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Korruption während der Corona-Pandemie

Gebrochene Versprechen und ihre Folgen in Tunesien, Kenia und Südafrika

von
23.04.2021
12 Minuten
Im Vordergrund steht Salat Hamud, in einem roten T-Shirt und mit einer Mütze. Im Hintergrund sieht man mehrstöckige Häuser mit viel Wäsche zum Trocknen, und im Mittelgrund ein kleines Mädchen, das Wasser schleppt.

Die Corona-Pandemie wird von einer zweiten begleitet: Der Pandemie der Korruption. In vielen Ländern der Welt kam es beispielsweise bei der Beschaffung medizinischer Schutzkleidung zu Vetternwirtschaft. Der Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation Tedros Adhanom Ghebreyesus fand dafür deutliche Worte: „Jede Form von Korruption ist inakzeptabel. Aber Korruption, die sich auf medizinische Schutzkleidung (PPE) bezieht ist aus meiner Sicht Mord.“

Über das Ausmaß der Korruption, die Hintergründe und Konsequenzen in drei afrikanischen Ländern, Tunesien, Kenia und Südafrika, berichten Sarah Mersch, Bettina Rühl und Leonie March.

April 2020. Salat Hamud macht seinen Rundgang durch Mathare, einen der Slums in der kenianischen Hauptstadt Nairobi. Die schmalen Wege zwischen den Wellblechhütten sind matschig, aufgeweicht vom letzten Regen und Abwasser. Müll mischt sich mit der Flüssigkeit. Der 46-Jährige lebt vom Verkauf gebrauchter Kleidung. Das reicht auch in guten Zeiten nur so gerade zum Leben.

Seit etwa einem Monat ist es noch knapper: Mitte März 2020 wurde in Kenia die erste Infektion mit dem neuartigen Corona-Virus bekannt. Fast über Nacht verordnete die Regierung einen strikten Lockdown: Schulen, Universitäten, Restaurants und Geschäfte wurden geschlossen, die Unternehmen angehalten, ihre Angestellten ins Homeoffice zu schicken.

Einige Leute sind aus dem Slum aufs Land geflohen“, erzählt Salat. „Die Menschen haben Angst. Auch vor der gebrauchten Kleidung. Sie sagen, dass die Sachen voller Viren seien.“ Salat verdient jetzt nur noch höchstens zwei Euro am Tag. Nicht genug für die neunköpfige Familie, außer seinen Kindern und seiner Frau wohnen bei ihm seine drei Schwestern und seine Mutter. Sie überleben dank der Unterstützung durch Freunde, die ihnen manchmal Lebensmittel schenken.

Mobile Unterstützungszahlungen in Kenia?

Im April 2020 schöpft Salat etwas Hoffnung: Die kenianische Regierung kündigt an, sie wolle die bedürftigsten Haushalte durch mobilen Geldtransfer unterstützen. Für das Programm stehen nach Regierungsangaben umgerechnet rund 80 Millionen Euro bereit, für mehr als eine Millionen Empfänger.

Ob Salats Not groß genug ist, um es auf die Liste zu schaffen, erfährt er nicht. Auch andere Bewohner der Gegend sagen auf Nachfrage, die Kriterien seien ihnen nicht bekannt. Wochen später gelingt es noch immer nicht, durch Herumfragen einen Empfänger der mobilen Unterstützungszahlung zu finden.

Kleine Häuser auf den Hügeln eines Townships bei Durban
In Vierteln wie KwaMashu kommen Hilfen nicht an
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Südafrika: Anstehen für 20 Euro – und leer ausgehen

Auch in Südafrika unterstützt die Regierung Bürgerïnnen und Unternehmen, die durch die Corona-Pandemie und nach Monaten des harten Lockdowns um ihre Existenz fürchten. Jedenfalls auf dem Papier. In der Realität sind erhebliche Summen nie angekommen.

Thobile Mbokazi, die in der Nähe von Durban tageweise als Putzfrau arbeitet, ist als eine von über 18 Millionen Empfängerïnnen des Covid-19 Social Relief Grant anerkannt, einer staatlichen Sonder-Sozialleistung während der Pandemie.

Mehrmals stand sie stundenlang in der Schlange vor dem Postamt, wo die monatliche Zahlung von 350 Rand, umgerechnet rund 20 Euro, ausgezahlt werden sollte. Eine SMS bestätigte ihren Anspruch. Doch endlich am Schalter angekommen, hieß es, das Geld sei bereits ausgezahlt worden. Es ist einer von vielen ähnlichen Fällen.

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Porträtfoto von David Lewis, Corruption Watch
David Lewis
Ein Strassenhändler hält eine Flasche Desinfektionsmittel in ein offenes Autofenster
Kenianischer Strassenhändler mit Desinfektionsmittel
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Leonie March

Leonie March

Leonie March lebt und arbeitet seit 2009 als freie Auslandskorrespondentin in Südafrika.


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