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Hilft die Impfung auch gegen mutierte Corona-Viren?

FAQ zur Corona-Pandemie

02.02.2021
2 Minuten
Eine Gesundheitsarbeiterin hält eine Ampulle mit dem Coronavirus-Impfstoff Oxford-AstraZeneca hoch, um ihn in einem Krankenhaus in Kathmandu, Nepal, den Gesundheitsarbeiter an vorderster Front zu verabreichen.

Was bedeuten die Corona-Mutanten für die Impfungen?

Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten. Neue Virus-Varianten haben mehrere genetische Mutationen. Die RNA eines mutierten Virus unterscheidet sich also an mehreren Stellen von der RNA des Sars-Cov-2. Jeder Impfstoff muss für deshalb jede neue Variante des Coronavirus einzeln getestet werden. Die Zahl der bekannten Mutationen hat etwa 12.000 erreicht. Das Robert-Koch-Institut beobachtet derzeit in Deutschland die Verbreitung von 17 neuen Virusvarianten, denen zugetraut wird, dass sie für das Infektionsgeschehen eine Rolle spielen können.

Ein wichtiger Teil des Impfschutzes gegen SARS-CoV-2 beruht darauf, dass Antikörper gebildet werden, die die Stellen auf der Virushülle blockieren, mit denen sich Sars-CoV-2 an menschliche Zellen bindet. Mutationen der Viren-RNA können die Oberfläche der Virushülle verändern und damit die Schutzwirkung der Antikörper verringern.

Die Impfstoffhersteller können die Folgen der Mutationen im Labor testen. Sie verwenden künstlich hergestellte sogenannte Pseudoviren, die einige der Mutationen aufweisen, und versetzen sie mit Blutseren von geimpften Personen. Dann verfolgen sie, ob die Viren von den Antikörpern neutralisiert werden. Diese Labortests können nur die Reaktion der Antikörper prüfen, nicht aber die Rolle von T-Zell-vermitteltem Impfschutz. Deshalb müssen zusätzliche klinische Studien durchgeführt werden.

Manche Corona-Impfstoffe müssen angepasst werden

In Deutschland löst die in Großbritannien entdeckte Variante B.1.1.7 etwa 88 Prozent der entdeckten Infektionen aus. Alle aktuell zugelassenen Corona-Impfstoffe schützen gegen diesen neuen Virustyp. Diese Aussage gilt aber nur eingeschränkt, wenn B.1.1.7 außerdem die Mutation E484K aufweist. Die Auswirkung dieser zusätzlichen Mutation, die in Deutschland sehr selten ist, wird noch untersucht.

Eine Studie der Universität Oxford ergab, dass mehrere Impfstoffe auch gegen die in Brasilien entdeckte Variante P.1. schützen. Das hatten die Forschenden zunächst nicht erwartet, weil sich P.1. und B.1.1.7 im Muster der Mutationen unterscheiden.

Die erstmals in Südafrika entdeckte Variante B.1.351 bereitet den Impfstoffentwicklern die größte Sorge. Alle bisher zugelassenen Impfstoffe bieten hier einen deutlich schlechteren Schutz, einige werden sogar unwirksam. Die Entwickler wollen ihre Produkte für die südafrikanische Variante anpassen. Der US-Hersteller Moderna gab Ende Februar bekannt, dass das Unternehmen die Herstellung eines variantenspezifischen Impfstoffkandidaten mRNA-1273.351 gegen die Variante B.1.351 abgeschlossen habe und diese nun für eine klinische Phase-I-Studie bereitgestellt werden.

Die Varianten A.27, B.1.138 und B.1.525 sind in Deutschland beobachtet worden, aber sehr selten. Hier gibt es noch keine öffentlich zugänglichen Daten. In einer ersten Einschätzung rechnet sowohl der Hersteller Biontech als auch einige Forscher damit, dass die bisherigen Impfstoffe auch gegen die in Indien verbreitete Variante B.1.617 schützen werden.

(Rainer Kurlemann, aktualisierte Fassung, Stand 2.5.2021)

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