Tabu-Thema Sklaverei: Eine weiße Farmerin kämpft für Versöhnung – und wird selbst bedroht

Kann man das Unrecht, das Afro-Amerikaner erleiden mussten, durch Reparationen wieder gutmachen? In den USA nimmt eine mutige Frau die Sache selbst in die Hand.

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Porträt von Stacie Marshall mit Cowboy-Hut

Stacie Marshall lebt ein Leben, das viele Großstädter als Idylle bezeichnen würden.

Auf ihrer Farm im US-Bundesstaat Georgia liegt der Geruch von Heu in der Luft. Hinter einem Gatter wiehert ein Pferd, auf der dahinterliegenden Wiese dösen Kühe und Ziegen.

Stacie Marshall, 41 Jahre alt, Cowboy-Hut und Westernstiefel, füttert die Hühner. Dann greift sie zu einem Eimer, bugsiert die Milchkuh in eine Box und fängt an zu melken.

„So geht das jeden Tag“, sagt die Farmerin und lacht. „Ich stehe um sechs Uhr auf, was für Bauern schon richtig spät ist.“

Wenn Marshall ihre Tiere versorgt und zusammen mit ihrem Beagle durch den Kuhmist stapft, wirkt sie glücklich. Wäre da nicht diese eine Sache, die seit Jahren an ihr nagt: die Vergangenheit ihrer Familie.

Eine junge Frau mit Cowboyhut füttert Hühner
Erst mal die Hühner füttern! Bei allem Engagement muss Stacie Marshall auch noch den Alltag auf ihrer Farm bewältigen.
Landkarte zeigt US-Südstaaten
Im Bürgerkrieg von 1861 bis 1865 kämpften die sklavenhaltenden Südstaaten der USA (darunter Georgia) gegen den Norden.
Ein Finger zeigt auf eine alte Tabelle
Ehemaliges Sklaven-Register. Die Sklaven der Familie Scoggins waren nicht mit Namen, sondern nur mit Nummern gelistet
Stacie Marshall legt ihrem Pferd das Halfter um
Reiten kann sie auch noch: Stacie Marshall ist eine Frau mit vielen Talenten.
Ein Farmhaus in den USA, im Vordergrund laufen Hühner umher
Die Idylle im ländlichen Georgia trügt. In vielen Vorgärten hängen selbst heute noch Trump-Fahnen.
Ein Stein liegt auf einer Rasenfläche. Im Hintergrund sind Grabsteine zu sehen.
Bei ihren Workshops führt Stacie Marshall die Teilnehmenden zum Friedhof. Die dort begrabenen Sklaven haben keine Grabsteine, nur blanke Gesteinsbrocken
Die Fahne der ehemaligen US-Südstaaten steckt vor einem Grabstein
Die umstrittene Südstaaten-Fahne schmückt das Grab eines ehemaligen Soldaten des amerikanischen Bürgerkriegs. Der Friedhof liegt in der Nähe von Marshalls Farm.
Stacie Marshall klettert durch den Eingang einer verfallenen Holzhütte
In dieser verfallenen Hütte auf dem Farm-Gelände wohnten früher schwarze Bedienstete. Marshall würde das Haus gerne als Museum herrichten.
Stacie Marshall geht zwischen Grabsteinen umher
Bei ihren Workshops führt Stacie Marshall ihre Teilnehmenden auch zum Friedhof. Dort liegen sowohl Sklaven als auch deren Halter(innen) begraben.,
Ein verrosteter Schulbus steht in der Landschaft
Dieser alte Schulbus aus der Zeit der Rassentrennung vergammelt auf dem Anwesen der Marshalls.
Ein Hund steckt seinen Kopf in einen Strohballen
Zum Bauernhof gehört natürlich auch ein Hund.

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