Black Lives Matter: Der Süden der USA und das Erbe des Rassismus

Der amerikanische Süden kommt nicht zur Ruhe. Kann eine neue Generation das Erbe des Rassismus endlich überwinden?

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Ein Wandgemälde zeigt Ikonen der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung

Als Elaine Turner an der Ampel anhält, muss sie an Handschellen denken. „An genau dieser Kreuzung wurde ich verhaftet“, sagt die 72-Jährige, die schon so manche Nacht in der Zelle verbracht hat. Ihre Vergehen waren immer die gleichen: Bus fahren. Kinofilme anschauen. Restaurants besuchen.

Für die meisten Amerikaner gehörten diese Freizeitaktivitäten schon in den 1960er-Jahren zum Alltag. Für Turner nicht, denn sie ist schwarz. Wer ihre Hautfarbe hatte, musste im Kino und im Bus hinten sitzen. „Weiße“ Restaurants waren komplett tabu. Doch das scherte Turner nicht. Sie wollte die Ungerechtigkeit aufzeigen, provozieren, wieder und wieder. Und landete im Gefängnis.

Heute organisiert Turner Stadtrundfahrten und betreibt ein kleines Museum in Memphis. Die Polizeiwache liegt gleich nebenan. Als die adrette ältere Dame auf die Straße tritt, winkt ein Cop freundlich herüber. Andere Zeiten, allem Anschein nach.

Die Geschichte der Schwarzen ist hip

„Hier hat sich viel geändert im Laufe der Zeit“, sagt Turner. Ein schwarzer Präsident? „Daran hätte ich früher nie geglaubt. Als Obama gewählt wurde, war ich unglaublich glücklich.“

Turner hat die Geschichte der Afroamerikaner zu ihrem Leben gemacht. In ihrem Museum dreht sich alles um William C. Handy, den „Vater des Blues“. Ohne seinen Einfluss, sagt Turner, hätte es Elvis nie gegeben. Auch Memphis wäre eine andere Stadt. Doch die Musik ist nicht der einzige Grund, warum Touristen in die Südstaaten-Metropole kommen: Die Geschichte der Schwarzen ist hip. Immer mehr Amerikaner, auch Weiße, interessieren sich dafür.

Eine schwarze Frau, die lächelt.
Elaine Turner gehörte in ihrer Jugend zur Bürgerrechtsbewegung. Heute bietet sie Stadttouren in Memphis an.
Ein Museum, Aufschrift „Lorraine Motel“.
Im Lorraine Motel in Memphis wurde 1968 der schwarze Bürgerrechtler Martin Luther King erschossen. Heute ist das Motel ein Museum.
Eine Statue: ein Mann sitzt auf einem Pferd.
Auch das ist Memphis: Die Statue des Ku-Klux-Klan-Gründers Nathan Bedford Forrest wird mit Steuermitteln gepflegt.
Ein Auto vor einer Wand mit der Aufschrift „BLM“.
Black-Lives-Matter-Graffito in Memphis: Nicht immer ist der Rassismus – und der Kampf dagegen – in den USA so offensichtlich erkennbar.
Erinnerungstafel an der früheren Greyhound-Wartehalle in Jackson. Hier wurden in den 1960er-Jahren zahlreiche Freedom Riders verhaftet
Erinnerungstafel in Jackson. Hier wurden in den 1960er-Jahren zahlreiche Schwarze verhaftet, die als „Freedom Riders“ im Bus mitfuhren.
Straßenkreuzung in Jackson, Mississippi.
In Jackson, der Hauptstadt des Bundesstaates Mississippi, wurde mit staatlichen Mitteln ein neues Civil-Rights-Museum gebaut.
Eine grüne Gedenktafel mit goldener Schrift.
Eine Gedenktafel in Sumner erzählt das Hassverbrechen, das in Sumner geschah.
Ein Gerichtsgebäude mit Turmuhr.
Hier wurden die Mörder des schwarzen Teenagers Emmett Till freigesprochen. Das Gerichtsgebäude ist noch heute in Betrieb.
Eine Sumpflandschaft mit kahlen Bäumen.
In den Südstaaten lauert vieles unter der Oberfläche—genau wie in den Sümpfen von Sumner, Mississippi.
Ein dunkelhäutiger Mann steht mit verschränkten Armen in einem Gerichtssaal.
Benjamin Saulsberry kämpft für eine würdige Gedenkstätte in Sumner, Mississippi.
Statue eines Menschen vor einem Torbogen
James Meredith war der erste Schwarze, der an der University of Mississippi eingeschrieben war. Im Sommer 2014 legten Mitglieder einer Studentenverbindung der Statue eine Schlinge um den Hals.
Ein weißes Herrenhaus im Südstaaten-Stil.
Hinter dem pompösen Südstaaten-Flair verbirgt sich oft eine dunkle Geschichte.

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