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20 Dinge, die Sie 2020 tun sollten

Ihre Bucket-List für journalistische Innovation

25.06.2020
4 Minuten
Man sieht mehrere weiße Glühbirnen auf türkis-blauem Hintergrund. Eine Glühbirne hebt ab wie eine Rakete

Der Tag könnte so bequem beginnen. Noch bevor ich meine Social Media Accounts checke, öffnet sich das Sensor-Dashboard auf meinem smarten Badezimmerspiegel: Die neuen Zahlen zu Corona-Neuinfektionen stimmen zuversichtlich. Der Blick auf die Feinstaubkarte bestätigt das gesellschaftliche Abflauen der Corona-Krise: Die Werte kehren auf das Niveau vor dem Lockdown zurück. Die Drohne fliegt die ersten Bilder ein. Und die Kaffeemaschine brüht meinen Kaffee extra stark. Diese Zukunft ist zum Greifen nah. Ein neues Jahrzehnt steht uns bevor. Ich glaube: Es wird das Jahrzehnt, in dem die Dinge zu Reportern werden. Das Jahrzehnt, in dem die Vernetzung unser Leben durchdringen wird. Und in dem jedes Sofa einen Internetanschluss bekommen wird. Die Corona-Krise könnte die Technologie beflügeln.

Zwanzig Mal Innovation

Hier ist die Journalismus-der-Dinge-Bucket-List. Auf ihr stehen 20 Dinge, die Sie 2020 tun sollten, damit Sie für den Journalismus der Dinge gerüstet sind.

1. Tragen Sie in Ihren Kalender „Zeit für Innovation“ ein. 15 Minuten sind ein guter Anfang. Stellen Sie auf wöchentliche Wiederholung.

2. Lernen Sie einen Befehl in einer Programmiersprache. Und dann noch einen. Starten Sie mit Python, Ruby, Javascript. Zum Beispiel in der codeacademy.com. Oder, wenn Sie Dinge bauen wollen mit C++.

3. In Ihrem Smartphone sind mindestens 25 Sensoren verbaut. Finden Sie heraus, welche Sensordaten ihr Smartphone sammelt. Am besten mit der Phyphox-App der RWTH Aachen.

4. Benutzen Sie eine GPS-Tracker-App. Malen Sie damit ein Geodaten-Bild. Laufen Sie langsam einen herzförmigen Weg durch die Stadt. Veröffentlichen Sie den Screenshot der Karte.


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Von Sensoren und Eichhörnchen

6. Machen Sie aus den Sensordaten einen Service für die Leser ihres Twitter-Accounts: „Die ruhigste Stelle in unserem Kiez ist aktuell die Bank am Fluss.“ Wie das geht? Lesen Sie Schritt 7.

7. Benutzen Sie das Postamt im Internet der Dinge, den Dienst ifttt.com. Stellen Sie sich eigene Reminder für Nachrichtenquellen zusammen. Das kann ein neuer Artikel über Handtaschen in der amerikanischen Instyle sein, der nächste Text in der New York Times über Angela Merkel oder ein neuer Tweet des Medium Magazins (@mediummagazin).

8. Koppeln Sie ein Smart Home Gerät mit dem Service der New York Times. Sie können zum Beispiel das Licht dimmen, wenn ein neuer Longread erscheint. Oder verknüpfen Sie den Wetterbericht mit Ihrem tado-Thermostat.

9. Überlegen Sie, welche Geschichte Ihr smarter Kühlschrank über Sie erzählen könnte. Oder Ihr Wasserkocher. Oder Ihr Kuscheltier.

10. Folgen Sie den Accounts von smarten Dingen und Tieren auf Twitter. Zum Beispiel den Eichhörnchen im @TheSquirrelCafe von Carsten Dannat. Und Staubsaugerroboter Marvin, der die @sensorresidenz von Marco Maas sauber hält.

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Was denkt Alexa wirklich?

11. Bauen Sie ihr eigenes Eichhörnchen-Café. Und helfen Sie dabei herauszufinden, ob sich am Nusskonsum der Eichhörnchen tatsächlich die Härte des kommenden Winters ablesen lässt. Eine Anleitung gibts hier.

12. Bauen Sie sich einen neuen Nachrichtenempfänger. Zum Beispiel aus Pappe. Die Paper-Signals sind ein guter Start.

13. Bringen Sie einen Gegenstand zum Sprechen. Am einfachsten geht das mit heißem Wasser, der Tonie-Box und einem Kreativtonie. Tonies sind Audio-Spielfiguren. Mit heißem Wasser kann man Ihnen den Chip abluchsen. Hier steht wie. Ich bin davon so fasziniert, dass ich gemeinsam mit Astrid Csuraji ein Start-up darauf gegründet habe: tactile.news.

14. Unterhalten Sie sich länger als zehn Minuten mit einem Voice Assistant. Und ich meine nicht, dass Sie ihre Einkaufsliste vervollständigen.

15. Finden Sie heraus, welche politischen Ansichten Alexa, Siri, Cortana und Google Assistant vertreten (Tipp: Feminismus! Raumfahrt! Donald Trump!)

Prokrastinieren Sie mit KI

16. Finden Sie heraus, wer die Informationen liefert, wenn Sie Sprachassistenten nach gesunder Ernährung fragen oder nach medizinischen Ratschlägen.

17. Bauen Sie eine eigene Sprachanwendung. Mit der tollen Anwendung Voiceflow gelingt das in zehn Minuten. Meine Lieblingsanwendung: „Alexa, Deine Meinung?“ Darauf antwortet Alexa in zehn Variationen: „Du hast natürlich Recht, Jakob.“

  1. 18. Lassen Sie einen Text mit dem Sie nicht fertig werden, von einer KI zu Ende schreiben. Adam King hat für das OpenAI-Projekt dafür einen Service bereitgestellt.

19. Journalistischer Text wird nicht mehr länger an Displays geknüpft sein. Beschriften Sie eine Oberfläche mit gutem Journalismus. Das kann ein Arm sein, ein Laternenmast oder eine Wand. Sie können dazu einen Roboter wie scribit.design benutzen, eine Spraydose mit Sprühkreide oder einen digitalen Stempel.

20. Nehmen Sie sich einen Tag Zeit und erfinden etwas, auf das Sie stolz sind. Das kann ein Stück Software sein. Oder ein Prototyp aus Pappe. Die Ideen-Sprint-Methode könnte Ihnen helfen.

Wenn Ihnen das zu kompakt ist, kommt hier Vorhaben 21: Kaufen Sie mein Buch. Journalismus der Dinge. Strategien für den Journalismus 4.0. Geben Sie sich einen Schubs. Das neue Jahrzehnt könnte besseren Journalismus hervorbringen, als alle Jahrzehnte zuvor.

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Dr. Jakob Vicari

Dr. Jakob Vicari

Jakob Vicari ist Wissenschaftsjournalist und Lead Creative Technologist bei tactile.news. Sein Arbeitsschwerpunkt liegt im Journalismus der Dinge: Für den WDR produzierte er das Sensorjournalismus-Projekt Superkühe. Er hat die Nachrichtentasse Newsmug erfunden und den Storytrolley, einen vernetzten Einkaufswagen für Verbraucherjournalismus vor dem Kühlregal. Mit Unterstützung von Google Digital News Initiative hat er den Prototypen eines smarten Nachrichtenmöbels gebaut. Mit dem Start-up tactile.news entwickelt er journalistische Formate im Internet der Dinge. Das WDR-Projekt #bienenlive wurde mit dem Deutschen Reporterpreis 2019 ausgezeichnet. (Foto: Heinrich Holtgreve, Styling Ines Könitz)


Jakob Vicaris Journalismus der Dinge

Wir leben in einer Welt der vernetzten Dinge. Was heißt das für den Journalismus? In meiner Riff-Reporter-Koralle mache ich mich auf die Suche nach neuen Geschichten, Strategien und Prototypen für den Journalismus von Morgen. Als erster Aussichtspunkt in diese Zukunft hat sich hier die Koralle für den “Journalismus der Dinge” (Journalism of things, JoT) festgesetzt. Schön, dass Sie da sind!

In dieser Koralle werde ich Reporterinnen, Leserinnen und Redaktionen das Basiswissen für den Journalismus der Dinge liefern. Vom kostengünstigen Projekt für die Lokalredaktion bis zum Großprojekt fürs Fernsehen: Wie können vernetzte Gegenstände den Journalismus bereichern? Wie sehen Formate, Dramaturgien und Stories von und mit Gegenständen aus? Wie kann Journalismus für das Nachrichtenmobiliar von Morgen funktionieren? Hier ist jede Woche ein neuer Beitrag aus der Welt der vernetzten Dinge geplant.


Kontakt: / @jot_labsKostenlose Leseprobe / Journalismus der Dinge jetzt abonnieren / Newsletter Sensorenpost / Probleme beim Bezahlen?

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Dr. Jakob Vicari

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