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Wie #50Annalenas rollern, strampeln, laufen und fliegen

17.09.2021
3 Minuten

Es geht nicht voran – diese Erfahrung machen Annalenas in ganz Deutschland jeden Tag. Egal für welches Verkehrsmittel sich die 50 Annalenas entscheiden, sie stoßen regelmäßig an Grenzen

Annalena Baerbock ist fast ununterbrochen auf Wahlkampf-Tour: von Chemnitz nach Leipzig nach Mainz, Mannheim und Freiburg. Und auch die 50 Annalenas der nicht-repräsentativen Wahl-Community sind in Bewegung. Sie bewegen sich ganz unterschiedlich fort: Die eine steigt mit ihrem Cello als Mitfahrerin in ein Blablacar, die andere nutzt gern spontan kostenlose Leih-Fahrräder für Studierende. Bei der einen Annalena fährt das schlechte Gewissen mit, bei der anderen der Ärger über den Öffentlichen Nahverkehr.

Ein Tag auf Achse in der Annalena-Republik: Die 50 Annalenas haben uns einen Tag lang mitgenommen und ihre Erfahrungen auf den Straßen und Schienen geteilt. Wir haben vier mobile Annalena-Tage in Schaubilder verpackt.

Anna-Lena, 40, aus Ihow in Ostfriesland bringt auf dem Weg zur Arbeit ihre Kinder in den Kindergarten.

Eine Frau bringt auf dem Weg zur Arbeit  ihre Kinder in den Kindergarten.
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Annalena, 24, aus Halle ist gerade im Urlaub in Schweden. Sie reist und schläft in ihrem Auto.

Eine Annalena reist mit dem Auto und der Fähre.

Anna-Lena, 34, aus Kiel hat vor 5 Wochen ihr zweites Kind bekommen und kauft mit dem Kinderwagen ein.

Anna-Lena, 23, lebt in der Gemeinde Kürten und pendelt zum Studieren nach Köln.

Eine Frau fährt mit dem Bus, der Bahn und der Straßenbahn um zur Universität zu kommen

Mobilität ist eines der heiß umstrittenen Themen im Wahlkampf – ob es Tempolimit geht, den Benzinpreis, die Wende zur Elektromobilität oder die Mobilität auf dem Land. Im Interview mit der „Märkischen Oderzeitung“ sagt Baerbock: „Ich bin ja selbst auf dem Dorf aufgewachsen. Ohne Auto, Bus und Bahn ist man da ziemlich aufgeschmissen“.

Auch die 50 Annalenas sind sich einig, dass sich etwas ändern muss:

Anna-Lena, 21, aus der Nähe von Augsburg wünscht sich eine Möglichkeit, auch nachts gut nach Hause zu kommen: „Ein Nachtbus in meinen Ort fehlt leider, obwohl ich nicht mal weit auf dem Land wohne.“ Anna-Lena, 40, aus Ostfriesland hätte gerne Radwege, „die top in Schuss sind“ und bessere Busverbindungen. „2 x morgens zur nächstgelegenen Schule“ findet sie „doch etwas arg dürftig“.

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Anna-Lena, 31, aus Amelsen in Niedersachsen kritisiert, „dass man mit Rollstuhl oder Kinderwagen oftmals an Grenzen kommt.“ Ihr fehlen Gehwege die breit genug sind, dass ihre Kinder neben ihr noch Roller fahren können. Der Verkehr sei oft „kinder- und behindertenunfreundlich“. Auch Anna-Lena, 33 aus Langenbach in Bayern findet es schlimm, „wie schwer es Menschen mit Einschränkungen im öffentlichen Raum gemacht wird.“ Als Mutter mit Kinderwagen mache sie ganz schnell die gleichen Erfahrungen.

Aber auch über den Autoverkehr müsse geredet werden. Anna Lena, 36, aus Solingen bei Düsseldorf hält „das Fahrrad nicht für das Fahrzeug der Zukunft.“ Es sei nicht für Strecken gemacht und nicht familientauglich. Stattdessen solle der Autoverkehr optimiert werden: E-Mobilität, Wasserstoff und besser organisierte Baustellen und mehr Parkplätze für Familien. Um „an beiden Seiten ein Kind den Kinderwagen aus dem Auto zu holen“ wolle sie nicht „mitten im Verkehr stehen.“

Anna-Lena, 39, aus Berlin findet der Verkehr sei insgesamt nicht geschlechtergerecht, „weil Frauen weniger verdienen und der Verkehr für sie auch einen erheblichen Kostenfaktor darstellt.“ Annalena, 29, aus Hamburg sagt, „dass der Straßenverkehr und der Rest der Infrastruktur in erster Linie am arbeitenden, allein-unterwegs-seienden, maybe männlichen Individuum orientiert ist.“ Frauen und Menschen, die sich um ihre Mitmenschen und den Haushalt kümmern hätten hingegen „andere Bedürfnisse, die im Straßenverkehr nicht berücksichtigt sind.“ Auch Annalena, 39, aus München findet es sei „an der Zeit für eine weibliche Verkehrsministerin und eine Prio 1 für Gehwege bei jeglicher Verkehrsplanung“.

Das sind die Wünsche der 50 Annalenas. Ob eine neue Regierung sich auf diese Wünsche konzentriert, hängt auch davon ab, wer am 26. September die Wahl gewinnt. Und sich in Berlin daran erinnert, was sie oder er auf Wahlkampftour auf dem flachen Land gesehen hat.

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tactile.news

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tactile.news ist ein journalistisches Innvoationslabor mit Sitz in Lüneburg. Als Partner für Redaktionen bietet das Lab Workshops, Design Sprints und Formatentwicklungen an. Im Team mit Entwickler*innen, Maker*innen, Designer*innen und Social-Media-Expert*innen entsteht Treibstoff für überraschenden, einzigartigen Journalismus – ausgezeichnet etwa mit dem Deutschen Reporterpreis oder nominiert für den Grimme Online Award.

Für tactile.news schreiben aktuell Carla Moritz, Lisa Göllert, David Bartels, Astrid Csuraji, Jakob Vicari und Bertram Weiß.


#50Annalenas

Schon immer hießen Mädchen in Deutschland Lena und Anna. In den 90ern fügten sich Teile zusammen, die vorher unversöhnlich waren. Aus Liam und Noel wurde Oasis. Aus Ost und West wurde ein Deutschland. Aus Bündnis 90 und den Grünen wurde Bündnis 90/Die Grünen. Und aus Anna und Lena wurden immer mehr Annalenas. Eine dieser Annalenas könnte die neunte deutsche Bundeskanzlerin werden. Wie wird die Annalena-Republik aussehen? 

Wir fragen die, die die Annalena-Perspektive längst haben. #50Annalenas sucht den Dialog mit 50 Menschen, die ganz zufällig eins gemeinsam haben: Ihren Vornamen. Von der 16-jährigen Schülerin bis zur 72-jährigen Rentnerin wollen wir wissen, was sie ärgert, wovon sie träumen und welche Themen Annalenas wichtig sind. Und wieviel Annalena in Deutschland steckt.

Bis zur Bundestagswahl im September stellen wir den 50 Annalenas Fragen über ihren Kanal der Wahl. Die Fragen drehen sich um Politik, Entscheidungen, Verantwortung, Humor und was uns spontan sonst noch interessiert. 

Im Gegensatz zu anderen Redaktionen, wollen wir keine repräsentative Wahl-Community oder anonyme Politbarometer. Wir suchen kein Mini-Abbild, in dem es mathematisch-statistisch so zugeht wie in der deutschen Bevölkerung. Wir wollen echte Stimmen! 

Und fragen: Was denken 50 Annalenas im Wahljahr über Deutschland?

Ab dem 1. Juli 2021 geht es los.

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