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Die doppelte Diskriminierung schwarzer Tunesierinnen

von
20.03.2020
5 Minuten
Fotocollage zweier Frauen im Porträt

Eine neue Bewegung macht in Tunesien auf die rassistische und sexistische Diskriminierung schwarzer Frauen aufmerksam. Sie fordert mehr Sichtbarkeit im öffentlichen Raum und die Dekolonialisierung des tunesischen Feminismus.

„Wenn ich auf der Straße laufe, dann höre ich jeden Tag: ‚Eine Schwarze reinigt das Blut‘, erzählt Khawla Ksiksi. „Denn manche Tunesier glauben, „dass das Blut gereinigt wird und man Krankheiten loswird, wenn man mit einer schwarzen Frau schläft.“ Ein alter tunesischer Mythos, dessen Ursprung unklar ist, der der 28-Jährigen aber täglich zu schaffen macht.

„Die Vorstellung, dass schwarze Frauen leicht zu haben sind, ist weit verbreitet. Wir werden immer als hypersexualisierte Personen wahrgenommen.“ Auch nicht-schwarze Tunesierinnen klagen regelmäßig über sexuelle Belästigung im öffentlichen Raum, doch die Juristin Ksiksi meint, „dass wir wahrscheinlich dreimal so oft belästigt werden.“

Zusammen mit sechs anderen Mitstreiterinnen hat sie die Bewegung „Stimme schwarzer tunesischer Frauen“ gegründet. Khawla Ksiksi, die in Tunis bei der Rosa-Luxemburg-Stiftung arbeitet, lebt als einzige der Gründerinnen noch in Tunesien. Houda Mzioudet, Journalistin und Forscherin, lebt inzwischen in Kanada. Auch sie berichtet, dass die Diskriminierung, der sie aufgrund ihrer Hautfarbe in Tunesien ausgesetzt war, oft eine sexuelle Komponente hatte und sie als Objekt wahrgenommen wurde.

Ein Grund, das Land zu verlassen

„Dies ist einer der wesentlichen Gründe dafür, dass ich das Land verlassen habe. Die Diskriminierung führt dazu, dass die ‘weiße’ Mehrheit wenig von schwarzen Frauen hält und diese nicht für würdig hält, in typischerweise Weißen vorbehaltenen Bereichen wie Journalismus, Politik und akademischer Forschung tätig zu sein.“

Im tunesischen Parlament gibt es eine einzige schwarze Abgeordnete unter den 217 Volksvertreterïnnen, Djamila Debbech Ksiksi, Mitglied der muslimisch-konservativen Ennahdha-Partei und Mutter von Khawla Ksiksi. Politisch sind sich Mutter und Tochter oft uneinig, doch der Kampf gegen Rassismus vereint sie. Im Dezember wurde die Abgeordnete nach einer Auseinandersetzung mit einer Politikerin einer anderen Fraktion in sozialen Netzwerken massiv rassistisch beschimpft, in der Folge traf es dann auch ihre Tochter.

Wenig Verständnis bei anderen Frauen

Auszug aus dem Dekret zur Abschaffung der Sklaverei
Bereits 1846 wurde in Tunesien mit einem Dekret des Monarchen die Sklaverei abgeschafft

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Sarah Mersch

Sarah Mersch

Sarah Mersch berichtet als freie Korrespondentin aus Tunesien. Sie ist Mitglied von Weltreporter.net.


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