Gefährliche Bisse: Könnte künftig eine Pille die meisten Schlangengifte weltweit bekämpfen?

Jedes Jahr sind weltweit mindestens 1,8 Millionen Menschen von Schlangenbiss-Vergiftungen betroffen, die oft nicht gut behandelt werden können. Ein neuartiger Wirkstoff könnte den Kampf gegen das globale Problem revolutionieren – auch dank des buchstäblich lähmenden Selbstversuchs eines Forschers.

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Eine schwarze Mangroven-Grubenotter mit rötlichen Augen auf einem Ast.


Lähmung mit Ansage

„Ich konnte nicht mehr scharf sehen, das Schlucken war unangenehm und meine Stimme veränderte sich“, erzählt der Mediziner und Forscher Matthew Lewin von der California Academy of Sciences in San Francisco. „Wenig später konnte ich den Kopf nicht mehr heben, meine Arme und Beine wurden schwach. Und dann wurde das Atmen unangenehm schwierig.“ Er konnte damals, im Jahr 2013, aber weder seine aufsteigende Panik signalisieren noch um Hilfe bitten.

Dabei stand ein Team erfahrender Medizinerïnnen um ihn herum, die von seiner fortschreitenden Lähmung wussten. Sie hatten ihm unter kontrollierten Bedingungen in einer Klinik einen Wirkstoff injiziert, der in der Anästhesie eingesetzt wird. Anders als echte PatientInnen war Lewin aber bei vollem Bewusstsein. Eine Tortur, der er sich freiwillig aussetzte, um eine Idee zu erproben: einen neuen Ansatz zur Behandlung lebensgefährlicher Lähmungen – wie sie bei vielen Schlangenbiss-Vergiftungen auftreten können.

Ein rothaariger Mann im gestreiften Hemd steht zwischen zwei hohen Regalwänden, in denen Gläser mit toten Schlangen stehen, die hier konserviert sind.
Der Mediziner und Wissenschaftler Matthew Lewin arbeitet an einem Wirkstoff, der gegen viele Schlangengifte auf der Welt wirken soll. Hier steht er in der Schlangensammlung der California Academy of Sciences in San Francisco.
Ein Mann hält eine grüne Schlange und lässt sie in einen Becher beißen, so dass das gelbliche Gift sich dort sammelt.
Das Spitze muss ins Runde: Diese Schlange, eine giftige Grubenotter, wird gemolken. Ihr Gift, hier unten im Becher, wird dann einem Pferd oder Schaf injiziert, das Antikörper produziert – die dann in der Therapie eingesetzt werden.
eine bräunliche Schlange mit hellerem Bauch kriecht auf dem Boden zwischen Steinen auf den Betrachter zu und blickt in die Kamera.
Kobras sind gefürchtete Giftschlangen. Ob frisch geschlüpft oder ausgewachsen: Das Gift der Tiere ist immer ähnlich potent. Diese junge Kobra wurde in Singapur fotografiert.

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