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Keine Känguru-Waise kann ohne Kuscheln

Joey Jo-Jo wuchs in einem Beutel aus Schafswolle auf

02.09.2021
7 Minuten
Känguru-Nachwuchs Jo-Jo vor einem kleinen See auf dem Grundstück, auf dem das östliche Riesenkänguru aufgezogen wird. Auf dem Bild ist das Joey etwa sieben Monate alt.

Wenn Känguruweibchen, von Autos angefahren werden, an Krankheiten sterben oder den Nachwuchs verstoßen, bleiben ihre Babys allein zurück. Das passiert in Australien jeden Tag, und die Joey genannten Jungtiere können – auf sich allein gestellt – nicht überleben. In Folge III der Känguru-Diaries treffen wir Jo-Jo, eine Känguru-Waise, die eine Adoptivfamilie fand.

  • In Folge 1 der Diaries ging es um das Box-Verhalten der Boomer, in der zweiten Folge warfen wir einen Blick in den Beutel. Der Nachwuchs in Teil III der Diaries, hat zwar seinen echten Beutel, sprich seine Mutter zu früh verloren, aber er hatte Glück: Drei Nachbarn nahmen das Tier auf und lernten, es zu versorgen. Sein Beutel-Ersatz wurde eine zusammengenähte Decke aus Schafswolle, in der es sich zum Schlafen und Kuscheln einrollen kann. Während es auch in Australien durchaus Menschen gibt, die meinen, es gebe ohnehin zu viele Kängurus, bringen andere es nicht übers Herz, mutterlosen Nachwuchs sterben zu lassen. Zu ihnen gehört Aaron Shanks, der die Wildtierwaise gemeinsam mit zwei Freunden aus der Nachbarschaft aufnahm – und das Tier Jo-Jo nannte.
Aaron Shanks hält das Känguru-Joey Jo-Jo auf dem Schoß und füttert es aus einer Flasche mit Milchersatz.
Aaron Shanks gibt Jo-Jo in dieser Phase täglich etwa 600ml Milchersatz.
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In den Känguru Diaries dreht sich alles um Australiens tierische Ikonen: Sind die etwa 45 Millionen Kängurus, die zwischen den 25 Millionen Australiern und Australierinnen herumhüpfen eigentlich eher eine Plage? Oder vor allem putzig und gute Fell- und Fleischlieferanten? Können Kängurus schwimmen? Wer boxt wann und wen, und können Kängurus mit den Ohren wackeln? Ich habe reichlich Geschichten für Sie, die hoffentlich nicht nur lehrreich sind, sondern auch Spaß machen. Und dazu viele Bilder – vor allem von Östlichen Riesenkängurus (Eastern Grey/Macropus giganteus) und Rotnacken Wallabys (Red-necked Wallabies/Macropus rufogriseus), denn die leben direkt vor meiner Haustür an der Ostküste von New South Wales.

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Viele Joeys überleben die ersten Monate ohne Mutter nicht, oft weil sie an Myopathie erkranken. Bei Beuteltieren ist das eine Art Stress-Leiden. Auch erwachsene Tiere können Myopathie bekommen, etwa wenn sie von Hunden gejagt werden oder aus anderen Gründen extremer Anspannung ausgesetzt werden. Doch besonders häufig tritt die Krankheit beim Nachwuchs auf, greift dann die Muskeln an und lässt die Tiere meist binnen kurzer Zeit verenden.

Crash-Kurs für junge Adoptiv-Väter

Jo-Jo hatte Glück, Seine neuen Mütter – Aaron und seine Freunde Adam und Shantell – informierten sich, was sie für das Tier tun konnten und machten sich an die Arbeit. Am wichtigsten waren – neben dem Füttern mit Milchersatz – Wärme, Sicherheit und Zuwendung. In vielen Wildtier-Rettungseinrichtungen versorgen in Australien Institutionen verletzte Tiere, noch häufiger aber sind es Freiwillige, die sich der Tiere annehmen.

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Jo-Jo frißt längst auch das Hauptnahrungsmittel älterer Kängurus – Gras. Zusätzlich bekommt er, wie seine Altersgenossen Milch. Nur eben nicht von seiner Mutter, sondern von Aaron, der inzwischen perfekt im Fläschchen-Zubereiten ist. Etwa 600 mL Milchersatz trinkt Jo-Jo derzeit pro Tag. Die Mischung kommt aus dem Tierhandel und ist nicht billig.

Im Buschland rund um Aarons Zuhause in einer Kooperative an der Ostküste von New South Wales leben Wallabys und viele Graue Riesenkängurus in größeren Gruppen, den mobs, insofern kann Jo-Jo inzwischen auf abendlichen Ausflügen seinesgleichen treffen und wie andere Teenager die Unabhängigkeit ausprobieren. Stundenlang hüpft er durchs Buschland, grast und erkundet die Umgebung. Noch kommt er fast jeden Abend heim. Die Nachbarn, die sich etwa 650 Hektar Buschland teilen, halten weder Hunde noch Katzen, um der heimischen Tierwelt bessere Chancen zu geben. Auch das ist für Jo-Jo ideal, denn Hunde gehören zu den Feinden von Kängurus.

„Die Experten sagen, er hat durch diese Bedingungen, die besten Bedingungen und gute Chancen groß zu werden“.

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Wer Wildtiere pflegt, entscheidet sich nicht nur für eine verantwortungsvolle Aufgabe – er muss sich auch auf Kritik gefasst machen: „Du vermenschlichst Jo-Jo!“ – „Er wird sich später in freier Wildbahn nie zurecht finden!“ – „Du verwöhnst ihn zu sehr!“: Aaron und seine Freunde haben im Laufe der Monate viele Vorwürfe gehört – vor allem sagt er, „von Leuten, die selbst nicht viel Ahnung haben.“ Er dagegen beobachtet Jo-Jo genau, holt sich Rat bei Experten, und sorgt dafür, dass das Tier sowohl die nötige Nestwärme bekommt, aber auch Kontakt mit anderen Kängurus hat.

Für ihn sind Gesundheit und Wohlbefinden des Tiers das Wichtigste. Er gibt aber sofort und gerne zu, dass ihm die Sorge um ein Lebewesen auch selbst zugute kommt und ihn glücklicher macht: „Ich war noch nie wirklich für ein Tier verantwortlich“, sagt der 35-jährige Australier, der auf seine Art in der „Wildnis“ zu Hause ist. Er prooduziert Podcasts übere Erlebnisse in der Natur, sucht leidenschaftlich selbst Abenteuer, surft etwa in der Arktis oder besteigt alleine Gipfel. „Ich musste mich bislang vor allem um mich selbst kümmern. Für ein anderes Lebewesen voll verantwortlich zu sein, ist etwas Besonderes.“

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Im Laufe der Monate hat Jo-Jo immer längere Ausflüge in die Umgebung gemacht, war nachts mit den anderen Eastern Greys unterwegs und kam immer kürzer zu Aaron „nach Hause“. Die Zoologen haben ihm gesagt, dass Jo-Jo sich entwickeln werde wie die übrigen Kängurus, nur wird er mehr an den Umgang mit Menschen gewöhnt bleiben. Auf dem Grundstück der Kooperative ist das kein Problem: „Wir haben keine Gewehre und schießen nicht auf heimische Wildtiere.“ Die fehlende Menschenscheue dürfte daher für Jo-Jo auch dann kein Problem sein, wenn er nicht mehr für eine Runde Milch oder zum Kuscheln nach Hause kommt, sondern als ausgewachsener Boomer unterwegs ist.

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Die AustralienStories wünschen Jo-Jo nur das Beste und danken Aaron Shanks für den Einblick in den Alltag der Aufzucht eines jungen Kängurus.

Bislang erschienen in den Känguru-Diaries:

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Julica Jungehülsing

Julica Jungehülsing

Julica Jungehülsing lebt und arbeitet seit 2001 als freie Korrespondentin in Australien


AustralienStories

Australien ist extrem: im Innern leer und trocken, an den Küsten Strände, Surfer, Städte. Koalas werden geliebt, Katzen gejagt. Und die Leute sind relaxt, außer es geht um Cricket oder den Klimawandel.

In unseren AustralienStories erzählen wir von diesen Extremen – und vom ganz normalen Leben. Wir erkunden wenig bekannte Orte, interviewen besondere Menschen, gucken vor und hinter die Kulissen des happy-go-lucky-Kontinents. Ob Sie in Australien reisen oder leben oder davon träumen, oder einfach gerne den Horizont vergrößern – hier finden Sie Stoff zum Lesen und Staunen, Wundern oder Lachen.

Wir, das sind: Julica Jungehülsing, die seit 2001 als freie Korrespondentin zwischen Pazifik, Nationalpark und Busch lebt. Und Katja Trippel, die ein gutes Jahr als Journalistin in der „big country town“ Adelaide arbeitete und nun über ihre Entdeckungen schreibt.

Verantwortlich im Sinne des Presserechts

Julica Jungehülsing

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