Das Vogelrätsel der Pharaonen

Entdeckt ein australischer Forscher mit modernen ornithologischen Methoden auf einem Fresko eine ausgestorbene Gänseart?

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Abbildung des Medium-Freskos mit mehreren Gänsezeichnungen

Es gilt als die „Mona Lisa des alten Ägytpen“: Das Gänse-Fresko vom Grabmal des Pharao-Sohns Nefermaat und seiner Frau Itet im ägyptischen Meidum wird in jedem Jahr von vielen Tausend Menschen bewundert. Während das Original im Ägyptischen Museum in Kairo aufbewahrt wird, zeigt das Metropolitan Museum of Art in New York ein Faksimile.

Viele Geschichten ranken sich um das erstaunlich farbintensive Gemälde. Einige Forscher halten es sogar für eine viel jüngere Rekonstruktion eines darunter verborgenen alten Meisterwerks aus der Zeit vor etwa 4.600 Jahren. Ein Aspekt blieb bislang allerdings weitgehend unbeachtet: Welche Vogelarten sind darauf eigentlich abgebildet? Ein Fall für den australischen Paläozoologen Anthony Romilio.

Er befasst sich am „Dinosaurier-Laboratorium“ der Universität von Queensland mit der Erforschung von Fossilien und anderen Zeugnissen der Vergangenheit, um mehr über die frühere Tierwelt zu erfahren. Nach eingehender Analyse des Freskos und mit Hilfe einer relativ neuen taxonomischen Methode der Artbestimmung könnte er der „Mona Lisa des alten Ägypten“ ein bisher verborgenes Geheimnis entlockt haben: die Existenz einer bislang unbekannten ausgestorbenen Vogelart. Wir sprachen mit dem Wissenschaftler über seine im Journal of Archaeological Science veröffentlichen Forschungsergebnisse und die Chancen, mit Hilfe der Archäologie mehr über ausgestorbene Arten herauszufinden.

Porträtfoto Anthony Romilio
Anthony Romilio forscht an der australischen University of Queensland über ausgestorbene Tierarten.
Abbildung des Medium-Freskos mit vier Gänsen
Die berühmten Meidum-Gänse
Zeichnungen von Tieren, die an Auerochse, Gartenrotschwanz und andere erinnern.
Rekonstruktionen anderer in der altägyptischen Kunst dargestellter Tiere, die möglicherweise ausgestorbene Arten abbilden

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