Rätselhafte Wanderfische

Um sie besser schützen zu können, müsste man mehr über sie wissen.

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Ein atlantischer Lachs fliegt beim Sprung gegen die starke Wasserströmung über einem Wehr vollständig in der Luft.

Die 100 drängendsten Fragen zur Zukunft der Fischwanderungen haben Forscherinnen und Forscher für eine Veröffentlichung im Fachjournal Frontiers in Ecology and Evolution zusammengetragen.

Fischwanderungen sind wichtig für die Ökologie von Meeren sowie von Flüssen und Bächen bis weit in die Landschaften hinein, durch die sie fließen. Für viele Menschen hängen Ernährung und Existenzgrundlage davon ab, dass große Mengen Fisch regelmäßig wandern. Trotzdem beinträchtigen Wasserverschmutzung, Fischerei, Sperren in Flüssen und Bächen und viele andere Stressfaktoren jeden Tag die Wanderung von Fischen, sagt Robert Lennox von der norwegischen Forschungsorganisation NORCE.

„Die Bedrohungen für wandernde Fische nehmen schneller zu als unser Wissen über diese Arten und ihr Verhalten.“ (Robert Lennox, Fischbiologe)

Robert Lennox arbeitet in Bergen am NORCE-Labor für Süßwasserökologie und Binnenfischerei. In einem internationalen Team von Forscherinnen und Forschern hat er die Sammlung und Auswahl der 100 Fragen geleitet. Sie sollen „die Grundlage für zukünftige Forschungen über Wanderungen der Fische bilden, die Wissenslücken schließen und helfen, diese wichtigen Arten besser zu schützen.“

Was ist überhaupt ein Wanderfisch?

Spektakulär sind die weiten Wanderzüge von Arten wie Lachs oder Aal zwischen Meer, Flüssen und Bächen tief im Binnenland. Solche Langstreckenwanderer legen teilweise tausende Kilometer zurück; einzelne Stadien der Wanderung können Jahre dauern. So stammen die Aale in den Flüssen, Bächen und Seen Europas alle aus dem Sargassomeer, einem Seegebiet östlich von Florida. Von dort gelangen sie noch als Larven über tausende Kilometer quer durch den atlantischen Ozean an die Mündungen der Flüsse in Europa. Einige Fische bleiben im Mündungsgebiet. Doch viele ziehen flussaufwärts zum Teil bis tief ins Binnenland hinein, wo sie in Bächen, Flüssen und Seen leben, bis sie geschlechtsreif sind. Dann treten sie die Rückreise durch die Flüsse bis ins Sargassomeer an. Ein Jahr brauchen sie für diese Strecke von gut 5000 Kilometern. Sie fressen auf dieser Reise nichts. Deren einziger Zweck ist die Fortpflanzung. Nach dem Laichen in den Tiefen des Sargassomeeres sterben die weitgereisten Fische.

Braunbär sitzt in einem Fluss. Springender Lachs befindet sich direkt vor dem Maul des Bären.
Wenn Lachse von Raubtieren, wie hier von Braunbären in Alaska, gefressen werden, kann sich das tiefgreifend auf die Ökologie der Landschaft auswirken.
Lächelnde Frau auf einem Boot hält auf ihren Händen einen großen Fisch, eine Meerforelle, vor sich.
Das Wanderverhalten der Meerforellen gehört zu den Themen, an denen Kim Birnie-Gauvin von der Dänischen Technischen Universität in Silkeborg forscht.
Zwei Frauen mit Sonnenhüten hocken am Ufer eines Gewässers vor drei mit Fischen gefüllten Körben. Jede hält einen Fisch in der Hand. Hinter und neben ihnen stehen zwei weitere Personen.
Bei Stung Treng in Kambodscha handeln Frauen mit Fischen aus dem Mekong. Fischerei im Mekong ist Existenzgrundlage für Millionen Menschen in Südostasien.

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Fotografie: Kevin Wells, Kim Birnie-Gauvin, Mark Kostich, Kirk Winemiller