1. RiffReporter /
  2. Umwelt /
  3. Wert der Natur: Möchten Sie Ihr romantisches Wochenende in einer Wasseraufbereitungsanlage verbringen?

Der Wert der Natur für unser Wasser

Wir brauchen die Natur, damit wir genügend sauberes Wasser zum Leben haben. Was aber passiert und wieviel kostet es, wenn diese natürlichen Dienstleistungen ausfallen?

von
31.05.2021
11 Minuten
Überblick über den Stausee, der naturnah aussieht, im Hintergrund bewaldete Hügel.

Wenn früh am Morgen die Werksirene dröhnt/Und die Stechuhr beim Stechen lustvoll stöhnt/In der Montagehalle die Neonsonne strahlt/Und der Gabelstaplerführer mit der Stapelgabel prahlt/Ja, dann wird wieder in die Hände gespuckt/Wir steigern das Bruttosozialprodukt!/Ja, ja, ja, jetzt wird wieder in die Hände gespuckt! (Liedtext der Band Geier Sturzflug, 1983)

Haben Sie einmal überlegt, was eigentlich ein Vogel wert ist? Sagen wir ein Blaukehlchen? Ich kann mich noch erinnern, als der Biochemiker und Systemforscher Frederic Vester 1983 das Buch „Der Wert eines Vogels“ veröffentlichte, in dem er genau dies versuchte.

Vom Materialwert kam er auf nur ein paar Cent. Rechnete er aber andere Dinge mit ein, wie Samenverbreitung, Schädlingsbekämpfung und sogar den Genuss, den der Vogel mit seinem Gesang in uns auslöst, kam er auf 154,09 Euro pro Jahr, sagte er dem Magazin Brandeins im Jahre 2003. Bei einer Buche kam Vester auf das fast 2000fache des Materialwertes, nämlich rund 271.000 Euro, die im Laufe des 100-jährigen Lebens des Baumes zusammenkommen.

Wie aber steht es um den Wert ganzer Landstriche, eines Flusses, vielleicht sogar der Natur als Ganzes?

Den Gesamtwert der „Ökosystemdienstleistungen“ der Natur weltweit zu bestimmen versuchte ein Team um Robert Costanza, damals an der US-amerikanischen Universität Maryland, 1997 zum ersten Mal. Das Ergebnis der Auswertung von über hundert Studien: Fast das Doppelte des damaligen Weltbruttosozialproduktes.

Ein Wert zwischen Null und unendlich

Die Studie, inzwischen nach Angaben von Google Scholar mehr als 25.000 mal zitiert, „entfachte eine riesige akademische Debatte über den Wert der Natur“, sagt Patrick ten Brink, Vize-Generalsekretär des European Environmental Bureau in Brüssel, das die Interessen von über 170 Europäischen NGOs gegenüber der EU vertritt. „Sie zeigte klar die fundamentale Wichtigkeit der Natur für die Menschheit.“

Ansatz sowie Studie hatten aber auch ihre Kritiker. Diese sagten unter anderem, es mache keinen Sinn, der gesamten Natur einen Wert zuzuweisen, denn der sei unendlich, da die Natur im Prinzip nicht ersetzbar sei und der Mensch ohne sie aufhöre zu existieren, zumal das Wirtschaftssystem Teil der Natur sei und nicht umgekehrt.

Die Natur fehlt in den Kosten-Nutzen Analysen von Finanzministern, Unternehmen und der meisten Privathaushalte. (Gretchen Daily)

Doch das Konzept findet auch unter Ökonomen immer mehr Freunde. Bereits 2009 und 2010 fertigten Expertinnen und Experten unter Leitung des Ökonomen und früheren Deutsche-Bank-Investmentspezialisten Pavan Sukhdev mehrere großangelegte Studien zur „Economics of Ecosystems and Biodiversity“ (TEEB) an.

Im Februar 2021 legte der Ökonom Partha Dasgupta von der britischen Universität Cambridge im Auftrag der britischen Regierung eine umfangreiche Analyse vor, warum und wie die Dienstleistungen der Natur einen ökonomischen und sogar monetären Wert brauchen. Und im Mai stellte die UN-Umweltagentur UNEP eine Studie vor, die darlegt, dass bis 2050 zusätzliche Investitionen von rund vier Billionen Dollar nötig sind, um die Dienstleistungen der Natur zu erhalten, statt sie weiter zu zerstören.

Daily steht in einem Park vor einem alten Baum.
Die Ökologin Gretchen Daily.

Die Ökologin Gretchen Daily von der Universität Stanford, eine der Pionierinnen des Konzeptes der Ökosystemdienstleistungen, sieht den Sinn solcher Berechnungen pragmatisch. „Die Natur fehlt in den Kosten-Nutzen Analysen von Finanzministern, Unternehmen und der meisten Privathaushalte“, sagt Daily.

„Der Wert der Natur ist dort also Null. Und selbst wenn wir auf der anderen Seite sagen, der Wert ist unendlich, dann investieren wir ebenfalls nichts.“ Um das zu ändern, sagt sie, müsse man zumindest zu versuchen, den Wert einzelner Ökosystemdienstleistungen zu bestimmen, um gegenüber Entscheidungsträgern bessere Argumente für deren Erhalt zu haben. Dieser Wert werde zwar sehr wahrscheinlich zu niedrig liegen, was aber besser sei als gar keinen Wert zu ermitteln, sagt Daily.

Die Maschine der Natur nutzen

Ein Ansatz ist herauszufinden, ob es mehr kosten würde – und wenn ja, wieviel –, um eine bestimmte Ökosystemdienstleistung künstlich zu ersetzen im Vergleich zu den Kosten, das Ökosystem selbst zu erhalten. Dass das für die Wasserversorgung durchaus sinnvoll sein kann, zeigte sich in den späten 1990er Jahren in der Stadt New York.

Die Stadt ist bekannt für ihr hervorragendes Trinkwasser. Der Großteil kommt aus den Catskill Bergen. Allerdings hatte die Qualität dieses Wassers unter anderem wegen veralteter Kläranlagen und verstärkter Landwirtschaft in den Catskills in den 1990er Jahren nachgelassen. Daher forderte die US-amerikanische Umweltbehörde EPA die Stadt auf, das Wasser mit einer Aufbereitungsanlage zu reinigen. Voraussichtliche Kosten: 6 bis 8 Milliarden Dollar, plus etwa 300 Millionen pro Jahr an laufenden Kosten.

Stiller See, am Horizont rollende Hügel.
Der Ashokan Stausee im US Bundesstaat New York. Der See sammelt Wasser aus den Catskill Bergen, aus denen ein Grossteil des New Yorker Trinkwassers kommt.

Dies, so Daily, brachte die Stadt dazu, auf die Stimmen von Umweltschützern zu hören, die sagten, man könnte viel Geld sparen, wenn man statt einer künstlichen Maschine „die Maschine der Natur“ restauriert und zur Wasserreinigung nutzt.

Dazu musste man die Landeigentümer in den Catskills entschädigen für Dinge wie etwa die Verbesserung der Hauskläranlagen, die Vermeidung des Eintrags von Gülle oder Pestiziden oder die Regeneration von Wäldern und Feuchtgebieten. Außerdem sollten die Gemeinden dort Gelder bekommen, um Feuchtgebiete für deren Erhalt aufzukaufen.

Würden Sie ein romantisches Wochenende lieber in einer Trinkwasseraufbereitungsanlage verbringen oder in den schönen Catskill Bergen? (Gretchen Daily)

Bis heute waren die Kosten des Programmes mit insgesamt etwa 1,7 Milliarden Dollar weit geringer als die der ursprünglich geplanten Kläranlage. Das einzige, was sich die Stadt später noch leistete, war eine 1,5 Milliarden Dollar teure UV-Anlage, die seit 2013 Krankheitserreger aus dem Wasser entfernt.

Der Zug mit Trinkwasser fährt in den Bahnhof von Chennai ein.
Rettender Wasserzug: Als 2019 eine Dürre die indische Metropole Chennai plagte, wurde Trinkwasser in Zügen angeliefert.

New York ist eines der weltweit ersten Beispiele für ein sogenanntes „Payment for Ecosystem Services“-Programm (PES), sagt Daily, in dem Landeigentümer für den Erhalt von Ökosystemdienstleistungen entschädigt werden. Weltweit gebe es inzwischen über 550 solcher Programme mit einem Wert von etwa 40 Milliarden Dollar pro Jahr. Das Ziel sei oft nicht nur der Erhalt einer gesunden Umwelt, sondern die Verringerung von Armut, denn gerade in Gebieten, deren Ökosystemdienstleistungen wertvoll sind, leben oft ärmere Menschen.

Während man in der EU derzeit versucht, die Subventionen an Landwirte stärker an Umweltleistungen zu binden, haben viele Städte weltweit bereits ähnliche Modelle wie New York, darunter 55 allein in Lateinamerika. Auch in China zahlt die Regierung schon seit längerem Landwirte dafür, auf Praktiken umzusteigen, die nicht nur Ernteerträge erbringen, sondern gleichzeitig auch Ökosystemdienstleistungen erhalten.

Ein Beispiel, sagt Daily, ist der Miyun-Stausee, aus dem die Hälfte des Trinkwassers der Chinesischen Hauptstadt Peking kommt. Reisanbau hatte den Wasserzufluss in den See zwischen den 1960er Jahren bis in die 2000er Jahre um 70 Prozent reduziert, und auch die Nitrat- und Phosphatbelastung des Sees war sehr gestiegen.

Dann begann die Regierung im Jahre 2006 damit, die Landwirte der Region dafür zu zahlen, dass sie den Reis durch andere Nutzpflanzen ersetzten, die weniger Wasser und Dünger benötigen. Nur wenige Jahre später hatten sich im Miyun-Stausee sowohl Wasserzufluss als auch Nitrat- und Phosphatwerte deutlich verbessert, sagt Daily.

Boom beim grünen Bruttosozialprodukt

Das Peking Wasserprogramm war nur ein kleiner Teil einer radikalen Abkehr Chinas vom bisherigen Kurs des wirtschaftlichen Wachstums um fast jeden Preis. Auslöser, so Daily, waren Überflutungen „biblischen Ausmaßes“ im Jahre 1998, die tausenden Menschen das Leben kosteten, über 13 Millionen Menschen obdachlos machten, und einen Schaden von geschätzt 36 Milliarden Dollar anrichteten.

Als eine der Hauptursachen stellte sich Entwaldung im Oberlauf des Jangtse-Flusses heraus, denn Wälder schützen vor Überflutungen, indem sie das Erdreich davon abhalten, abgetragen zu werden, und das Erdreich wiederum hält das Wasser zurück wie ein Schwamm.

Kostenfreien Newsletter bestellen

Sie möchten regelmäßig über neue Beiträge dieses Magazins informiert werden? Dann bestellen Sie hier unseren kostenlosen Newsletter.

Das Rollfeld steht unter Wasser, mehrere Flugzeuge ragen aus dem Wasser heraus.
Wenn Feuchtgebiete fehlen, landet das Wasser dort, wo es nicht hinsoll – wie hier 2015 auf dem Flughafen von Chennai.

Daher entschied sich die chinesische Regierung 1999, das bis heute größte PES-Programm der Welt ins Leben zu rufen: Jegliche Waldrodung in der Gegend wurde verboten, und mehr als 100 Millionen Menschen wurden dafür entschädigt, vor allem an steileren Bergflanken die Landwirtschaft aufzugeben und die Bäume stehen zu lassen oder fehlende Bäume anzupflanzen. Dafür erhielten sie nicht nur Geld, sondern auch Kleidung und Nahrungsmittel wie etwa Reis, sagt Daily.

Regen haben wir genug; was fehlt, sind die Orte, die das Wasser aufnehmen, die Feuchtgebiete. (Ritesh Kumar)

Aber China ging noch weiter. Anhand von Satellitenbildern und über 140.000 Messpunkten kartierte das Land wichtige Ökosystemdienstleistungen wie etwa Wasserrückhalt und Artenvielfalt, oder Schutz vor Überflutung oder Sandstürmen, und zahlt inzwischen insgesamt 200 Millionen Menschen für deren Erhalt. Erste Erfolge zeigen sich bereits, sagt Daily: So habe China inzwischen die höchste Wiederaufforstungsrate der Welt.

Um den Erfolg der Maßnahmen auch wirtschaftlich besser zu verfolgen, setzt China das von Daily mitentwickelte „Gross Ecosystem Product“ (GEP) ein, eine Art grünes Bruttosozialprodukt. Statt wie beim Bruttosozialprodukt den Wert der menschlichen Waren und Dienstleistungen über den Preis zu addieren, werden beim GEP Güter und Dienstleistungen der Natur aufaddiert. Im März 2021 hat die Statistikkommission der UN die weltweite Verwendung des Konzeptes anerkannt. „Wir werden überflutet mit Anfragen von Ländern, die das GEP bei sich einsetzen wollen“, sagt Daily.

Fisch und Gemüse aus dem Feuchtgebiet

Auch Abwasserreinigung ist eine wichtige Dienstleistung der Natur. In Städten wie Kalkutta in Indien wird diese von Feuchtgebieten übernommen – kostenlos und rund um die Uhr, sagt Ritesh Kumar, der Direktor des Südasienbüros der NGO Wetlands International in Neu Delhi: Drei Viertel der Abwässer der 14 Millionen Einwohner Kalkuttas (pro Tag sind das etwa 900 Millionen Liter) fließen in ein 125 Quadratkilometer großes im Osten der Stadt gelegenes Feuchtgebiet.

Allein die Reinigungsleistung des Gebietes ist pro Jahr 4,6 Milliarden Indische Rupien (etwa 60 Millionen US-Dollar) wert, sagt Kumar, denn so viel würde eine Kläranlage in etwa kosten. Aber das ist noch nicht alles.

Denn das Gebiet liefert außerdem pro Jahr 20.000 Tonnen Fisch und 50.000 Tonnen Gemüse und sichert damit den Unterhalt von etwa 30.000 Menschen, die das alles züchten beziehungsweise anbauen. Und schließlich schützt das Gebiet die Stadt vor Überflutungen und den damit verbundenen Kosten.

Fischer im Feuchtgebiet im Osten Kalkuttas

Dass das Gebiet noch existiert, liegt daran, dass Bauaktivitäten dort seit den 1990er Jahren nicht erlaubt sind. Als die örtliche Regierung damals den Bau eines „World Trade Center“ im Feuchtgebiet plante, forderten Umwelt-NGOs den Schutz des Feuchtgebietes.

Sie hatten Erfolg, denn 1992 erließ der Calcutta High Court eine Verfügung, die Landnutzungsänderungen einschliesslich neuer Bauvorhaben dort verbot, sagt Kumar. 2002 wurde das Gebiet dann auch international als geschütztes Ramsar-Feuchtgebiet anerkannt, was seinen Schutzstatus weiter zementierte.

Naturschutz kostet Bruchteil technischer Lösungen

Was geschieht, wenn solche Feuchtgebiete trockengelegt werden, zeigt sich in der Indischen Stadt Chennai. Nachdem dort das etwa zehn Quadratkilometer große Pallikaranai-Feuchtgebiet trockengelegt wurde, häuften sich zur Regenzeit regelmäßig Überschwemmungen.

Ende 2015 war es besonders schlimm, denn große Teile der Stadt einschließlich des Flughafens standen unter Wasser. Kumar schätzt den Schaden auf über eine Milliarde Dollar. „Wenn die Flughäfen und ganze Industriezweige geschlossen sind, wenn die halbe Stadt unter Wasser ist – diese Art von Schaden ist undenkbar“, sagt Kumar. „Das Feuchtgebiet zu erhalten hätte einen Bruchteil gekostet.“

Außerdem wurden ohne das Feuchtgebiet die Grundwasserspeicher nicht mehr aufgefüllt, so dass 2019 Züge das Wasser in die Stadt transportieren mussten. „Das war schockierend“, sagt Kumar. „Regen haben wir genug; was fehlt, sind die Orte, die das Wasser aufnehmen, die Feuchtgebiete.“

Auch in der kambodschanischen Hauptstadt Phnom Penh übernehmen vor allem Feuchtgebiete Flutschutz und Abwasserreinigung, aber die Stadt wächst rasant: Vor gerade mal zehn Jahren war kein Gebäude der Stadt höher als 6 Stockwerke, sagt Südostasien-Experte Brian Eyler vom Stimson Center in Washington, DC. Inzwischen weist eine inoffizielle Liste bereits 52 Gebäude mit einer Höhe von mindestens 100 Metern auf, und etwa 60 weitere sind geplant oder im Bau.

Skyline von Phnom Penh, Kambodscha, im März 2020.

Dem fielen bereits mehrere Feuchtgebiete zum Opfer. Eines der wichtigsten, die noch übrig sind, ist das etwa 15 Quadratkilometer große Tompoun/Cheung Ek Gebiet im Süden der Stadt, das etwa die Hälfte des Abwassers der Stadt filtert. Die meisten der etwa 1000 Familien dort leben von Fischzucht oder Gemüseanbau, heißt es in einem Bericht zum Feuchtgebiet, der im letzten Jahr von einer Gruppe kambodschanischer NGOs veröffentlicht wurde.

Was bei einer Trockenlegung des Gebietes an Ökosystemdienstleistungen verloren ginge, hat der Hydrologe Kim Irvine von der Thammasat Universität in Thailand mit seinen Kollegen in einer letztes Jahr veröffentlichten Studie versucht abzuschätzen. Allein was Wasserreinigung sowie Fisch und Gemüseanbau angeht kam er auf 30 Millionen Dollar pro Jahr. Dabei sind Ökosystemdienstleistungen wie der Schutz vor Überflutung oder die Kühlung der Stadt noch nicht einmal miteinberechnet ist, sagt Kim.

Ernte von Wasserspinat im Tompoun/Cheung Ek Feuchtgebiet der Kambodschanischen Hauptstadt Phnom Penh.

Etwa genauso viel würde der Bau einer dort geplanten Kläranlage kosten; diese könnte allerdings nur ein fünfzigstel des täglich ins Feuchtgebiet gelangenden Abwassers verarbeiten, so die NGOs in ihrem Bericht. Ohne das Feuchtgebiet, warnen sie, werde das meiste Abwasser daher trotz der Anlage ungereinigt in die Flüsse Mekong und Bassac gelangen, und große Teile der Stadt würden einer weit größeren Überflutungsgefahr zur Regenzeit ausgesetzt sein.

Champagner des Trinkwassers

Die Trockenlegung solcher Feuchtgebiete, sagt Kumar, zerstört aber noch etwas anderes, was nicht in Geld gemessen werden kann. Denn bei Menschen wie einem Fischer in den Feuchtgebieten im Osten Kalkuttas gehe es auch um ihre kulturelle Identität, die eng mit ihrem Leben in Verbindung mit dem Feuchtgebiet zusammenhänge. „Viele der indigenen Gemeinschaften, mit denen ich arbeite, trennen Menschen und Natur nicht, sie sind organisch mit der Natur verbunden“, sagt Kumar. „Sie sind gegen harte wirtschaftliche Bewertungen. Sie sagen: Das ist unser Leben, das sind wir.“

Auch der wahre Wert der Catskill Berge im US Bundesstaat New York ist sicher größer als die Versorgung von New York City mit sauberem Trinkwasser, sagt Daily. Denn die im Wasser gelösten natürlichen Stoffe geben ihm einen einzigartigen Geschmack, weshalb es oft auch als „Champagner des Trinkwassers“ bezeichnet wird. Manche glauben sogar, der besonders niedrige Kalzium- und Magnesiumgehalt sei zumindest zum Teil dafür verantwortlich, dass die New Yorker Bagels so gut sind.

Und nicht zuletzt ist da die Schönheit der Natur, deren Wert nur schwer zu beziffern ist. Daily bringt es auf den Punkt: „Würden Sie ein romantisches Wochenende lieber in einer Trinkwasseraufbereitungsanlage verbringen oder in den schönen Catskill Bergen?“

Im Projekt Countdown Natur" berichtet ein Team von 25 Journalistinnen und Journalisten mit Blick auf den UN-Naturschutzgipfel Ende 2021 über die Gefahren für die biologische Vielfalt und Lösungen zu ihrem Schutz. Die Recherchen wurden vom European Journalism Centre durch das Programm „European Development Journalism Grants“ gefördert. Dieser Fonds wird von der Bill & Melinda Gates Foundation unterstützt.

Unterstützen Sie „Countdown Natur“ mit einem Betrag Ihrer Wahl. Sie unterstützen so gezielt weitere Recherchen.
Andreas von Bubnoff

Andreas von Bubnoff

Andreas von Bubnoff ist freier Wissenschaftsjournalist und Multimedia Producer sowie Professor für internationale Wissenschaftskommunikation und crossmedialen Journalismus an der englischsprachigen Hochschule Rhein-Waal in Kleve. Ausserdem Mitbegründer des Pandemic Silence Project. Seine Veröffentlichungen sind erschienen in zahlreichen englisch- und deutschsprachigen Publikationen wie Washington Post, The Guardian, Los Angeles Times, Chicago Tribune, WIRED, The Atlantic, Nautilus, Quanta, Prevention, Science News, Nature, Frankfurter Allgemeine Zeitung, DIE ZEIT, und SonntagsZeitung. Für seine Arbeit wurde er mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Grimme Online Award.


Countdown Natur

Der Reichtum des Lebens auf der Erde ist in Gefahr. Es geht um die Zukunft unzähliger Tier- und Pflanzenarten und Lebensräume. Das betrifft uns Menschen existenziell. Es geht auch um sauberes Trinkwasser, unsere Nahrung und ein lebensfreundliches Klima. Ein Team von 25 Journalistïnnen von RiffReporter berichtet bei "Countdown Natur" über den Wettlauf gegen die Zeit und über Lösungsansätze. Wissenschaftlerïnnen sagen: Bisher hat der globale Naturschutz fast alle Ziele verfehlt. Kommt nun die Wende zum Besseren?

2021 entscheiden die Staaten der Erde bei zwei UN-Umweltgipfeln darüber, ob und wie sie gemeinsam die weitere Zerstörung der Lebensvielfalt aufhalten wollen. Dazu braucht es vertiefte Recherchen, ausführliche Berichterstattung und eine große Öffentlichkeit. Die Recherchen werden von der Hering-Stiftung Natur und Mensch, dem European Journalism Centre, der Andrea von Braun Stiftung und dem Hofschneider-Preis gefördert. Auch Sie können uns unterstützen!

Verantwortlich im Sinne des Presserechts

Andreas von Bubnoff

Feldstrasse 8
47533 Kleve

E-Mail: avbubnoff@gmail.com

www: http://www.andreasvonbubnoff.com

Weitere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

Faktencheck: Andreas von Bubnoff
VGWort Pixel