Flucht auf dem Meer: Das erste Schiff für internationale Seenotrettung entsteht

Vor der katastrophalen Situation auf dem Mittelmeer verschließt die Politik seit Jahren die Augen. Nun bieten Kunst und Wissenschaft einen ersten ernstgemeinten Lösungsversuch.

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Entwurf des mehrstöckigen Katamarans.

„Es ist eine Katastrophe, alle drei Stunden stirbt ein Mensch im Mittelmeer", fasst Sébastien Thiéry, Koordinator des Projekts „Navire Avenir“ (in etwa zu übersetzen mit „Schiff der Zukunft"), die aktuelle Situation zusammen. Doch das soll sich ändern. Nach einigen Jahren der Recherche laufen nun die praktischen Vorbereitungen an: Der Bau des ersten europäischen Seenotrettungsschiff, das speziell für schwierige Einsätze ausgerüstet ist und 2024 ab Marseille in See stechen soll, kann beginnen.

Ein neues Konzept der Gastfreundschaft

Seit 2012 führt der Verein Perou (“Pôle d’exploration des ressources urbaines”), eine Gruppe aus Künstlerïnnen und Wissenschaftlerïnnen, dessen Mitbegründer Thiéry ist, Aktionen durch, um die Gastfreundschaft zu fördern und sie weltweit sichtbar zu machen. Perou ist nicht Teil einer politischen, sondern einer „humanen“ Bewegung. So setzte sich der Verein beispielsweise im Jahr 2013 dafür ein, den Beschluss zur Räumung eines Roma-Slums in Ris-Orangis, eine Gemeinde 23 Kilometer südöstlich von Paris, zu kippen. Mit Erfolg.

Im Jahr 2018, anlässlich der European Heritage Days, eine Initiative des Europarates, die die Bedeutung des kulturellen Erbes und der Denkmalpflege in der Öffentlichkeit verankern soll, leitet Perou ein Verfahren bei der Unesco ein, um „den Akt der Gastfreundschaft“ in das Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufzunehmen. Um die Mentalität in Bezug auf (fehlende) Gastfreundschaft zu ändern, arbeitet die Organisation besonders an Orten, an denen es an Offenheit und Hilfsbereitschaft mangelt, wie beispielsweise in Slums, Squads (besetzten Häusern) und improvisierten Flüchtlingslagern am Rande der Großstädte Europas. Aber nicht nur auf festem Land.

Die erste Rettungsflotte Europas

Denn ein Ort, an dem Gastfreundschaft kaum zu finden ist: das Meer. „Um das Mittelmeer gastfreundlicher zu machen, müssten zehn Schiffe für die Seenotrettung und die Aufnahme von Geflüchteten zur Verfügung gestellt werden“, schreibt Sébastien Thiéry in den Anmeldebogen für die Unesco. Genauer gesagt, zehn Schiffe, die für diese speziellen Rettungsmissionen geeignet sind, was laut Thiéry derzeit nicht der Fall ist.

Ich bin überzeugt, dass man ausgehend von diesem Schiff, ausgehend von diesem Projekt, alles neu überdenken kann. Dieses Schiff ist ein Stück eines gastfreundlichen Europas, das Europa, von dem die Flüchtenden träumen.

Sébastien Thiéry
Der vorläufige Bauplan des Rettungs-Katamarans.
Der vorläufige Bauplan des Rettungs-Katamarans.

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