Auslandseinsatz der Bundeswehr in Mali: Sind deutsche Soldatïnnen noch erwünscht?

Seit 2013 beteiligt sich die Bundeswehr an einer UN-Mission in Mali. Seit einigen Monaten ist auch Russland im Land, der Einsatz wird schwieriger.

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Ein Panzer in militärischen Farben mit der Aufschrift „UN“, darauf zwei deutsche Soldaten, von hinten zu sehen, auf Ausguck.

Mitte August haben die letzten französischen Soldaten Mali verlassen, rund neun Jahre hatte der Militäreinsatz gedauert, zeitweise waren bis zu 4500 französische Soldaten in Mali stationiert. Seit den beiden Militärputschen im August 2020 und im Mai 2021 hat sich das Verhältnis zwischen der ehemaligen Kolonialmacht Frankreich und der Übergangsregierung in Mali zunehmend verschlechtert, zuletzt war es zerrüttet. Das gab auch der in Deutschland ohnehin schon lebhaften Debatte über den Einsatz in dem westafrikanischen Land weitere Nahrung. Mali ist seit dem Abzug aus Afghanistan mit inzwischen bis zu 1400 Soldatinnen und Soldaten der größte – und gefährlichste – Auslandseinsatz der Bundeswehr. Sie beteiligt sich an der UN-Stabilisierungsmission Minusma – anders als die Franzosen, die seit 2013 im Rahmen einer eigenen Militärmission aktiv waren. Sie hieß zuerst „Serval“, dann „Barkhane“ und wurde am Ende durch die multinationale Mission „Takuba“, die aus EU-Spezialkräften besteht, ergänzt.

Schon kurz vor dem „Umzug“ der französischen Truppen in das benachbarte Niger setzte Verteidigungsministerin Lambrecht den Bundeswehr-Einsatz in Mali vorübergehend aus: Unter den gegenwärtigen Umständen könne er nicht sinnvoll fortgeführt werden. Außenministerin Baerbock hat eine etwas andere Einschätzung, sie findet die Beteiligung an der UN-Mission weiter sinnvoll und würde sie gerne fortführen.

CDU und CSU fordern nun Klarheit darüber, ob der Einsatz der Bundeswehr im westafrikanischen Mali fortgesetzt werden kann. Dazu sollen der Verteidigungs- und der Auswärtige Ausschuss noch in der Sommerpause zusammenkommen. Ist der Einsatz noch sinnvoll? Wie hat sich die Situation seit der Ankunft russischer Kräfte in Mali entwickelt? Was möchte die Bevölkerung? Antworten auf einige der wichtigsten Fragen.

Ein wichtiges Argument gegen die Fortsetzung des Bundeswehreinsatzes ist das neue Bündnis zwischen Mali und Russland. Es gibt etlicheHinweise darauf, dass auch Söldner der Wagner-Gruppe im Land sind. Hat die Präsenz russischer Kräfte nach dem Abzug der Franzosen zugenommen?

Wie viele russische Kräfte – Soldaten und/ oder Söldner – im Land sind, ist weiterhin unklar. Kurz nach dem Abzug der Franzosen berichteten unter anderem der Spiegel und Zeit online, dass deutsche und britische Soldatïnnen russische Militärs am Flughafen von Gao gesehen hätten. Die Medien beriefen sich auf ein Schreiben des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr. Die Meldung erregte Aufsehen, weil der Flughafen in Gao für die UN-Mission und damit auch für die deutschen Soldatïnnen von zentraler Bedeutung ist: In unmittelbarer Nähe des Flughafens befindet sich auch das deutsch-niederländische Feldlager „Castor“ und direkt nebenan das Feldlager der übrigen, überwiegend aus afrikanischen Ländern stammenden UN-Kontingente. Der reibungslose und unter Umständen schnelle Zugang zum Flughafen ist unter anderem für die Evakuierung von Verwundeten wichtig.

Das Bundesverteidigungsministerium hat laut Recherchen des Spiegel nach Angaben einer Sprecherin „Kenntnis“ davon, dass am Montag auf dem Flughafen Gao ein Flugzeug im Einsatz war, das möglicherweise von Russland an Mali übergeben wurde. „Uns erreichen Informationen, dass circa 20 bis 30 Personen, die nicht den malischen Streitkräften zuzuordnen waren, bei Be- und Entladetätigkeiten an diesem Flugzeug in einem Hangar gesichtet wurden“, sagte sie dem Spiegel. Diese Meldungen würden nun „intensiv geprüft“. Ein Sprecher des Auswärtigen Amts sprach demnach am folgenden Tag in Berlin von einer „mutmaßlichen Präsenz russischer uniformierter Kräfte“ in Gao. Das sei eine Entwicklung, „die das Missionsumfeld verändert“.

Dafür spräche: Auch anderswo, beispielsweise in der Stadt Timbuktu im Norden, übernahmen russische Kräfte das von Frankreich geräumte Feldlager. Laut Al Jazeera begannen russische Soldaten dort mit dem Training malischer Soldatïnnen.

Was die mutmaßliche Präsenz von Söldnern der Wagner-Truppe angeht, ist die Lage noch etwas diffuser. Offiziell gibt es das kremlnahe Militärunternehmen nicht, die Kämpfer tragen auch deshalb keine Uniformen, allerdings am Oberarm ein Totenkopf-Abzeichen. Überlebende von Massakern erzählten in den vergangenen Monaten wiederholt von der Anwesenheit „weißer Bewaffneter, die keine Franzosen waren“, ohne sie aber konkret als Wagner-Kräfte zu benennen.

Im Hintergrund der Flughafen, ein vergleichsweise kleines Gebäude. Davor ein weißer Pickup in Fahrt, auf der Ladefläche ein aufmontiertes Geschütz.
Ein Fahrzeug der UN-Mission Minusma vor dem Flughafen von Gao.

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Bettina Rühl


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