Koloniales Nachbeben

Das Museum als Instrument der Unterdrückung?

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Frontale Ansicht einer Kopf-Skulptur aus Bronze.

Tag der offenen Baustelle im Humboldt Forum: Gläser klirren, Ehrenamtliche werben Spenden ein, ein kleiner Beitrag für einen Sack Zement, die Gründungsintendanten im Blitzgewitter. Lorenz Rollhäuser erzählt in seinem Feature „Haus der Weißen Herren – Humboldt Forum, Shared Heritage und der Umgang mit dem Anderen“ im Deutschlandfunk über das Museum als Instrument, um andere Kulturen der eigenen einzuverleiben, vom Museum als Ort der Entzauberung der Welt und von der Verlogenheit des Begriffs Shared Heritage. Rollhäuser weiß, wovon er spricht. Seit den 1990er Jahren bereist der Hörfunk-Journalist die Kontinente, er arbeitete in verschiedenen Ländern Afrikas, auf Kuba und in China.

Der Autor meldet sich per Mail aus Havanna, „aus dem kleinen Park, wo der Morgen noch frisch ist und das Internet schnell“. Bis Februar werde er dort sein, aber ja, ein paar Fragen kann er schon beantworten. Bereits 2014/15 begann er mit den Recherchen, schon damals forderte das Königreich Benin die Rückgabe der Benin-Bronzen, auch war bereits Kritik am Umzug der Ethnografischen Sammlungen in die Berliner Mitte laut geworden. Doch sei der Sender bei dem Thema damals eher zurückhaltend gewesen. „Als aber aus den oberen Etagen ans Feature herangetragen wurde, etwas zum Humboldt Forum zu machen, sind sie wieder auf mich zu gekommen“, sagt Lorenz Rollhäuser.

Gute Entscheidung, denn dem Afrika-Experten gelingt durch Hörspiel-Elemente, intensive Archiv-Recherche und zahlreiche O-Töne eine Collage der Fakten und postkolonialen Befindlichkeiten, die einen wichtigen Beitrag zur Debatte um das Humboldt Forum leistet. Das einstündige Feature macht sinnfällig, weshalb es nicht ausreicht, Wissenschaftler*innen aus Afrika zur Mitarbeit einzuladen und kulturellen Austausch anzubieten. Es geht auch um mehr Bewusstsein in Deutschland, um die Einsicht, dass wir alle noch tief in unserem Innern vom kolonialen Weltbild geprägt sind. Wer es nicht wahrhaben will, braucht nur die zahllosen Facebook-Kommentare zum Feature anschauen, das über 13.000 Leute aufgerufen haben – Tendenz steigend.

Zu sehen ist ein Mann mit freiem Oberkörper neben eine Ofen., Daneben steht ein überlebensgroßer, mit Reliefs verzierter Turm.
Traditionelle Herstellung von Bronze-Skulpturen in Benin.
Ein Afrikaner im weißen Gewand sitzt auf einem Thron.
Der Sprecher des Oba, Prinz Akenzua, zu den Verhandlungen um die Rückgabe der Benin-Bronzen: „Es kann doch nicht sein, dass man uns sagt, ich müsse mir erst eine Garage kaufen, damit ich mein gestohlenes Auto wiederbekomme.“
Weiß-goldener Saal mit Thron und weiß gekleideten Männern
Seit Ende des 15. Jahrhunderts war das Königreich Benin Drehscheibe des portugiesischen und holländischen Sklavenhandels. Die Region kam zu Reichtum. Der Thronsaal des Oba in Benin-City.

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