Entenrettung

Ob Sprung aus dem 18. Stock oder Brut im Blumentopf – André Hallau ist als Nothelfer gefragt

von
15.05.2018
10 Minuten
Eine Stockentenmutter läuft mit Küken über einen gepflasterten Gehweg

Alle Jahre wieder im Mai ist Schlupfzeit auch bei den Berliner Stockenten. Doch weil die Ufer der Gewässer und Seen in der Stadt so stark von Menschen bevölkert werden, weichen immer mehr Enten mit ihrem Gelege auf Balkone oder Gründächer in der Nähe aus. Dort lässt es sich zwar ruhig und sicher brüten – doch oft sitzen dann die Küken, die nach dem Schlupf von ihrer Mutter innerhalb von 48 Stunden zum Wasser geführt werden müssen, in der Falle.

Jedes Jahr im Mai verwandelt sich die Wildvogelstation des NABU im Berliner Stadtteil Marzahn daher in ein geschäftiges Call-Center. Denn dann rufen von überall her Menschen an, die wissen wollen, was sie mit ihrer Entenfamilie vor dem Fenster machen sollen. Und in vielen Fällen müssen der Biologe André Hallau und seine Mitarbeiter zu Entenrettungs-Noteinsätzen aufbrechen – im gesamten Stadtgebiet. „Im letzten Jahr haben wir in 60 Fahrten 440 Küken und ihre Mütter eingefangen und umgesetzt“, erzählt Hallau, der die Station leitet. Es hätten noch mehr sein können – doch für mehr Einsätze hatte die Station schlicht keine Kapazitäten mehr. Und das, obwohl schon jetzt ehrenamtliche Helfer dabei sind und das Rettungskommando auch an den Wochenenden unterwegs ist.

Nicht alle Küken überstehen einen Sprung aus dem 18. Stock

Fast immer ist es ein Wettrennen mit der Zeit. In der Natur brüten die Enten in der Regel nur wenige Meter vom Gewässer entfernt, doch in der Stadt sind es im Schnitt 700 Meter, in manchen Fällen sogar bis zu zwei Kilometer, die von der Entenmutter mit ihren Küken zu Fuß zurückgelegt werden müssen. In ihren ersten 24 Lebensstunden werden sie noch vom Eidotter ernährt – doch die gehen meist schon für den anstrengenden Schlupf drauf. Dann bleibt noch ein Tag für die Entenmutter, um mit ihren Küken das rettende Wasser zu erreichen. Gelingt das nicht rechtzeitig, verhungern die Kleinen.

Ein Biologe hält ein Enten-Ei in der Hand.
Der Biologe André Hallau ist im Entenretten geübt. Die Berliner Wildvogelstation kümmert sich aber auch um andere gefiederte Notfälle, etwa verletzte Mauersegler, Greifvögel und Eulen.

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Eine Stockentenmutter mit ihren Küken wird von Helfern in einem Gewässer freigelassen. Die Mutter steckt noch zur Hälfte in einem Jutebeutel, die Jungen schwimmen schon im Wasser.
Geschafft: Im letzten Jahr haben die Mitarbeiter der Wildvogelstation in 440 Küken und ihre Mütter eingefangen und umgesetzt.
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Christiane Habermalz

Christiane Habermalz

Christiane Habermalz ist Journalistin und beobachtet Vögel seit ihrer Kindheit. Sie arbeitet als Korrespondentin für Kultur- und Bildungspolitik im Hauptstadtstudio des Deutschlandfunks und schreibt als freie Wissenschaftsautorin über Vögel und Insekten, Natur- und Artenschutz. Im Mai 2020 erschien ihr Buch „Anstiftung zum gärtnerischen Ungehorsam – Bekenntnisse einer Guerillagärtnerin“ im Heyne-Verlag. @habermalz




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