Kalifornien: Rekord-Regen stoppt weder Dürre noch Waldbrände

Zwischen Weihnachten und Neujahr hat es in Kalifornien mehr geregnet als im ganzen Jahr davor. Die Regierung erlässt trotzdem neue Vorschriften zum Wassersparen.

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Bach fliesst zwischen Bäumen mit etwas Herbstlaub, im Hintergrund die Santa Monica Mountains im Sonnenlicht

Bei meiner ersten Wanderung in den Bergen von Santa Monica im neuen Jahr hörte ich ein Geräusch, das ich dort seit Ewigkeiten nicht mehr vernommen hatte: das kräftige Rauschen von Wasser über Felsen und Steine – ein voller Bach. In meine Nase stieg ein Duft, der mich an Spaziergänge in meiner Heimat, dem Schwarzwald, erinnerte – feuchte Erde gemischt mit nassem Laub. Die Luft war für den Süden Kaliforniens ungewöhnlich kühl und frisch. Das Erlebnis war allerdings nicht ganz ungetrübt: verkohlte Baumstämme am Wegesrand erinnerten mich an die zerstörerischen Waldbrände vergangener Jahre und daran, dass diese Landschaft sonst oft Szenen gleicht, die Alexandra Kleeman in meiner Weihnachtslektüre als Dauerzustand beschreibt, in ihrem neuen dystopischen Bestseller Something New Under The Sun: ausgetrocknete Flussbetten, verdorrte Büsche und brennende Hügel.

Doch derzeit ist alles so wunderbar anders. Über Weihnachten und Neujahr gab es im Süden Kaliforniens mehr Regen und Schnee als in den gesamten zwölf Monaten davor. In Los Angeles wurden am 30. Dezember knapp sechs Zentimeter Niederschlag gemessen. In Deutschland wäre das nicht wirklich eine Nachricht wert. In der Metropole brach der Regen einen 85 Jahre alten Rekord. Das erste Messen der Schneedecke in der Sierra Nevada stimmte auch optimistisch: Sie ist 160 % höher als der Durchschnittswert. Bis kurz vor Weihnachten lag auf der Bergkette in diesem Winter noch gar kein Schnee! Die Schneeschmelze war im vergangenen Jahr so gering, dass manche Flüsse nur als warme Rinnsale Richtung Pazifik flossen. Junge Lachse wurden aus dem Inland in Wassercontainern zum Meer gebracht, damit sie auf dem Weg nicht bei lebendigem Leib verkochten.

Luftbild von einem See in Kalifornien mit breitem hellen Rand am Ufer rundherum. Der zeigt den normalen Wasserstand an und damit, wie wenig es in den letzten Jahren geregnet hat.
Ein See im Norden von Kalifornien, aus dem Flugzeug fotografiert. Der weiße Rand zeigt, wie hoch der Wasserstand vor der Dürre war.

Damit wird dieses Jahr doch sicherlich ein Ende sein, dachte ich mir am rauschenden Bach beim Auffüllen der Wasserflasche für meinen Hund. Mein Optimismus bekam dann allerdings beim Aufstieg einen heftigen Knacks. Die Aussicht vom Bergkamm über den Pazifik war zwar traumhaft, als wir uns aber zu einem Picknick hinsetzten, sah ich in den Hügeln rundherum trotz der sintflutartigen Regenfälle vor allem ausgetrocknetes Gestrüpp. Erfahrungsgemäß verwandelt sich das im Laufe des Sommers in gefährlichen Brennstoff, der beim kleinsten Funken in Flammen aufgeht und riesige Waldbrände auslösen kann. Als ich 2003 nach Kalifornien kam, begann die sogenannte Feuersaison im Süden Kaliforniens im späten Herbst. Inzwischen fängt sie schon im Mai an, und fast rund ums Jahr werden von irgendwo im Westküstenstaat zerstörerische Brände gemeldet.

Ein Hund mit heraushängender Zunge auf einem Bergkamm, ein breiter Weg mit dem glitzernden Pazifik im Hintergrund. Am Wegesrand trockenes Gestrüpp.
Esty, der Hund der Autorin, auf der Bergkette der Santa Monica Mountains mit Blick auf den Pazifik.
Wir brauchen noch mindestens zwei, drei ebenso starke Stürme mit Regen und Schnee, bevor wir uns keine Sorgen mehr um Dürre machen müssen,

“Nein, die Dürre ist nicht vorbei!” warnte deshalb Anfang Januar auch die kalifornische Regierung. Die rekordverdächtigen Winterstürme seien zwar ein Grund zur Hoffnung und hätten Stauseen und Reservoirs mit dringend notwendigem Wasser gefüllt, doch der Grundwasserspiegel sei vor allem in Landwirtschaftsregionen nach wie vor zu niedrig und der Großteil des Regens sei durch die Kanalisation in den Pazifik geflossen. “Wir brauchen noch mindestens zwei, drei ebenso starke Stürme mit Regen und Schnee, bevor wir uns keine Sorgen mehr um Dürre machen müssen, ” schreibt das Ministerium für Wasserversorgung in einem Update zur Wetterlage. Meteorologen erinnern an den Dezember 2012, in dem es in Kalifornien überdurchschnittlich viel regnete, anschließend aber trocken blieb. Es war der Beginn einer Dürreperiode, die bis 2017 andauerte. Sie sagen außerdem überdurchschnittlich warme Frühlingstemperaturen voraus. Niederschlag werde deshalb eher als Regen fallen und Teile der bestehenden Schneedecke vorzeitig schmelzen. Das bedeutet wiederum weniger Wasser in den Ebenen später im Jahr.

Auch deshalb hat die kalifornische Regierung für dieses Jahr neue Vorschriften für eingeschränkten Wasserverbrauch erlassen. Mich stört es wenig, dass es nun verboten ist, Bürgersteig und Garagenauffahrt mit dem Gartenschlauch sauber zu spritzen. Dass wir unseren Rasen erst 48 Stunden nach einem Regen wieder gießen dürfen, finde ich vernünftig. In unserem Vorgarten haben sowieso nur noch dürretaugliche Pflanzen überlebt, der Rest ist in vergangenen Sommern ausgetrocknet. Meine Wetter-App sagt für Regionen im Norden des Bundesstaaten bis Ende Januar noch Chancen auf Regen voraus. Für Los Angeles sehe ich dort nur Sonnenschein und keine einzige Wolke.

Übrigens: zum Klima in Kalifornien habe ich in unserem neusten weltreporter Buch Die Klimakämpfer Florence Nishida vorgestellt. Lesen sie, wie die Gärtnerin in South Los Angeles und Menschen überall in der Welt etwas dazu beitragen, die Erderwärmung aufzuhalten.

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