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Digitaler Recherche-Kurs: Eine Schnitzeljagd mit Bildern

Uwe H. Martin zeigt in einem medienkritischen Workshop, wie Bilder welche Geschichten erzählen und auch Recherchen leiten können.

von
25.05.2021
3 Minuten
Der Großteil des Bildes zeigt aus einer Vogelperspektive heraus große, lockere Haufen von weißer Baumwolle. Vorne links im Bild sieht man zwei Frauen, die indisch gekleidet sind und gemeinsam einen großen Korb über ihren beiden Kopfen tragen. Der Korb ist ebenfalls mit Baumwolle gefüllt, die überall herausquillt. Ein weiterer voller Korb liegt auf dem Boden voller Baumwolle neben den Frauen.  Im Hintergrund des Bildes sieht man kleine Hütten, die leicht beleuchtet sind im Abendlicht.

RiffReporter Uwe H. Martin ist ein Fellow der aktuellen Masterclass Wissenschaftsjournalismus. In seinem neu entwickelten Projekt bringt er „Journalismus in die Bibliothek“, indem er mit den Teilnehmerïnnen seiner Veranstaltung anhand von eigenen Fotografien Geschichten erzählt, entwicklelt, recherchiert und hinterfragt. Seine Schnitzeljagd in Bildern ist ein sehr medienanalytisches und -kritisches Vorgehen. Er hat uns ein paar Fragen zu seinem neuen Projekt, das in Kooperation mit den Bücherhallen Hamburg stattfindet, beantwortet.

Wer bist Du, was machst Du als Journalist und warum du hast du dich bei der Masterclass Wissenschaftsjournalismus mitbeworben?

Mit den Medien Film, Fotografie, Text und Ton erforsche ich weltweit die sozialen und ökologischen Auswirkungen der Landwirtschaft und des Anthropozäns. Meine transmedialen Projekte bauen eine publizistische Brücke von der Erstinformation von Leserïnnen in Verlagsmedien wie z.B. Geo, Spiegel und Süddeutscher Zeitung, über lineare Web Documentaries und interaktive Apps bis hin zu räumlichen Mehrkanal-Video-Installationen, die international in Museen und Galerien ausgestellt werden. Neben meiner journalistischen Praxis unterrichte ich weltweit Journalismus, Film, Fotografie und Multimedia Storytelling und entwickle in interdisziplinären Teams Lösungsansätze mit dem Ziel, Menschen langfristig zur Unabhängigkeit zu befähigen und nachhaltige Veränderungen für Gesellschaft und Umwelt zu bewirken.

Ich habe mich bei der Masterclass Wissenschaftsjournalismus beworben, weil ich immer interessiert daran bin, Journalismus an seinen Grenzen weiter zu entwickeln, sei es durch neue Formate, Kontexte oder Kooperationen.

Stell dein Projekt bitte vor!

Mein medienreflexives Projekt „Eine Schnitzeljagd mit Bildern“ ist eine interaktive und kollaborative Recherche mit den Kundïnnen von Bibliotheken. Ausgangspunkt dieser Schnitzeljagd sind Fotografien, die während einer meiner Recherchen entstanden sind. Los geht es mit einem Bild, das die Teilnehmenden gemeinsam analysieren. Aus der Bildanalyse heraus entwicklen sich Fragen, die Ausgangspunkt für Recherchen in der Bibliothek und online sind. Immer wieder diskutieren die Teilnehmenden die Ergebnisse und entwickeln ihre Recherche gemeinsam weiter, wobei sich zunehmend komplexere Fragen ergeben.

Links und rechts sieht man zwei ältere Frauen, mit bunt gemusterten Stoffen gekleidet. Im dunklen Hintergrund dazwischen ist ein Kleinkind zu sehen. Die Frauen sehen besorgt aus, halten ihre Hände an Mund und Kopf. Die Frau rechts schaut auf den Boden. Die Frau links blickt mit großen, dunklen Augen in die Leere an der Kamera vorbei.
Ein Foto, das im Rahmen der Recherchen von Uwe H. Martin zu sozialer und ökologischer Landwirtschaft entstanden ist und im Workshop thematisiert wird: Welche Geschichte erzählt das Bild?

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Mit welcher Bibliothek arbeitest du zusammen und woran genau arbeitet ihr genau?

Ich arbeite mit den Bücherhallen in Hamburg und speziell mit der Bücherhalle in Volksdorf zusammen. Wir werden die Schnitzeljagd mit Bildern in zwei verschiedenen Konfigurationen umsetzen: erstens mit einer elften Klasse eines Gymnasium und zweitens offen für Kundïnnen der Bücherhallen.

Mit der Schulklasse steht ein ganzer Tag zur Verfügung, wodurch wir alle Aspekte der „Schnitzeljagd mit Bildern“ umsetzen können, von der gemeinsamen Recherche bis zur Umsetzung eigener journalistischer Erzählungen, seinen es Texte, Filme, Podcasts oder Vorträge.

Mit den Kundïnnen der Bibliothek werden wir in einem halben Tag die Recherche entwickeln und dabei verstehen, wie journalistische Recherchen funktionieren, welche Fallstricke es dabei zu beachten gibt und welche Entscheidungen zu welcher Abbildung von Wirklichkeit führen.

Welches Ergebnis erhoffst du dir?

Ich hoffe, dass die Teilnehmenden

1. das wissenschaftsjournalistische Recherchethema in seiner Tiefe ergründen und daraus eigene Geschichten entwickeln, die sie weiter erzählen können.

2. die Komplexität und Herausforderungen journalistischer und wissenschaftlicher Recherchen erleben.

3. einen Einblick in Entscheidungsprozesse bekommen, die Grundlage journalistischer Geschichten in den Medien sind.

4. Bilder in ihrem Kontext verstehen, lernen diese kritisch zu hinterfragen um sich in unserer zunehmend visuell geprägten Welt besser zurecht zu finden.

Auf was freust du dich bei der Umsetzung?

Ich freue mich auf die direkte Zusammenarbeit mit Leserinnen und Schülerïnnen, die gemeinsame Recherche und Entwicklung der daraus entstehenden Geschichten. Und ich freue mich, von den Mitarbeitern der Partnerbibliothek zu lernen.

Unterstützen Sie „Journalismus im Dialog“ mit einem Betrag Ihrer Wahl. Sie unterstützen so gezielt weitere Recherchen.
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Die RiffReporter vereint mehr als hundert Journalistinnen und Journalisten mit der Mission, unabhängigen Journalismus zu Umwelt, Gesellschaft, Weltgeschehen, Wissenschaft und Tech zu bieten. Für unser innovatives Journalismusmodell haben wir den Grimme Online Award und den Netzwende-Award erhalten. Den Vorstand bilden Tanja Krämer und Christian Schwägerl, Aufsichtsratsvorsitzende ist Eva Wolfangel.


Journalismus im Dialog

Journalistinnen und Journalisten sollen der Gesellschaft verläßliche Informationen, nützliche Analysen und klärende Kommentare bieten. Doch darüber wird heftig diskutiert: Welche Rolle spielt der Journalismus für Gesellschaft und Demokratie?

Dazu bieten wir in diesem Themenmagazin Beiträge und zudem Einblicke in die Werkstatt der RiffReporter. Denn wir sind als Kooperative mit zahlreichen Projekten – allen voran der Masterclass Wissenschaftsjournalismus – im direkten Dialog zu unseren Themen, zu Arbeitsweisen im Journalismus, zu den Gefahren von Desinformation. Dabei kooperieren wir bereits mit Bibliotheken in ganz Deutschland, weil sie Orte des gesellschaftlichen Lernens und Miteinanders sind.

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