1. RiffReporter /
  2. Umwelt /
  3. Damit kein Uhu mehr den Stromtod stirbt

Damit kein Uhu mehr den Stromtod stirbt

Immer noch kommen Eulen und andere Großvögel an ungesicherten Mittelspannungsmasten ums Leben. Naturschützer aus der Eifel wollen das jetzt ändern.

von
10.07.2019
11 Minuten
Ein Uhu nimmt seinen Beobachter ins Visier und drückt dabei ein Auge zu

Neulich hatte ich einen jungen Uhu auf dem Arm. Er war nicht viel älter als drei Wochen, hatte etwa die Größe eines Suppenhuhns und trug ein Kleid aus graubraunen Flaumfedern, so zart, dass ich das Gefühl hatte, mit den Fingern über warme Spinnweben zu streichen.

Das Uhu-Küken klappte ein paar Mal bedrohlich den Schnabel auf und zu, hielt aber sonst still, was ich beruhigend fand. Denn der Schnabel und die krummdolchförmigen Krallen sahen bereits stark genug aus, um im Ernstfall zentimetertiefe Löcher in meine Unterarme zu bohren.

Ich könnte jetzt mehrere Absätze lang davon schwärmen, was für faszinierende Vögel Uhus sind. Dass sie mit rund 70 Zentimetern Körpergröße (ausgewachsenes Weibchen) mächtig genug sind, einen Bussard oder Schwarzstorch zu erlegen – Jungfüchse, Hasen oder Igel sowieso. Dass ihre Augen hundertmal lichtempfindlicher sind als die anderer Vögel und selbst dort noch Umrisse erkennen, wo andere nur schwarz sehen; dass sie mit ihren superscharfen Ohren – die übrigens nicht in den Federbüscheln am Kopf sitzen, sondern oberhalb der Augen – das Trippeln einer Maus noch unter einer 30 Zentimeter hohen Schneedecke vernehmen können.

Die Eifel ist eine der Uhu-Hochburgen Deutschlands

Und dass ihre gewaltigen Flügel – bis zu 180 Zentimeter Spannweite! – sich dank raffiniert strukturierter Daunenfasern völlig lautlos bewegen.

Stefan Brücher von der „Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen“ hat einen jungen Uhu aus seinem Horst geholt, um ihn zu vermessen und zu beringen
Stefan Brücher von der „Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen“ hat einen jungen Uhu aus seinem Horst geholt, um ihn zu vermessen und zu beringen
Zwei Uhus sitzen in einer Felsnische.
Von seinem Horst in einer Felsnische blickt ein Uhupärchen wachsam auf seine Umgebung herab
Ein Steinkauz hockt zusammengekauert in einer künstlichen Niströhre, die Eulenschützer für ihn aufgehängt haben.
Steinkäuze lassen sich zum Brüten gern in künstlichen Niströhren nieder. Ihre Beute, vor allem Mäuse, finden sie auf beweideten Wiesen

Kostenfreier Newsletter: Die Flugbegleiter

Tragen Sie sich hier ein – dann bekommen Sie jeden Mittwoch die neuen Beiträge über Natur und Vogelwelt von den Flugbegleiter-Journalisten zugeschickt.

Ein mehrere Wochen altes Uhuküken döst am Fuß eines Baums. Uhus errichten ihre Horste auch an versteckten Stellen auf dem Waldboden
Ein mehrere Wochen altes Uhuküken döst am Fuß eines Baums. Uhus errichten ihre Horste auch an versteckten Stellen auf dem Waldboden
Der Eulenexperte Stefan Brücher hält ein totes Uhuweibchen in den Händen, das am 12. Mai 2019 gefunden wurde. Es starb durch Stromschlag an einem unzureichend gesicherten Mast des Netzbetreibers RWE.
Stefan Brücher mit einem Uhuweibchen, das am 12. Mai 2019 tot aufgefunden wurde – an einem unzureichend gesicherten Mast des Netzbetreibers RWE.
Ein ungesicherter Mittelspannungsmast: Wenn ein Vogel bei der Landung auf den Querbalken mit seinen ausgebreiteten Flügeln die Drähte berührt, erleidet er einen Stromschlag.
Ein ungesicherter Mittelspannungsmast: Wenn ein Vogel bei der Landung auf den Querbalken mit seinen ausgebreiteten Flügeln die Drähte berührt, erleidet er einen Stromschlag.
Dieser Mittelspannungsmast ist vorschriftsmäßig gesichert: Die stromführenden Leitungen sind im Bereich der Querbalken isoliert
Dieser Mittelspannungsmast ist vorschriftsmäßig gesichert: Die stromführenden Leitungen sind im Bereich der Querbalken isoliert
Fünf Weißstörche sitzen auf einem ungesicherten Abspannmast.
Passt bloß gut auf, wenn ihr losfliegt, Jungs! Mit diesem ungesicherten Abspannmast haben sich die fünf Weißstörche einen riskanten Ruheplatz ausgesucht
Ein Uhu startet zu seinem ersten Abflug in die freie Wildbahn, aus den Händen des Eulenexperten und -schützers Stefan Brücher. Der Vogel wurde als Küken verletzt entdeckt und in einem Gehege großgezogen
Stefan Brücher lässt einen Uhu frei, der als Küken verletzt aufgefunden und in einer Wildvogelstation aufgezogen wurde
Kaufen Sie diesen Artikel.
Johanna Romberg

Johanna Romberg

Johanna Romberg war von 1987 bis 2019 Autorin und Redakteurin der Zeitschrift GEO. 2018 erschien ihr erstes Buch „Federnlesen – vom Glück, Vögel zu beobachten“ im Lübbe-Verlag. Soeben ist ihr zweites Buch erschienen, Titel: „Der Braune Bär fliegt erst nach Mitternacht. Unsere Naturschätze – wie wir sie entdecken und retten können“.


Flugbegleiter – die Korrespondenten aus der Vogelwelt

Sie wollen guten Journalismus zu Ornithologie, Artenvielfalt, Naturschutz, Umweltpolitik? Herzlich willkommen bei den „Flugbegleitern“. Wir sind neun Journalistïnnen, die sich auskennen und für Sie recherchieren. Die UN-Dekade für Biologische Vielfalt hat uns dafür ausgezeichnet. Unsere Beiträge gibt es jeden Mittwoch im Einzelkauf, im Flugbegleiter-Abo und als Teil der RiffReporter-Flatrate. Und wir haben ein tolles Buch für Sie!

Verantwortlich im Sinne des Presserechts

Johanna Romberg

Ziegelweg 8
21376 Salzhausen

E-Mail: romberg.johanna@gmail.com

Weitere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

Faktencheck: Johanna Romberg
Redaktion: Johanna Romberg