Diese Probleme sehen Psychiaterïnnen und Psychologïnnen mit der geplanten Cannabis-Legalisierung

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) kündigte an, dass sich das Bundeskabinett in dieser Woche mit dem geplanten Gesetzesentwurf zur Cannabis-Legalisierung befasst. Auch wenn das Gesetz Psychiaterïnnen und Psychologïnnen in mancher Hinsicht entlasten könnte, sehen sie darin einige Probleme.

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Ein Mann zündet einen Joint an

Deutschland kommt der Freigabe von Cannabis ein Stück näher. Noch in dieser Woche soll sich das Bundeskabinett mit dem Gesetzesentwurf aus dem Gesundheitsministerium zur Cannabis-Legalisierung befassen. Doch Psychiaterïnnen und Psychologïnnen sehen die Vorhaben der Ampelregierung kritisch – obwohl die Teillegalisierung auch für sie einige Vorteile mit sich bringen würde. Die Pläne der Bundesregierung seien extrem, sagt Prof. Dr. Euphrosyne Gouzoulis-Mayfrank.

Sie ist Psychiaterin und Neurologin und President Elect der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde e. V. (DGPPN). Außerdem hat sie an dem Positionspapier „Cannabis-Legalisierung: Prävention und Jugendschutz sind nicht verhandelbar“ und an einer aktuellen Stellungnahme der DGPPN zum Gesetzesentwurf der Bundesregierung mitgeschrieben.

Frau Gouzoulis-Mayfrank, wie stehen Sie als Psychiaterin zu den Vorhaben der Bundesregierung?

Ich kann nachvollziehen, weshalb die Bundesregierung dieses Gesetz auf den Weg bringen möchte: Der Konsum ist in den vergangenen Jahren gestiegen und der Anteil der THChochprozentigen Züchtungen von Cannabis-Pflanzen nimmt zu. Hinzu kommen synthetische Cannabinoide und Verunreinigungen, die zusätzliche Gesundheitsrisiken mit sich bringen.

Das erklärte Ziel ist letztendlich eine Harm Reduction, also Schadensminimierung durch einen kontrollierten Anbau von sauberen und nicht schädlichen Cannabisprodukten in Kombination mit Aufklärungs- und Präventionsmaßnahmen.

Welche Vorteile hat das Gesetz für Psychiaterïnnen und Psychologïnnen, wenn mehr „reines“ Cannabis verkauft wird?

Wenn das Cannabis, das konsumiert wird, nicht verunreinigt und nicht sehr hochprozentig ist, hätte das natürlich einen Vorteil. Durch den illegalen Markt ist mehr verunreinigtes Cannabis im Umlauf, und er beinhaltet auch das große Problem der synthetischen Cannabinoide, die zum Teil heftige Psychosen mit sich bringen können.

Ich habe also die Hoffnung, dass wir durch das neue Gesetz weniger mit diesen Problemen zu tun haben werden. Eine andere Hoffnung für mich als Psychiaterin: Wenn der Zugang zu Cannabis auf legalem Weg möglich ist, kommt es vielleicht weniger dazu, dass der Dealer dem Kunden nicht nur Hasch, sondern auch noch weitere Drogen verkauft. Und: Die Konsumenten werden nicht kriminalisiert – wenn es zu Beschwerden bzw. einer Erkrankung kommt, suchen sie vielleicht eher Beratung und Behandlung und haben weniger Hemmungen, sich zu öffnen.

Eine Frau mit schwarzen, kurz gewellten Haaren lächelt in die Kamera.
Die Psychiaterin Euphrosyne Gouzoulis-Mayfrank sieht die Cannabis-Freigabe in Deutschland in der aktuell geplanten Form kritisch.

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