Plünderungen in Südafrika: Von Zuma-Protesten zur Anarchie

Nach der Inhaftierung von Jacob Zuma versinkt Südafrika in Chaos. Dabei geht es jedoch weniger um den Ex-Präsidenten, als die aufgestaute Wut der Bevölkerung, die sich in Gewalt entlädt.

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Es ist dunkel, rennende Männer während der Ausschreitungen auf der Straße zu sehen, die Polizei setzt Tränengas ein.

Seit Donnerstag kommt Südafrika nicht zur Ruhe: Was mit politischen Protesten gegen die Inhaftierung von Ex-Präsident Zuma begonnen hat, ist bald in Chaos und Anarchie ausgeufert. In Kwazulu-Natal, der Heimatprovinz Zumas, und Gauteng, dem wirtschaftlichen Zentrum des Landes, werden in großem Stil Läden geplündert, Hauptverkehrsadernmit brennenden LKW und Steinen blockiert, selbst Arztpraxen werden angegriffen und Impfzentren mitten in der verheerenden dritten Corona-Welle aus Sicherheitsgründen geschlossen.

Etliche, offenbar gezielte, Falschmeldungen, die in sozialen Medien kursieren, tragen zu Panik in der Bevölkerung und zu weiteren Ausschreitungen bei. In einer dieser Botschaften hieß es etwa, die Plünderer hätten Krankenwagen gekapert, um ihr Diebesgut zu transportieren. Fahrer von Krankenwagen berichteten daraufhin, dass auf sie mehrfach angehalten und durchsucht wurden, schlimmer noch, dass sie mit Steinen beworfen worden sei. Und das mit Patienten in kritischem Zustand an Bord.

Plünderungen zerstören Existenzen und Arbeitsplätze

Die Polizei ist vielerorts machtlos und in der Unterzahl, die Plünderungen gehen teils direkt vor ihren Augen und laufenden Fernsehkameras weiter, so als würde es sich um normale Einkäufe handeln. Lebensmittel, Kleidung, Elektronikartikel werden in großem Stil aus den Läden geschleppt, sogar Baumärkte und landwirtschaftliche Betriebe werden überfallen. Mehrere Einkaufszentren und Fabriken wurden in Brand gesteckt.

Es gibt Tote und Verletzte, der Sachschaden liegt schon jetzt in mehrstelliger Millionenhöhe. Viele Geschäftsinhaber, die ohnehin unter Corona-Krise und Lockdown ächzen, können diese Schäden nicht verkraften. Existenzen sind zerstört worden, noch mehr Arbeitsplätze sind verloren gegangen. Und das inmitten einer schweren Wirtschaftskrise, einer Arbeitslosenquote von über 30 Prozent und einer weitgehenden Perspektivlosigkeit der Jugend.

Nun drohen Lieferengpässe. Schon jetzt gibt es Anzeichen für erste panische Hamsterkäufe, vor noch intakten Geschäften und Tankstellen haben sich teils lange Warteschlangen gebildet.

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