Zum Artikel springen
  1. RiffReporter /
  2. Gesellschaft /
  3. Was bedeutet Klimaschutz für die Kultur?

Was bedeutet Klimaschutz für die Kultur?

Die Grünenpolitikerin Petra Olschowski spricht über ihre Vorstellungen eines klimaverträglichen Umbaus der Kultur in Baden-Württemberg

von
02.07.2021
11 Minuten
Im rechten Bildfeld steht eine Frau hinter dem Rednerpult.

Museen gelten als Energiefresser. Ihre Klimaanlagen schützen die Kunst, aber nicht die Umwelt. Viele Häuser können nicht beziffern, wieviel Energie sie verbrauchen, wie eine Umfrage der Zeitschrift art-das Kunstmagazin in ihrer Septemberausgabe 2020 ergeben hat und eine Recherche des Deutschlandfunks bestätigt. Eine solche Situation will Petra Olschowski zumindest in Baden-Württemberg in Zukunft vermeiden. Die Staatssekretärin im Ministerium für Forschung, Wissenschaft und Kunst will auf mehreren Ebenen Nachhaltigkeit und Klimaverträglichkeit in Museen und Theatern zum Standard machen. Während auf Bundesebene an betriebsökologischen Leitlinien für Museen gearbeitet wird, will die studierte Kunsthistorikerin und ehemalige Rektorin der Staatlichen Akademie der Bildenden Kunst Stuttgart die Kultur umfassend auf mehr Nachhaltigkeit einschwören. Das betrifft auch die Anzahl, die Art und den Umfang der Veranstaltungen und Publikationen von Museen und Theatern. Ihr Motto: weniger ist mehr. Im Gespräch mit DebatteMuseum gibt sie Einblick in ihre Vorstellungen einer zeitgemäßen Kultur.

Frau Olschowski, die Pandemie hat die Debatte um die Relevanz der Kultur angeheizt. Welche Lehre ziehen Sie aus dem vergangenen Jahr?

Jetzt, da das kulturelle Leben wieder anläuft, müssen wir uns überlegen, ob wir einfach so weitermachen wollen, wie wir aufgehört haben. Oder ob wir nicht den Moment nutzen und uns fragen, ob uns die Pandemie nicht gezeigt hat, dass wir uns mit einigen Themen noch einmal anders beschäftigen sollten. Vielleicht liegt darin eine Chance, zu sagen: Wir haben den Betrieb aus einer Notsituation heraus angehalten und es war für uns alle eine bedrückende Erfahrung. Wir haben in dieser Zeit gesehen, was uns fehlt und was wir unbedingt brauchen und auch, was vielleicht anders gehen könnte, was überflüssig ist, für was es neue Wege braucht und gibt. Die Sensibilität dafür erhalten – das würde ich mir wünschen.

Sie wollen die Kultur in Baden-Württemberg grüner machen. Haben Sie schon einen Plan?

Tatsächlich haben wir schon einen Plan. Wir werden mit den Museen und Theatern gemeinsam überlegen, was die neuen – und die nicht so neuen – Herausforderungen in der Nachhaltigkeit und im Klimaschutz für die Kultur bedeuten. Wir werden uns noch vor der Sommerpause mit Verantwortlichen der Kultureinrichtungen dazu zusammensetzen und beraten. Dabei geht es um verschiedene Ebenen: um die Häuser selber, also was Klimaverträglichkeit für die eigene Institution und Arbeit bedeutet, aber es geht auch darum, wie Kunst und Kultur diese Frage in die Gesellschaft hinein transportieren können.

An wen richtet sich die Einladung für dieses Gespräch?

Manche Handlungsfelder betreffen alle gleichermaßen, aber es gibt auch Bereiche, da unterscheiden sich Museen von Theatern oder Orchestern. Bei den Museen spielt beispielsweise der Leihverkehr eine große Rolle, die Ausstellungsarchitektur, die Klimatisierung – das ist ja ein großer Energiefresser. Bei den Theatern geht es dann möglicherweise um die Frage, wie oft eine Inszenierung nachher auf dem Spielplan steht, aber auch Themen wie Internationalisierung und Gastspiele. Wir werden daher spartenbezogen diskutieren. Am Ende aber wird jede Einrichtung selbst entscheiden müssen, wie Nachhaltigkeit und Klimaverträglichkeit für sie konkret aussehen kann.

In unseren Beiträgen steckt viel Recherchearbeit. Lesen Sie weiter mit einer Einzelzahlung oder schließen Sie ein Abo ab.
In unseren Beiträgen steckt viel Recherchearbeit. Lesen Sie weiter mit einer Einzelzahlung oder schließen Sie ein Abo ab.
Carmela Thiele

Carmela Thiele

Carmela Thiele schreibt als Journalistin über Kunst und Kultur.


DebatteMuseum

Die Museen sind in einem tektonischen Verschiebeprozess begriffen. Sie erfüllen als Gatekeeper des Wissens eine wichtige gesellschaftliche Rolle, bieten aber auch multiple Erfahrungsräume und dienen als praktisches Labor des Denkens. DebatteMuseum verfolgt diesen Prozess der Veränderung und der Reorganisation. Das Online-Magazin berichtet seit 2017 über die vielfältige Museumsszene, neue Ausstellungsformen und Vermittlungsstrategien. Es schreiben Carmela Thiele und Gäste.

Nach Katrin Ströbel und Clemens von Wedemeyer hat Bettina Munk das aktuelle Titelbild für DebatteMuseum zur Verfügung gestellt. Es zeigt die Installation ORIGIN Computer animation und Drawing Series Planetesimale P_1 in der Ausstellung Drawing Rooms Hamburger Kunsthalle 2016. 

Verantwortlich im Sinne des Presserechts

Weitere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

Faktencheck: Carmela Thiele