Wie leicht darf Leichte Sprache sein?

Museen bieten immer öfter Alternativen zum Kuratoren-Text an

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Schwarzweiß-Bild, Porträtfoto einer lächelnden Frau mit brünettem Pagenschnitt.

Eine für alle verständliche Sprache sollte auch im Museum Standard sein. Doch hört die Barrierefreiheit meist bei Aufzug und Rampe für Rollstuhlfahrer auf. Dabei wäre für Kunsthallen und Sammlungen aller Art die Entwicklung von Angeboten in Einfacher und Leichter Sprache eine große Chance, in Kontakt mit einem neuen Publikum zu kommen. Yvette Wagner hat viele Jahre als Online-Redakteurin der Tageszeitung „Rheinpfalz“ gearbeitet, heute bietet sie Beratung und Dienstleistungen rund um das Thema Einfache und Leichte Sprache an. Für den Beltz Verlag hat sie inzwischen drei Kinder- und Jugendbücher in Einfache Sprache übertragen, Vereine, Firmen und Behörden gehören zu ihren Kunden. Sie betreut aber auch eine Redaktionsgruppe einer „Werkstatt für behinderte Menschen“. Inklusion ist für sie nicht nur ein Wort, sondern eine zentrale politische Forderung.

DebatteMuseum Was ist an Einfacher Sprache so besonders? Ist Einfache Sprache nicht eine Kernkompetenz der Journalisten?

Yvette Wagner Wir Journalisten sind uns dessen bewusst. Wir wenden die Regeln der Einfachen Sprache an, das heißt, dass wir keine übermäßig langen Sätze schreiben. Wir drücken uns klar und verständlich aus. Wir erläutern Zusammenhänge, die den Lesern unbekannt sind. Wir achten auf eine gute Struktur des Textes. Das sind alles Dinge, die die Einfache Sprache empfiehlt. Abseits des Journalismus erlebe ich aber immer, dass Verfasser ihre Texte unnötig verkomplizieren. Dahinter steckt der Gedanke, dem Schriftlichen mehr Gewicht einzuräumen. Ich glaube aber, dass dieser Gedanke falsch ist. Damit werden Texte meist abstrakter, und es werden auch weniger Inhalte zum Ausdruck gebracht. Deswegen ist Einfache Sprache das Mittel der Wahl, wenn ich einen Großteil der Bevölkerung unabhängig vom Bildungsstatus ansprechen möchte. Leichte Sprache hingegen wendet sich an eine ganz besondere Zielgruppe, an Menschen mit einer sogenannten geistigen Behinderung oder an Schlaganfallpatienten oder auch an Migranten, denn Leichte Sprache kann auch ein erster Schritt in die deutsche Sprache sein.

Migranten, Leichte Sprache und Museum: Wie kommt das zusammen?

Das Salzburg Museum arbeitet nicht nur seit einiger Zeit mit Leichter Sprache, und im Museum finden auch Deutschkurse statt. Anhand der leicht zu verstehenden Texte lernen die Zugewanderten nicht nur die Sprache, sondern auch die Geschichte der Region kennen. Und zusätzlich bringt man die Leute ins Museum, denn die größte Hürde ist für viele noch immer, diese Wissenstempel überhaupt zu betreten.

Eine junge Frau steht im Museum vor einer Info-Station und dreht an einer Trommel, die Informationen in verschiedenen Formen anbietet.
Über eine drehbare Trommel können BesucherInnen wählen, ob ihnen die Informationen zu der Ausstellung „Europa und das Meer“ im Deutschen Historischen Museum in Leichter oder Einfacher Sprache lieber ist.
Das Foto zeigt einen Ausstellungsraum mit einer Stellwand. Darauf ist ein Monitor angebracht, über den Inhalte in Gebärdensprache laufen. Auf dem Boden ist ein Leitsystem für sehbehinderte Menschen angebracht.
Das Deutsche Historische Museum in Berlin erprobte 2019 in der Ausstellung „Europa und das Meer“ verschiedene alternative Sprachangebote wie etwa ein Gebärdensprache-Video.

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