Kenia: Die Bevölkerung leidet unter einer Dürre, die Regierung bleibt gelassen

Hunderttausende Menschen sind akut von Hunger bedroht, die Hilfslieferungen reichen nicht aus.

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Eine Frau in traditioneller Turkana-Kleidung steht in einer weiten Landschaft vor vielen Ziegenfellen. Eins ist zum Trockenen aufgespannt.

In Kenia haben 3,5 Millionen Menschen nicht genug zu essen, 750.000 sind akut von Hunger bedroht. Der Norden des Landes ist von der Dürre besonders betroffen.

Vor wenigen Tagen bin ich aus dem Norden Kenias zurückgekommen, dort sind die Folgen einer schweren Dürre besonders deutlich zu spüren. Ich war in der Region Turkana, dort leben vor allem halbnomadische Viehzüchter. Landwirtschaft ist in der trockenen Region auch außerhalb einer Dürreperiode nur sehr eingeschränkt möglich. In einem der Dörfer kam mir eine Frau entgegen, die auf dem Kopf ein großes, ovales Objekt balancierte. In der rechten Hand trug sie einen leeren Wasserkanister. Die Frau – sie hieß Napetet Lodchodo Lojere – war aufgewühlt und verzweifelt. „Ich hatte drei kräftige Esel, aber ich habe alle verloren“, brachte sie hervor. Deshalb trug sie nun selbst die hölzerne Packtasche auf dem Kopf. Ihr letzter Esel sei am Morgen gestorben, verhungert nach Monaten der Dürre, erzählte die hagere, schon etwas ältere Frau. Vorher seien bereits ihre zehn Milchkühe und rund 100 Ziegen verendet. Fünf Kälber und zehn Zicklein habe sie noch, sagte sie, „aber die geben keine Milch, von ihnen kann ich nicht leben“. Ohnehin sei deren Überlebenschance gering.

Eine sehr alte Frau rastet, sie sitzt auf dem nackten Boden. Die Landschaft ist sehr trocken.
Napetet Lodchodo Lojore hat wegen der Dürre ihr gesamtes Vieh verloren. Nun muss sie auch das ovale Packgestell ihres Esels selbst tragen.
Ein Mann hinter dem Schreibtisch, auf einer Holzbank sitzt ein sehr alter, sehr dünner Mann, der offensichtlich zu den Hilfsbedürftigen gehört.
Ngichwae Jones registriert die Namen der besonders Hilfsbedürftigen.
Eine Frau mit sehr viel Perlenschmuck um den Hals steht vor dem leeren Ziegengehege, das aus Ästen gebaut wurde. In den Armen hält sie zwei Zicklein.
Adung Longolan Ikoel mit ihren zwei letzten Zicklein.
Ein kleiner Junge guckt einen Mann an, der vor ihm hockt. Hinter ihm steht eine Frau, seine Mutter. Sie hält einen Beutel, in den der Mann Pakete mit Zusatznahrung getan hat.
Der kleine Lopeto Ebenyo bekommt die sehr kalorienreiche Zusatznahrung Plumpy-Nut.
Im Vordergrund eine Frau mit ihrem kleinen Sohn. Der Junge saugt an einer Tüte mit Zusatznahrung. Im Hintergrund ein Baum, in dessen Schatten Menschen behandelt werden. Schwere Wolken hängen am Himmel.
Lopeto Ebenyo und seine Mutter Emunia Emariau machen sich auf den Heimweg, nachdem sie in der mobilen Klinik therapeutische Zusatznahrung bekommen haben.

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Bettina Rühl

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