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Das mysteriöse Lummensterben

An der niederländischen Küste werden zahlreiche tote Trottellummen angespült. Forscher rätseln über die Ursache. Von Claudia Ruby und Thomas Krumenacker

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13.02.2019
8 Minuten

Ein rätselhaftes Vogelsterben beunruhigt die Menschen an der niederländischen Küste. Nach Schätzungen sind bereits rund 20.000 Vögel umgekommen. Betroffen sind fast ausschließlich Trottellummen, eine Hochseevogelart, von der derzeit vor der niederländischen Küste mehr als hunderttausend Tiere überwintern. Die Ursache für das Lummensterben ist noch ungeklärt.

Am Wochenende zählt Mardik Leopold normalerweise Austernfischer an der niederländischen Küste – doch in diesen Tagen kommt er nicht weit. Immer wieder klingelt das Telefon, Journalisten aus aller Welt rufen an und wollen wissen, was es mit den toten Trottellummen auf sich hat. Mardik ist Meeresbiologe, Nordsee- und Vogelexperte der Universität Wageningen. Er hat Ölunfälle untersucht, die Folgen von Windkraftanlagen für Seevögel und Meeressäuger erforscht und sich mit Plastikmüll und Unterwasserlärm beschäftigt. Doch dieses Mal steht er vor einem Rätsel.

„Es ist, als würde es tote Vögel regnen"

Angefangen hat es Mitte Januar auf der Insel Terschelling: Naturschützer fanden eine ungewöhnlich hohe Zahl an toten und stark geschwächten Trottellummen. Sie riefen Leopold dazu, und schnell war klar: „Hier ist etwas sehr Merkwürdiges im Gange.“ Mittlerweile wurden hunderte Vögel an die Strände gespült: von Terschelling im Norden bis Hoek von Holland im Süden. Im Schnitt taucht an jedem Strandkilometer etwa eine tote Trottellumme pro Tag auf. „Es ist so, als würde es tote Vögel regnen“, sagt Leopold, „es hört einfach nicht auf.“

Der Biologe geht davon aus, dass bis zu 20.000 Trottellummen verendet sind. „Das ist eine Schätzung, allerdings eine gute begründete.“ Man müsse davon ausgehen, dass längst nicht alle toten Vögel die Küste erreichen, denn Trottellummen verbringen ihr Leben auf hoher See. Nur zum Brüten kommen sie an die Land.

Trottellummen kommen nur zum Brüten an Land. Die einzige deutsche Kolonie des Hochseevogels befindet sich auf Helgoland.

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Ein Eissturmvogel fliegt von einer Klippe ab
Unter den tot aufgefundenen Seevögeln in den Niederlanden sind vereinzelt auch Eissturmvögel.
Eine große Gruppe Dreizehenmöwen dichtgedrängt über der Wasseroberfläche auf der Nordsee.
Auch Dreizehenmöwen überwintern in großer Zahl vor der niederländischen Küste. Offenbar ist die Möwenart nicht von dem Vogelsterben betroffen.
Hochseevögel, hier Dreizehenmöwen, brüten an steilen Klippen der Festlandsküste oder von Inseln. Den Großteil ihrer Zeit verbringen sie aber auf dem offenen Meer.
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Thomas Krumenacker

Thomas Krumenacker

Thomas Krumenacker ist Journalist und Naturfotograf in Berlin. Neben den RiffReportern schreibt er für überregionale Zeitungen und Fachjournale über Wissenschaftsthemen.


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