Macht, Rassismus, Klimawandel: Das koloniale Erbe geht uns alle an

Der Direktor des Tropenmuseums Amsterdam über die Folgen des Kolonialismus – und wie wir von der Kunst lernen können, damit umzugehen.

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Ein Backsteingebäude mit Türmen in einem Park.

Ich habe morgens um 9 Uhr einen Termin, das Tropenmuseum Amsterdam ist noch geschlossen. Also umrunde ich das Gebäude auf der Suche nach dem Personaleingang und treffe auf einen freundlichen Mitarbeiter, der mich in die Chefetage begleitet. Wenig später stehe ich im geräumigen Büro des leitenden Programm-Direktors. Wayne Modest bietet mir im Scherz seinen geeisten Kaffee an. Ich möchte mit ihm über seine Strategien für die neue Dauerausstellung sprechen, in der es um die Ursachen und Folgen des niederländischen Kolonialismus vor allem im heutigen Indonesien geht. Wie sich herausstellt, folgt seine Konzeption einer Analyse der gegenwärtigen Situation, in der viel über Kolonialismus geredet wird – aber die eigentlichen Fragen noch nicht gestellt wurden.

Carmela Thiele Der Titel der neuen Dauerausstellung des Tropenmuseums lautet „Unser koloniales Erbe“. Wer oder was ist gemeint mit „wir“?

Wayne Modest Das „Wir“ hat eine doppelte Bedeutung, es liegt darin auch eine Frage. Die Geschichte des Tropenmuseums beginnt 1864 als Kolonialmuseum, das 1910 nach Amsterdam kam, aber erst 1926 eröffnet wurde als Teil des Kolonialinstituts. Viele Leute haben gefragt, worin sich das Tropenmuseum vom Kolonialmuseum unterscheiden würde – mit Ausnahme des anderen Namens. Mit dieser Frage wollten wir beginnen, eben darüber nachzudenken, wer wir sind, jenseits der kolonialen Prägung des Hauses.

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