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Sandabbau in Nigeria: Die Konsequenzen sind gravierend

In Nigeria hat der Kampf um den begehrten Rohstoff außerdem zu einem Sicherheitsproblem geführt: Kriminelle Banden streiten um das, was Sie für das alltäglichste Material der Welt halten mögen.

10 Minuten
Ein Sandbagger schöpft Sand aus einem Fluss in Lagos Island im Südwesten Nigerias; Lagos ist der bevölkerungsreichste Bundesstaat des Landes

Sie glauben, Gold oder Diamanten seien die begehrtesten Rohstoffe der Erde? Vergessen Sie das! Sand ist der Rohstoff, der am häufigsten abgebaut wird. Gleichzeitig ist das Abtragen von Sand eine der am wenigsten regulierten Bergbauaktivitäten. Das illegale Gewinnen der kleinen Körnchen ist zu einem globalen Problem geworden: In über 70 Ländern werden Flüsse ausgebeutet. Die übermäßigen und oft illegalen Aktivitäten schädigen die Umwelt. In Ländern wie Nigeria hat der Kampf um den begehrten Rohstoff außerdem zu einem Sicherheitsproblem geführt: Kriminelle Banden streiten um das, was Sie für das alltäglichste Material der Welt halten mögen.

Nigeria ist ein gutes Beispiel für die globale Situation: Offiziellen Lizenzlisten zufolge gibt es in Nigeria etwa 160 aktive Sandminenbetreiber, von denen 64 Prozent Kleinbetriebe sind. Ein zweiter Blick auf die Daten lässt bereits das Ausmaß des Problems ahnen: Jährliche Statistiken zeigen, dass aus den Bundesstaaten mit den wenigsten Lizenzen der meiste Sand stammt. Ob mit oder ohne Lizenz, die Satellitenbilder machen deutlich, wovor Forscher in Nigeria warnen: Sandabbau ist wahllos, zerstört die Vegetation, stört den Wasserhaushalt und schürt Konflikte.

Weltweit werden jährlich mindestens 50 Milliarden Tonnen Sand aus Flüssen, von Stränden, aus Steinbrüchen und der Meeresumwelt entnommen und zu Beton für Gebäude, Asphalt für Straßen, zu elektronischen Gegenständen wie Smartphones oder Computern und zu Glas verarbeitet. Die Glasbehälter können alles mögliche enthalten, von Champagner bis hin zu winzigen Mengen von COVID-19-Impfstoffen.

Ein GIF-Bild, das zeigt, dass auf die nigerianischen Bundesstaaten Lagos, Kano und Kaduna 60 Prozent aller Sandabbaulizenzen im Land entfallen
Daten des Ministeriums für Bergbau und Stahlentwicklung über die Anzahl der Betreiber, die in Nigeria Sand abbauen
Grafik der 10 wichtigsten nigerianischen Bundesstaaten – Sandlizenzen und abgebauter Sand nach Volumen. 
Nigerias Top-10 Bundestaaten – Sandlizenzen gegen abgebauter Sand nach Volume.  
Links: Aus den Daten des Bergbauministeriums geht hervor, dass Nigeria über einige wenige Bergbaulizenzen verfügt, aber rechts zeigen die Daten des nigerianischen Statistikamtes, dass die Menge des abgebauten Sandes in Millionen Tonnen angegeben wird, und zwar von Staaten ohne Lizenzen.
Daten des Bergbauministeriums und des nigerianischen Statistikamtes

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Ruona Meyer

Ruona Meyer

Reporterin schreibt über Westafrika


Afrika-Reporter

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