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Das schleichende Vogelsterben

In Deutschland leben heute 14 Millionen Vögel weniger als vor 25 Jahren

von
05.02.2020
7 Minuten
Ein Wiesenpieper auf dem Boden

Fast im Monatstakt versorgt uns die Wissenschaft mit neuen Fakten zum Ausmaß des ökologischen Dramas, das sich gerade unter aller Augen auf unserem Planeten abspielt. Mehr als eine Million Arten stehen vor dem Verschwinden, wenn in der Umwelt-, Klima- und Agrarpolitik weltweit nicht rasch umgesteuert wird, lautete etwa die Warnung des Welt-Biodiversitätsrats aus dem vergangenen Jahr.

Dass der Verlust der Artenvielfalt auch hierzulande dramatische Formen angenommen hat, zeigen Studien wie die viel beachtete Analyse der Krefelder Insektenforscher oder der Agrarreport des Bundesamts für Naturschutz. Nun gibt es aktuelle Daten zur Lage der Vögel in Deutschland. Auch sie zeichnen, zumindest in Teilen, das düstere Bild des schleichenden Artensterbens fort. Gute Nachrichten finden sich in dem Report aber auch, für den Hunderttausende Einzeldaten aus vielen Jahren Freilandarbeit tausender ehrenamtlicher Vogelbeobachter ausgewertet wurden.

Große Sperlingsschwärme sind heute in Deutschland ein seltener Anblick.
Ein Wiesenpieper auf dem Boden
Früher „Spatz der Wiese“ genannt, heute weit oben auf der Roten Liste. Wiesenpieper zählen zu den Vogelarten mit den größten Verlusten. Sie teilen das Schicksal mit anderen Arten, die in landwirtschaftlich genutzten Gebieten leben und auf dem Boden brüten.
Waldvögel wie der Mittelspecht sind seit einigen Jahren wieder häufiger zu beobachten.
Viele Vögel haben die Stadt als Lebensraum für sich entdeckt. So auch diese Grünfinken, die auf einem Berliner Balkon brüten.

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Eine männliche Großtrappe im Flug
Dank intensivem Schutz wieder im Aufwind: Mehr als 300 Großtrappen leben heute wieder in Deutschland. Ohne intensive Betreuung und einen großen Anteil an Öko-Landwirtschaft in ihrem Lebensraum wäre das nicht möglich.
Eine Gruppe aus rund 20 Weißwangengänse fliegen von rechts nach links durch das Bild. Der Hintergrund ist blauer Himmel.
Die Weißwangengans steht an der Spitze der Liste der Vogelarten, die gegenüber den 1990er Jahren am stärksten zugelegt haben. Die arktischen Gänse brüten nicht in Deutschland, überwintern aber in großer Zahl.
Ein Bienenfresser jagt Insekten in der Luft
Klimawandel-Profiteur: Bienenfresser können dank milderer Temperaturen mittlerweile auch Lebensräume in Nord- und Nordostdeutschland besiedeln.
Ein Porträtfoto eines Basstölpels mit strahlend weißem Gefieder und cremefarbener Nackenfärbung
Auch die auf Helgoland brütenden Basstölpel haben ihren Brutbestand in Deutschland stark erhöht. Fast 1000 Paare gibt es mittlerweile dort.
Zwei Verliererarten unter sich: Stieglitze haben gegenüber dem Beginn der 1990er Jahre um fast 70 Prozent im Bestand eingebüßt, Girlitze sogar um mehr als 80 Prozent.
Ein männliches Braunkehlchen singt auf einem grünen Zweig
Symbolart für den Schwund einstmals sehr häufiger Vogelarten in der Agrarlandschaft: Braunkehlchen haben in den letzten 25 Jahren mehr als die Hälfte ihrer Brutpaare in Deutschland verloren.
Eine männliche Amsel in einer grünen Wiese
Die Amsel ist gemeinsam mit dem Buchfink die häufigste Vogelart in Deutschland. Knapp zehn Millionen Paare brüten hierzulande.
Knapp zwei Drittel aller im Wattenmeer nach Nahrung suchenden Wasservogelarten zeigen Bestandsrückgänge. Sie sind damit die Artengruppe unter den Rastvögeln mit dem höchsten Anteil an abnehmenden Arten.
Zwei Rotkopfwürger streiten im Flug miteinander
In Deutschland nicht mehr zu beobachten: Luftkampf zweier Rotkopfwürger. Diese Vogelart ist seit 2009 in Deutschland ausgestorben.
Eine Gruppe Silberreiher in einem Teich
Der Silberreiher ist mittlerweile ein regelmäßiger, wenn auch noch seltener, Brutvogel in Deutschland. Große Ansammlungen der schönen Vögel sind aber seit vielen Jahren zu sehen.
Der Triel ist nach langer Abwesenheit wieder regelmäßiger Brutvogel in Süddeutschland.
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Thomas Krumenacker

Thomas Krumenacker

Thomas Krumenacker ist Journalist und Naturfotograf in Berlin. Neben den RiffReportern schreibt er für überregionale Zeitungen und Fachjournale über Wissenschaftsthemen.


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