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Eine Perspektive für die Menschheit

von
15.07.2019
3 Minuten
Üben für die Marsmission: die NASA-Wissenschaftlerin Mary Beth Wilhelm nimmt Proben in der chilenischen Atacama-Wüste.

Sollen wir wieder Menschen zum Mond schicken wie vor 50 Jahren? Das ist zwar wirtschaftlich und wissenschaftlich nicht zu rechtfertigen, aber politisch: Es könnte die Nationen zusammenführen, wenn es anschließend weitergehen würde zum Mars. Könnte, würde – ein Kommentar mit einigen Konjunktiven.

Der Frieden im Sonnensystem ist gefährdet. Wenn wir Menschen ins All aufbrechen, werden wir unsere Konflikte nicht hinter uns lassen, sondern sie mitnehmen. Zwar beteuern Raumfahrerinnen und Raumfahrer aller Nationen immer wieder, dass es anders sei: Wenn sie von oben auf die Erde schauen, wirken die irdischen Streitigkeiten plötzlich klein. Aber noch erbringen sie Leistungen im All, von denen letztlich wenig abhängt. Auf der Internationalen Raumstation ISS zu kooperieren, ist vergleichsweise einfach. Eine dauerhafte Mondbasis gemeinsam zu betreiben, wäre eine ganz andere Herausforderung.

Schon die Satelliten zeigen, dass der Weltraum in Wirklichkeit ein wilder Westen ist, in dem sich jeder nimmt, was er möchte. Früher oder später wird der Schrott im Erdorbit zu einer ernsthaften Bedrohung für alle raumfahrenden Nationen und doch ist kein internationales Abkommen in Sicht. Vielleicht werden wir rechtzeitig einen Kompromiss finden, um mit dem Problem umzugehen, vielleicht aber schießen wir uns am Ende gegenseitig die Satelliten vom Himmel. Eine solche Eskalation wäre historisch nicht ohne Vorbild.

Wer eine Ahnung davon bekommen möchte, wie es erst sein wird, wenn wir Mond, Mars und die größeren Asteroiden besiedelt haben, dem sei die Romanreihe von James Corey empfohlen, die unter dem Titel „The Expanse“ verfilmt wird. Sie macht den Krieg der Welten politisch plausibel: Die einen wollen eine unabhängige Existenz aufbauen, die anderen wollen nicht weiter ausgebeutet werden, aber die dritten brauchen die Ressourcen – und schon steht das Sonnensystem am Rand des Krieges. Typisch Mensch eben.

Kein Businessplan für den Mond

Und doch bietet die Raumfahrt eine Chance. Man betreibt sie nicht, weil sie einfach wäre, hat John F. Kennedy angemerkt, sondern weil sie schwierig ist. Und wenn man sich ein so schwieriges Ziel sucht, dass man es nur gemeinsam erreichen kann, dann kann die Raumfahrt Nationen zusammenführen. Menschen zum Mars zu fliegen, wäre ein solches Ziel. Und die Tatsache, dass es nur mit Europa, Russland, den USA, vielleicht auch mit Japan und Indien und vor allem mit China gelingen kann, ist das beste Argument für die immensen Summen, die dafür nötig sind. Ein Symbol, dass es frühere Konkurrenten nun gemeinsam schaffen – unbezahlbar. Nur realistisch ist das leider nicht.

Der Mond, für den sich nach jahrzehntelanger Pause wieder viele Nationen interessieren (hier ein Überblick der Weltraumreporter), kann da nur eine Zwischenstation sein. Menschen auf dem Mond sind für sich genommen ein Verlustgeschäft. Es ist teuer sie hinzufliegen; es ist teuer sie dort am Leben zu halten und der wirtschaftliche und wissenschaftliche Nutzen hält sich in Grenzen. Es müssten schon ganz besondere Rohstoffe sein, die man dort fördert – das berühmte „Unobtainium“, das es auf der Erde nicht gibt. Doch das gibt es wohl auch auf dem Mond nicht. Und ein Radioteleskop auf der Rückseite des Monds benötigt ebenso wenig eine dauerhafte Präsenz von Menschen wie ein Kollektiv von Robotern, das die uralten Krater geologisch untersucht.

Gemeinsam käme man weiter

Es spricht auch sonst nicht viel für eine neue Reise zum Mond. Firmen wie SpaceX und Blue Origin setzen bei ihren Mondflugplänen auf ganz spezielle Kunden: Milliardäre, die als Touristen ins All möchten, und Regierungschefs, die ihren Raumfahrtagenturen neue Ziele vorgeben können. Ein echter Markt ist das nicht. Und die Innovationen, die auf dem Weg zum Mond zwangsläufig entstehen würden – sie sind die vielen Milliarden nicht wert. Schließlich das Prestige: China würde mit einer Mondlandung zeigen, dass es technologisch aufgeholt hat. Aber die anderen würden lediglich wiederholen, was schon vor 50 Jahren im Bereich des Machbaren lag.

Für eine Mondbasis braucht man eine bessere Begründung: Von dort aus zum Mars zu starten, würde den Aufwand rechtfertigen. So wie die Mondlandung allen vor Augen führte, was mit Technik möglich ist, könnte eine Marslandung demonstrieren, wie weit uns alle Kooperationen bringen können.

Doch die USA wollen nicht mit China zusammenarbeiten. Donald Trump will stattdessen noch während seiner erhofften zweiten Amtszeit aus eigener Kraft zum Mond zurück – ein abstruser Plan mit vielen Fragezeichen, wie das Wissenschaftsmagazin „Nature“ berichtet. Vielleicht brauchen die Nationen einen Notfall, den sie nur gemeinsam bewältigen, um das Konkurrenzdenken zu überwinden, wie es in diesem RiffReporter-Zukunftsszenario beschrieben wird. Bis dahin werden sie viel Geld ausgeben, um unabhängig voneinander Technologien zu entwickeln, die sie auch günstiger haben könnten. Sie werden ihre Konflikte nicht beilegen, bevor sie ins All aufbrechen, und gefährden damit den Frieden im Sonnensystem.

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Alexander Mäder

Alexander Mäder

Alexander Mäder unterrichtet Journalismus an der Hochschule der Medien in Stuttgart. Er ist in zwei RiffReporter-Projekten aktiv: KlimaSocial und die ZukunftsReporter.


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