„Wir hoffen, dass die Vogelgrippe nicht mutiert und sich die Kolonie binnen 10 Jahren erholen wird“

Sandra Bouwhuis untersucht als Ornithologin am Institut für Vogelforschung in Wilhelmshaven Flussseeschwalben und will zum Schutz der Vogelwelt beitragen. Doch nun hat die Vogelgrippe zugeschlagen

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Junge Frau mit einem weißen Helm auf dem Kopf, auf dem zwei Flussseeschwalben sitzen. Die Vögel haben weiße Federn, einen teils schwarzen Kopf und einen roten Schnabel. Sie sind länglich und sehen elegant aus.

Klimawandel, Quecksilber, Ölteppiche – bei ihrer Arbeit als Ornithologin am Institut für Vogelforschung in Wilhelmshaven hatte Sandra Bouwhuis es schon immer auch mit harten Umweltproblemen zu tun. Die Wissenschaftlerin untersucht, wie Tiere es trotz vieler Widrigkeiten schaffen, sich erfolgreich zu vermehren und warum Jungtiere, die ein und derselben Brutkolonie entstammen, derart unterschiedlich sein können, wie es beobachtet wird. Im Zentrum ihrer Forschung stehen Flussseeschwalben. In unserem „Vogelfragebogen" hat Bouwhuis uns verraten, wie sie zur Ornithologie kam, was sie zum Schutz der Vogelwelt tut und was sie machen würde, wenn sie für einen Tag Bundeskanzlerin wäre. Doch derzeit ist Bouwhuis vor allem Katastrophenmanagerin. Denn die an der Nordsee erstmals im Sommer wütende Vogelgrippe hat auch die Population von Flussseeschwalben erreicht, die sie seit Jahren untersucht.

Frau Bouwhuis, bevor wir zur Vogelgrippe kommen, einige persönliche Fragen. Wie haben Sie den Zugang zur Vogelwelt gefunden?

Ich hatte vor, Medizinische Biologie zu studieren und hatte mir dafür die Freie Universität Amsterdam ausgesucht. Dort gab es einen Professor, der in den Mittagspausen Vogelspaziergänge anbot. Ich glaube, es brauchte nur einen dieser Spaziergänge, um zu erkennen, dass ich eigentlich Biologie studieren wollte und dass ich gerne mit Vögeln arbeiten würde. Also zog ich 2002 nach Groningen und hatte das Privileg, von Leuten wie Rudi Drent und Joost Tinbergen viel über Vögel und Evolutionsökologie zu lernen. Ich verliebte mich auf der Insel Schiermonnikoog in Austernfischer, dann auf der Hoge Veluwe in Trauerschnäpper und auf Robben Island in Südafrika in Brillenpinguine. Wissenschaftliche Fragen zu stellen, sie zu beantworten und gleichzeitig Vögel in ihren natürlichen Lebensräumen zu beobachten hat sich als meine Lieblingsbeschäftigung herausgestellt. Ich bin sehr froh, dass ich dieses spät entwickelte Hobby zu meinem Beruf machen konnte.

Was bedeutet Ihnen Vogelbeobachtung in Ihrem Alltag – und was hält vom Beobachten ab?

Das Institut für Vogelforschung in Wilhelmshaven, an dem ich arbeite, befindet sich auf einer schönen kleinen Festung. Von meinem Bürofenster aus kann ich das ganze Jahr über Amseln, Rotkehlchen und Meisen beobachten. Im Frühling sehe ich täglich auch Fliegenschnäpper, ein Genuss! Außerdem arbeite ich mit Flussseeschwalben, die am Banter See in Wilhelmshaven brüten. Während der Brutsaison gehen wir dreimal pro Woche in die Kolonie, um Nester und Eier zu markieren, die Küken zu beringen und ihre Entwicklung bis zum Ausfliegen zu verfolgen. Die Vogelbeobachtung ist also ein großer Teil meiner eigentlichen Arbeit, und ich liebe sie. Was mich von der Vogelbeobachtung abhält, ist die Analyse von Daten und das Schreiben von Artikeln. Aber weil es dabei um die Vögel geht, die ich beobachtet habe, ist auch das schön.

Künstliche Insel mit Kieselsteinen und Flussseeschwalben.
Die Brutinsel für Flussseeschwalben auf dem Banter See.
Helfer bergen tote Seeschwalben in schwerer Schutzmontur, weißen Anzügen.
Insel Texel: Helfer bergen tote Seeschwalben in schwerer Schutzmontur.
Landkarte mit Orten wie Texel, Helgoland und Calais, wo die Vogelgrippe auftritt
Hotspots der Vogelgrippe im Sommer 2022.
Ein Paar der eleganten Vögel sitzt auf einer kleinen künstlichen Insel.
Ein Bild aus unbeschwerteren Tagen: Flussseeschwalben auf dem Banter See.

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Lektorat: Thomas Krumenacker