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Annalena sagt, wie Deutschlands Zukunft aussehen muss

15.07.2021
3 Minuten

“Jede Nacht um halb eins, wenn das Fernseh’n rauscht,
leg’ ich mich aufs Bett und mal mir aus
wie es wäre, wenn ich nicht der wäre, der ich bin,
sondern Kanzler, Kaiser, König oder Königin!”

sang Rio Reiser.

Wir haben #50-Annalenas gefragt, was sich in Deutschland ändern muss. Nicht-repräsentative, nicht-widerspruchsfreie Zukunftsszenarien

Die Annalena-Schule

In einem Annalena-Schulsystem lernen Schüler:innen nach neuem Lehrplan. “Mathe kann man nach den Basics abwählen”, Religionsunterricht gibt es nicht mehr. Dafür wird in einer Anna-Lena-Schule “die Lehre der Achtsamkeit, Yoga und Meditation flächendeckend integriert”. Lehrer:innen behandeln “wichtige Themen für das zukünftige Leben wie Versicherungen und Steuern”, “Rassismus, Ungerechtigkeit” oder “psychische Gesundheit, Umgang mit Stress und It-Kompetenzen”. Der Bildungsplan einer Annalena sieht “weniger Beschleunigung und weniger Gesamtschulen” vor, es gibt “kleinere Klassen, keine Benotung, weniger Leistungsdruck”. Bildungspflicht statt Schulpflicht.

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Die Annalena-Mobilität

Der öffentliche Nahverkehr ist vielen Annalenas zu teuer und muss “günstiger und zuverlässiger” werden. Eine Anna-Lena würde “Fahrzeuge mit Wasserstoffantrieb statt Batterien” subventionieren und “flächendeckend und rasch Tankstellen” dafür bereitstellen. Andere Anna Lenas wünschen sich “Shared Spaces, die keinen Verkehrsteilnehmer bevorzugen”. Insgesamt müssten Menschen im Verkehr mehr Rücksicht aufeinander nehmen: “schlecht geparkte Scooter, die den Gehweg blockieren und Radler, die auf dem Gehweg rasen”, sollten der Vergangenheit angehören. Die Städte werden “fahrradfreundlich” und “Kurzstreckenflüge gestoppt”.

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Die Annalena-Nachhaltigkeit

Viele der #50Annalenas fordern “sozialverträgliche Klimapolitik” und die Einhaltung des Pariser Klimaabkommens. Eine Anna-Lena fordert “nachhaltigen und bewussten Umgang mit Lebensmitteln und deren Verpackungen”. Eine andere Anna Lena wünscht sich, dass “alle Menschen Veganer:innen” werden, eine andere schafft in ihrem Zukunftsszenario den Emissionshandel ab und führt stattdessen die “Unterstützung von Unternehmen zur Erreichung der Klimaneutralität” ein. Gäbe es eine “sofortige und radikale Energiewende”, wären mehrere Annalenas dafür.

Die Annalena-Arbeitswelt

Geht es nach einer Annalena, würde der Mindestlohn runtergestuft und “Menschen, die für ihren Job gekämpft und gebüffelt haben” würden mehr verdienen. Eine andere Anna-Lena würde die “politischen Rahmenbedingungen für Jungunternehmer verbessern”, wieder eine andere eine 4-Tage-Woche einführen. Anna-Lenas wünschen sich “mehr Frauen in Führungspositionen” und eine “einfachere Integration von Menschen mit Behinderung in die Arbeitswelt.” Ginge es nach einer Annalena, gäbe es in Deutschland ein “bedingungsloses Grundeinkommen” und “Leute, die sich um unsere Kinder kümmern” erhielten den gleichen Lohn wie “Leute, die sich um unser Geld, um materielle Wirtschaftsgüter und im schlechtesten Fall sogar Waffen im internationalen Handel ‘kümmern’”. Hätten einiger der Anna-Lenas das Sagen, müssten Beamte übrigens in die Rentenkasse einzahlen und “Unternehmen, die die Umwelt verschmutzen” mehr Steuern zahlen.

Die Annalena-Gesellschaft

Im Zukunftsszenario von Annalenas ändert sich vieles: Es gibt “bezahlbaren Wohnraum” für alle, manchmal sogar “in Arbeitsnähe, um Verkehr, Umwelt etc. zu entlasten”. Deutschland wäre “kein ‘Entwicklungsland’ in Sachen Digitalisierung mehr”, es gäbe “WLAN auf Plätzen, aber auch in Bussen und Bahnen”, dazu “Infrastruktur und Endgeräte, unabhängig vom Geldbeutel, für Menschen von der Schule bis zum Altenheim”.

In der Annalena-Vision von Gesellschaft würde die Polizei besser überwacht und mehr ”für die Integration von Geflüchteten” getan. Eine Anna Lena würde außerdem ein Bonus-System für öffentliche Baustellen einführen, damit diese “möglichst effizient fertig gestellt werden”. Eine Anna-Lena würde Schwimmbäder sanieren und “erschwinglichen Schwimmunterricht für alle” einführen. “Denn jeder Badeunfall ist einer zu viel”.

In der Gesellschaft gingen die Menschen mehr aufeinander zu, das wünschen sich Anna-Lenas. Es gäbe weniger “Sozialneid, Frontenbildung und Gegeneinander”, dafür mehr ”Offenheit & Toleranz gegenüber Neuem, mehr Fokus auf Kunst & Kultur”.

Welche Forderungen und Wünsche umgesetzt werden, entscheidet der nächste Deutsche Bundestag. Wahlberechtigt sind 60,4 Millionen, darunter auch #50Annalenas.

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tactile.news

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tactile.news ist ein journalistisches Innvoationslabor mit Sitz in Lüneburg. Als Partner für Redaktionen bietet das Lab Workshops, Design Sprints und Formatentwicklungen an. Im Team mit Entwickler*innen, Maker*innen, Designer*innen und Social-Media-Expert*innen entsteht Treibstoff für überraschenden, einzigartigen Journalismus – ausgezeichnet etwa mit dem Deutschen Reporterpreis oder nominiert für den Grimme Online Award.

Für tactile.news schreiben aktuell Carla Moritz, Lisa Göllert, David Bartels, Astrid Csuraji, Jakob Vicari und Bertram Weiß.


#50Annalenas

Schon immer hießen Mädchen in Deutschland Lena und Anna. In den 90ern fügten sich Teile zusammen, die vorher unversöhnlich waren. Aus Liam und Noel wurde Oasis. Aus Ost und West wurde ein Deutschland. Aus Bündnis 90 und den Grünen wurde Bündnis 90/Die Grünen. Und aus Anna und Lena wurden immer mehr Annalenas. Eine dieser Annalenas könnte die neunte deutsche Bundeskanzlerin werden. Wie wird die Annalena-Republik aussehen? 

Wir fragen die, die die Annalena-Perspektive längst haben. #50Annalenas sucht den Dialog mit 50 Menschen, die ganz zufällig eins gemeinsam haben: Ihren Vornamen. Von der 16-jährigen Schülerin bis zur 72-jährigen Rentnerin wollen wir wissen, was sie ärgert, wovon sie träumen und welche Themen Annalenas wichtig sind. Und wieviel Annalena in Deutschland steckt.

Bis zur Bundestagswahl im September stellen wir den 50 Annalenas Fragen über ihren Kanal der Wahl. Die Fragen drehen sich um Politik, Entscheidungen, Verantwortung, Humor und was uns spontan sonst noch interessiert. 

Im Gegensatz zu anderen Redaktionen, wollen wir keine repräsentative Wahl-Community oder anonyme Politbarometer. Wir suchen kein Mini-Abbild, in dem es mathematisch-statistisch so zugeht wie in der deutschen Bevölkerung. Wir wollen echte Stimmen! 

Und fragen: Was denken 50 Annalenas im Wahljahr über Deutschland?

Ab dem 1. Juli 2021 geht es los.

Verantwortlich im Sinne des Presserechts

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Weitere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

Redaktion: tactile.news, Carla Moritz
Lektorat: tactile.news, Astrid Csuraji
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