Das Problem mit den Brüsten. Eine Geschichte von Protest und Prüderie

Die Debatte geht erneut los: Sollten Frauen auch oben ohne schwimmen dürfen? Der Blick in die Vergangenheit zeigt, warum der nackte Busen ein Politikum ist – und was die Französische Revolution damit zu tun hat.

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Eine Abbildung des Krieges der Französischen Revolution. Im Vordergrund ist ein eine bewaffnete Frau mit entblößter Brust zu sehen,

In Göttingen dürfen nun auch Frauen oben ohne schwimmen. Das sorgt für Schlagzeilen. Grund genug, sich etwas genauer mit der weiblichen Brust zu beschäftigen – und der Frage nachzugehen: Was ist denn eigentlich das Problem mit dem Busen? Ein Kommentar.

Blankziehen als Statement hat Tradition, zumindest bei Frauen. Zum Beispiel für Klima- und Tierschutz. Gegen die Ehrung umstrittener Künstler (Paris, 2017: Die feministische Gruppierung Femen boykottierte Roman Polanskis Werkschau), gegen veraltete Gesetze (Buenos Aires, 2017: Frauen wurden von der Polizei gehindert, sich oben ohne zu sonnen) und nicht zuletzt gegen die Verschärfung des Abtreibungsgesetzes in Polen oder auch gegen die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie. Egal, wofür oder wogegen Frau auf die Straße geht: Geht es in irgendeiner Form um Freiheitsrechte, wird der Busen ausgepackt. Doch paradoxer könnte das kaum sein. Denn der Busen selbst genießt keine oder kaum Freiheit. Wie viele weibliche Brustwarzen wurden bereits von sozialen Netzwerken wie Instagram gelöscht, während dort männliche Brustwarzen unbehelligt die Feeds füllen? Auch öffentliches Stillen ist immer noch ein Aufreger.

Im Schwimmbad steht ebenfalls Prüderie an der Tagesordnung. Der gesellschaftliche Konsens lautete bisher stets: Männer dürfen mit nacktem Oberkörper baden, Frauen nicht. Im Sommer 2021 wurde eine Person, die sich als nichtbinär identifiziert, des Schwimmbades in Göttingen verwiesen, weil sie kein Oberteil trug. Nicht der erste Vorfall dieser Art in Deutschland. Doch bisher folgten den Debatten keine Veränderungen.

Die intersektionale feministische Bewegung „Gleiche Brust für alle” hatte davon aber die Nase voll und wollte in puncto Badekleidung für Gleichberechtigung sorgen. Genauer gesagt möchten sie mit ihrer Petition erwirken, dass alle Personen unabhängig des Geschlechts sich gleichermaßen ohne Einschränkungen mit freiem Oberkörper bewegen dürfen. Das ist teilweise gelungen. Seit dem 1. Mai dürfen in Göttingen nun alle oben ohne schwimmen. Zumindest am Wochenende. Etwas Auslauf für den Busen. Juhu.

Wieso also diese Ambivalenz? Wie kann es sein, dass die weibliche Brust gleichzeitig Freiheitskämpferin und Persona non grata ist ? Die französische Soziologin, Philosophin und Politikwissenschaftlerin Camille Froidevaux-Metterie hat in der Vergangenheit geforscht und liefert in ihrem Buch „Brüste. Auf der Suche nach Freiheit“ hat in der Vergangenheit geforscht ein paar Antworten.

Eine Frau stillt ihr Kind
„Stillende Maria“ von Barnaba da Modena, wird auf ca. 1370 datiert. Dieses Bild hängt im Louvre.

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