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Seien Sie eine rote Socke

Innovationsvordenker Kim Svendsen über Innovation

von
06.01.2020
3 Minuten
Füße in roten Socken

Wie kamen Sie zum Innovationsthema?

Kim Svendsen: Viele Jahre lang dachten Medien, Journalismus sei ihr Daseinszweck, nicht Geldverdienen. Viele Manager heuter erinnern sich noch an diese Zeit. Ein solcher Pivot ist eine große Herausforderung. Ich komme von der Technologie- Seite. Ich habe Redaktionssysteme verkauft. Ob bei der South China Morning Post und der Chicago Tribune, ich machte die Erfahrung: ich muss nicht so sehr Software ans Laufen bringen. Ich muss den Journalisten erklären, was sie mit der Software tun können. Ihnen klar machen, dass sie einen Artikel nicht erst am Ende publizieren müssen. Meine Erfahrung zeigte, wie schwierig es ist Journalisten zu trainieren, etwas anders zu machen. Vor sieben Jahren begann ich Studenten zu fragen. Daraus entstand der Stibo-Accelerator.

Was ist die Rolle des Innovations-Accelerators?

Kim Svendsen: Wir stecken die großen Ziele. In unserem Accelerator ist es das einzige Ziel mit den roten Punkten zu spielen, der radikalen Innovation. Wir beschäftigen uns nicht mit den grünen Punkten. Als Google Glass 2014 auf den Markt kam, da kauften wir vier Stück. Das war ein roter Punkt für uns. Die Brille mag kein Erfolg gewesen sein. Aber als zwei Jahre später die Smartwatches herauskamen, da hatten wir viel gelernt über konsumierbaren Inhalt auf tragbaren Geräten.


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Wie arbeiten Sie?

Kim Svendsen: Grundlegend für uns ist das Modell der Drei-Farben der Innovation. Es gibt verschiedene Stufen der Innovation: Die sogenannte „Innovation Komfortzone”, der grüne Bereich, werden bestehende Dinge besser gemacht. Im gelben Bereich werden neue Dinge mit den bekannten Tools entwickelt. Radikale Innovation ist es, die “Was wäre wenn”-Fragen zu stellen. Dabei werden neue Dinge mit neuen Tools entwickelt. Wenn Sie nicht mit den roten Punkten experimentieren, werden Sie den Anschluss an langfristige Trends und spannende aufkommende Technologies verpassen. Also denken Sie daran, mindestens 10–15% rote Punkte in Ihrem Innovations-Portfolio zu haben. Medien konzentrieren sich zu oft auf die grünen und gelben Punkte.

Woher kommen die Projekte?

Kim Svendsen: Alle Projekte fangen mit einem Bedürfnis an. Damit die Studenten an einem realen Problem arbeiten, nicht an einer akademischen Fragestellung. Dadurch sind sie motiviert. Die Studenten dürfen sich frei entscheiden, ob sie einen Design-Sprint machen oder eine andere Metho-de wählen. Menschen sind wichtiger als der Prozess.

Was ist ihre Rolle dabei?

Kim Svendsen: Wir schubsen die Teams immer weiter aus ihrer Komfortzone. Das ist meine Aufgabe. Ich kann fragen stellen, auf die ich keine Antworten kenne. Medienunternehmen müssen akzeptieren, dass sie auf vieles keine Antworten haben. Das ist für Journalisten schwierig.

Ist jede Innovation eine gute?

Kim Svendsen: Manchmal lautet die Antwort: Nein. Wir hatten gerade eine Gruppe, die wollte alle Wände eines Raumes projizieren. Sodass man sich wie in einem Flüchtlingslager fühlt. Es stellte sich heraus, dass das. nur für eine Person gleichzeitig funktioniert. Da muss man sagen: Wir haben viel gelernt, das wars.

Und wie kommen diese verrückten Ideen in Unternehmen?

Kim Svendsen: Ich sage immer: Wir wollen der rote Socken in der weißen Wäsche sein. Es muss nicht alles dunkelrot sein. Das würde sich nicht verkaufen. Aber eine rote Färbung kann nicht schaden. Weiße Socken verkaufen sich immer schlechter.

Was kann man tun, um Innovation voranzutreiben?

Kim Svendsen: Sie können viel tun ohne große Ressourcen. Nicht jeder braucht gleich einen Accelerator wie Axel Springer. Holen Sie sich Studenten oder Start-ups ins Haus. Das billigste, was Sie tun können, ist das Drei-Farben-Modell nehmen und an die Wand hängen. Jeder Mitarbeiter soll Ihnen dann sagen, welche grünen, gelben und roten Projekte er macht.

KIM SVENDSEN

Svendsen leitet den Stibo Accelerator, eine dänische Initiative, um Studenten in Medien, Einzelhandel und Industrie an Innovationen arbeiten zu lassen. Davor war er über zehn Jahre lang im Marketing-Bereich der Medien-Industrie unterwegs. Mehr zum Thema Innovation steht in der MEDIUM-MAGAZIN-Werkstatt „Ideen-Sprint“ von Astrid Csuraji und Jakob Vicari.

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Dr. Jakob Vicari

Dr. Jakob Vicari

Jakob Vicari ist Wissenschaftsjournalist und Lead Creative Technologist bei tactile.news. Sein Arbeitsschwerpunkt liegt im Journalismus der Dinge: Für den WDR produzierte er das Sensorjournalismus-Projekt Superkühe. Er hat die Nachrichtentasse Newsmug erfunden und den Storytrolley, einen vernetzten Einkaufswagen für Verbraucherjournalismus vor dem Kühlregal. Mit Unterstützung von Google Digital News Initiative hat er den Prototypen eines smarten Nachrichtenmöbels gebaut. Mit dem Start-up tactile.news entwickelt er journalistische Formate im Internet der Dinge. Das WDR-Projekt #bienenlive wurde mit dem Deutschen Reporterpreis 2019 ausgezeichnet. (Foto: Heinrich Holtgreve, Styling Ines Könitz)


Jakob Vicaris Journalismus der Dinge

Wir leben in einer Welt der vernetzten Dinge. Was heißt das für den Journalismus? In meiner Riff-Reporter-Koralle mache ich mich auf die Suche nach neuen Geschichten, Strategien und Prototypen für den Journalismus von Morgen. Als erster Aussichtspunkt in diese Zukunft hat sich hier die Koralle für den “Journalismus der Dinge” (Journalism of things, JoT) festgesetzt. Schön, dass Sie da sind!

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