Schlechte Bilanzen für den Bitcoin in El Salvador

Ein Jahr nach der Einführung der Kryptowährung in dem mittelamerikanischen Land interessieren sich nur wenige für das Projekt des autoritär regierenden Staatschefs Bukele. Der Bitcoin-Wert ist im Keller, das Vertrauen auf dem internationalen Kapitalmarkt sinkt.

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El Salvadors Präsident in einem digital bearbeiteten farbintensiven Bild mit Basecap und Sonnenbrille

Arbeitsplätze, Investoren, günstige Überweisungen, ja sogar die Befreiung aus der „Tyrannei des Dollars“ hatte Nayib Bukele versprochen, als er letztes Jahr seinen Landsleuten den Bitcoin schmackhaft machen wollte. Eine Stadt digitaler Geldschürfer werde entstehen, versprach der Präsident El Salvadors. An den Stränden sollten Urlauberinnen und Urlauber aus aller Welt für Wohlstand sorgen.

Das klang vielversprechend. Doch ein Jahr, nachdem das kleine mittelamerikanische Land als erstes weltweit die Kryptowährung als legales Zahlungsmittel eingeführt hat, sieht die Bilanz bescheiden aus. Der Bitcoin liegt derzeit weit unter der Hälfte des Wertes, für den Bukele ihn eingekauft hat. Von der digitalen Geldbörse „Chivo Wallet“ wollen die meisten Salvadorianerinnen und Salvadorianer nichts wissen und der angekündigte Fortschritt lässt auch auf sich warten.

Dennoch gibt sich die Regierung optimistisch. Dank der Bitcoin-Einführung im September 2021 blicke die Welt auf El Salvador als „Modell wirtschaftlicher Freiheit“, erklärte jüngst Milena Mayorga, die Botschafterin des Landes in den USA. „Das hat uns gezeigt, dass wir unabhängig von denen sein können, die uns arm und unterdrückt halten wollen“, sagte sie. Ganz anders betrachtet Wirtschaftswissenschaftler Steve Hanks von der Johns-Hopkins-Universität die Entwicklung. „Das Bitcoin-Experiment in El Salvador ist gescheitert“, resümiert der Professor, der die Dynamik der Währung genau verfolgt.

Bukele: hipp, autoritär, rigoros

Ist Bukeles Lieblingsprojekt also am Ende oder sind die Erklärung von Botschafterin Mayorga doch mehr als Propaganda? Ein Jahr ist wenig Zeit, um über Erfolg oder Scheitern zu entscheiden, zumal Experten die Dynamik des Kryptogeldes kontrovers einschätzen. Doch der Staatschef selbst versprach, dass das Land schnell von den Bitcoins profitieren werde – und das ist nicht der Fall.

Der gerne hipp in Basecap auftretende und zugleich autoritär regierende Präsident fackelt nie lange, wenn er sich durchsetzen will. So ließ er im Frühjahr mit der Mehrheit seiner Partei Nuevas Ideas im Parlament einen Ausnahmezustand verabschieden, um unter Aussetzung bürgerlicher Rechte gegen Jugendbanden vorzugehen. Über 50.000 tatsächliche und vermeintliche „Pandilleros“ wurden seither verhaftet und sitzen unter menschenrechtswidrigen Bedingungen im Gefängnis.

El Salvadors Präsident Bukele hält ein Mikrofon in der Hand und präsentiert vor Leuchtwerbung seine Bitcoin-Pläne
El Salvadors Präsident Bukele präsentiert seine Bitcoin-Pläne
Aufgestapelte glänzende Bitcoin-Münzen sollen die Attraktivität der Digitalmünze zum Ausdruck bringen
Der Schein trügt: Der Wert des Bitcoins befindet sich seit Langem im Keller.
Ein Schriftzug „Bitcoin“ wirbt für die digitale Währung
Bislang hat die Digitalmünze der Bevölkerung El Salvadors nichts gebracht:
El Salvadors Präsident Bukele steht auf der Bühne und wirbt für den Bitcoin
El Salvadors Präsident Bukele hat bei der Einführung des Bitcoins viel versprochen

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