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Mali: UN-Mission Impossible?

Das Parlament hat das Mandat für den Bundeswehreinsatz verlängert

21.05.2021
10 Minuten
Man sieht einen Pickup mit aufmontiertem Geschütz, auf den Bänken darum herum sitzen Blauhelm-Soldaten. Die Luft ist staubig, die Erde trocken. Im Hintergrund ist ein Flughafen zu sehen, eine Maschine zu einem guten Teil hinter dem Flughafengebäude verborgen.

Das westafrikanische Mali ist inzwischen das wichtigste Einsatzland der Bundeswehr und hat damit Afghanistan abgelöst. Von dort werden die Truppen bis September zurückgeholt. In Mali beteiligen sich deutsche Soldatïnnen an der UN-Stabilisierungsmission MINUSMA („Multidimensional Integrated Stabilization Mission in Mali“). Sie gilt als der gefährlichste UN-Einsatz weltweit. Seit dem Beginn im Jahr 2013 kamen fast 250 Soldatïnnen und Mitarbeiterïnnen der Militärmission ums Leben.

Deutsche Soldatïnnen sind außerdem im Rahmen der militärischen Ausbildungs-und Trainingsmission der Europäischen Union EUTM im Einsatz. Anfang Mai brachte das Bundeskabinett eine Verlängerung der beiden Mandate auf den Weg, die der Bundestag mittlerweile bewilligt hat.

Warum sind die Einsätze nötig? Und haben sie bereits etwas verändert? Fragen und Antworten zu den Bundeswehreinsätzen in Mali.

Welche Aufgaben hat die UN-Mission?

Die UN-Mission hat eine militärische und eine zivile Komponente. Sie soll dabei helfen, die Staatlichkeit in Mali nach einem Putsch von 2012 wieder herzustellen, das Land zu stabilisieren und ein innermalisches Friedensabkommen von 2015 umzusetzen. Für die UN sind in Mali rund 12.000 Soldatïnnen und 1.500 Polizistïnnen im Einsatz. Das militärische Hauptquartier der UN-Mission befindet sich in Gao im Norden des Landes. Dort ist auch das deutsche Kontingent stationiert. Inzwischen erstreckt sich das Mandat, das anfangs auf den Norden beschränkt war, auch auf das Zentrum des Landes.

In der Abenddämmerung sind die Umrisse eines Panzers und von Soldaten zu sehen, die am neben einem Zaun – dem Umgrenzungszaun des Feldlagers – auf Ausguck sind.
Deutsche Soldaten auf dem Ausguck im deutsch-niederländischen Feldlager in Gao namens „Camp Castor“
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Die MINUSMA löste im Sommer 2013 eine bis dahin afrikanisch geführte Stabilisierungsmission namens AFISMA ab. Dem war im März 2012 ein Militärputsch vorausgegangen. Mehrere bewaffnete Gruppen nutzten das Machtvakuum und eroberten den Norden des Landes, darunter auch islamistische Milizen. Die ehemalige Kolonialmacht Frankreich griff ein, zusammen mit afrikanischen Truppen. Sie konnten zwar die Gebietshoheit der bewaffneten Gruppen teilweise brechen, aber die Islamistischen Gruppen blieben stark, verüben weiterhin regelmäßig Anschläge. Seit Anfang 2012 befindet sich Mali fast durchgehend in der politischen Krise.

Welche Aufgaben haben die deutschen Truppen innerhalb der MINSUMA?

Das deutsche Kontingent hat mehrere Aufgaben, Kampfeinsätze gehören nicht dazu: Die deutschen Soldatïnnen sollen vor allem aufklären, auch mit Hilfe unbewaffneter Drohnen. Hinzu kommen Versorgungs- und Sanitätskräfte sowie Fernmelder. Der Deutsche Bundestag hat für die Beteiligung der Bundeswehr eine Obergrenze von 1.100 Soldatinnen und Soldaten festgelegt. Das Mandat erlaubt auch den Einsatz von Waffen.

Ein deutscher Soldat in Habachtstellung vor einem Panzer, das Gewehr griffbereit vor der Körper. Er steht an der Zufahrt zum deutsch-niederländischen Feldlager in Gao, dem so genannten Camp Castor.
Ein deutscher Soldat wacht vor der Zufahrt zum deutsch-niederländischen Feldlager im nordmalischen Gao.
Man guckt einem französischen Soldaten praktisch über die Schulter, er selbst steht im Ausguck eines Panzers, am Geschütz. Das Geschütz ist auf dem Bild nach rechts gerichtet, dort sind auch Zivilisten zu sehen.
Eine Patrouille der französischen Militärmission Barkhane im nordmalischen Gao.
Malische Soldaten knien hintereinander in einer Reihe, die Gewehre im Anschlag. Sie üben den Häuserkampf.
Malische Soldaten bei einer Übung der europäischen Ausbildungsmission EUTM
Man sieht ein Mädchen, die 12-jährige Fatima ist 12 Jahre alt. Ihr Arm ist bandagiert und in einer Schlaufe. Sie hat ein Massaker an Falbe-Bewohnern des Dorfes Ogossagou im Zentrum von Mali überlebt.
Die 12-jährige Fatima hat ein Massaker an den Falbe-Bewohnern im Dorf Ogossagou überlebt.
Ein Mann hockt auf dem Boden, zeigt seine Arme. Sie sind voller Brandnarben.
Ein Angehöriger der Fulbe zeigt die Brandnarben auf seinen Armen. Ihm zufolge haben sie ihm Soldaten der maischen Armee zugefügt.

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Kühe und Schafe sind auf einem Viehmarkt in Mali. Die Schafe liegen unter einer Überdachung aus Stroh und Ästen.
Auf dem Viehmarkt von Bamako hausen jetzt ein paar Dutzend Vertriebene.
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Bettina Rühl

Bettina Rühl

Bettina Rühl lebt seit 2011 als freie Korrespondentin in Nairobi. Ihre Radio-Dokumentationen und Features wurden mehrfach ausgezeichnet, unter anderem 2020 mit dem deutschen Bundesverdienstkreuz. Sie ist Vorsitzende des Korrespondentennetzwerkes weltreporter.net.


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