documenta fifteen: Von der Kunst, miteinander im Dialog zu bleiben

Nach den Antisemitismus-Vorwürfen gegen die indonesischen Kollektive ruangrupa und Taring Padi stellen sich die Künstler bei einer Podiumsdiskussion in Yogyakarta den Fragen der indonesischen Kulturszene.

10 Minuten
Ausschnitt einer Videoinstallation der Künstlergruppe RAM Museum auf der Art Jog in Yogyakarta. Hier ist die Verhüllung des Taring-Padi-Banners „People's Justice“ zu sehen.

Es ist ein schwüler Sonntagnachmittag Mitte August in der javanischen Kulturmetropole Yogyakarta – der Trockenzeit zum Trotz hängt Regen in der Luft. Im Hof des Jogja National Museum drängen sich Menschen, trinken Eiskaffee oder rauchen Nelkenzigaretten. Vom 8. Juli bis 4. September findet hier wie jedes Jahr die Art Jog statt, Indonesiens wohl bekannteste Kunstmesse, diesmal mit dem vielsagenden Titel „Expanding Awareness“ (Bewusstsein erweitern). Heute jedoch sind viele Besucherïnnen nicht wegen der aktuellen Ausstellung gekommen, sondern wegen einer Diskussion über die Ereignisse auf der documenta fifteen im 11.000 Kilometer entfernten Kassel.

Eine deutlich kleinere Replika des schwarz verhängten Taring-Padi-Banners „People's Justice“ mit der Aufschrift „undebatable“ steht vor der Art Jog in Yogyakarta.
Eine deutlich kleinere Replika des schwarz verhängten Taring-Padi-Banners „People's Justice“ mit der Aufschrift „undebatable“ steht vor der Art Jog in Yogyakarta.
Auf dem Podium (von rechts): Farid Rakun und Ade Darmawan (ruangrupa), Setu Legi, Muhammad Yusuf und Fitriani Dwi Kurniasih (Taring Padi), Dr. Stanislaus Sunardi, Dozent für Kulturwissenschaften an der Sanata Dharma Universität in Yogyakarta
Auf dem Podium (von rechts): Farid Rakun und Ade Darmawan (ruangrupa), Setu Legi, Muhammad Yusuf und Fitriani Dwi Kurniasih (Taring Padi), Dr. Stanislaus Sunardi, Dozent für Kulturwissenschaften an der Sanata Dharma Universität in Yogyakarta
Über dem Eingang zur ehemaligen Kunsthochschule ASRI in Yogyakarta, in der heute das Jogja National Museum untergebracht ist, hängt 1998 das erste Taring-Padi-Banner „Rakyat Demokratik“ (Demokratisches Volk).
Über dem Eingang zur ehemaligen Kunsthochschule ASRI in Yogyakarta, in der heute das Jogja National Museum untergebracht ist, hängt 1998 das erste Taring-Padi-Banner „Rakyat Demokratik“ (Demokratisches Volk). Das Banner wurde später von Islamisten verbrannt und für die Documenta noch einmal neu gemalt.
Zuschauer der Podiumsdiskussion
Diskussion mit ruangrupa und Taring Padi auf der Art Jog: Im Publikum sitzen viele prominente Vertreter der Kunstszene Indonesiens.
Ausschnitt aus dem Taring-Padi-Holzschnitt „All Mining Is Dangerous“: Die muslimische Gebetsmütze der javanischen Wayang-Figur Petruk (links) wurde so überklebt, dass die Kopfbedeckung wie ein indonesischer Peci aussieht,
Ausschnitt aus dem Taring-Padi-Holzschnitt „All Mining Is Dangerous“: Die Künstler haben auf Bitte der Documenta die muslimische Gebetskappe, hier von der javanischen Wayang-Figur Petruk getragen, so überklebt, dass daraus ein indonesischer Peci-Hut wurde. Die Befürchtung war, dass die Figur als Karikatur mit Kippa missinterpretiert werden könnte – was dann später tatsächlich geschah.
Ein Mitglied von Taring Padi steht mit einer Wayang-Figur in der Hand vor einem Pappmaché-Gefährt, das halb Panzer, halb Bagger darstellt.
Mitglieder von Taring Padi zeigen im Kasseler Hallenbad Ost eine Performance, die an ein javanisches Ruwatan-Ritual erinnert – eine Art Reinigungszeremonie, um sich von schlechten Einflüssen zu befreien..

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