200 Jahre Glaskunst: Wie Leopold und Rudolf Blaschka mit Quallen und Schnecken Geschichte machten

Kunst und Klima: Leopold und Rudolf Blaschka schufen extrem lebensechte Glasmodelle von Pflanzen und Meerestieren. Deren lebende Vorbilder sind bis heute wenig erforscht – könnten aber helfen, den Planeten zu retten.

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Glasmodell der Blaschkas eines Meerestiers mit knospenähnlicher Struktur auf Stengel.

Als Leopold Blaschka vor 200 Jahren am 27. Mai 1822 geboren wurde, war ihm als Nachfahre böhmischer Glasbläser das Talent in die Wiege gelegt und der Beruf vorbestimmt. Mit seinem Sohn Rudolf schuf er im gemeinsamen Dresdner Studio abertausende lebensechte Modelle von Meerestieren und Pflanzen für Museen und Universitäten. Die einst hochbegehrten Stücke fielen irgendwann in Vergessenheit, erleben aber gerade ein Comeback. Passend zum zweiten Blaschka-Boom rücken auch die biologischen Vorbilder der Glasmodelle ins Rampenlicht: Quallen und andere schleimige Meerestiere, die im Kampf gegen die Klimakrise helfen können.

Der Mensch war dem Meer seit jeher eng verbunden, siedelte an den Küsten, segelte auf den Wellen und fischte Nahrung aus der Tiefe. Aber erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entbrannte eine Manie für Meerestiere, als Aquarien erstmals die unbekannte Unterwasserwelt einem großen Publikum präsentierten. Meist hielt die Pracht nicht lange, weil sich die Wasserqualität nicht kontrollieren ließ und selbst große öffentliche Schaubecken mussten wieder schließen. Doch die Faszination für Meereswesen hielt an, auch weil sich frühe Evolutionsbiologen wie Ernst Häckel von einfacheren Organismen wie Quallen, Schwämmen und anderen wirbellosen Tieren Einsichten in die Anfänge des Lebens versprachen.

Draufsicht auf Glas-Tintenfisch überwiegend in bräunlichem Farben mit blauem Kopf
Wie frisch aus dem Meer gefischt: Dieser Tintenfisch stammt aus der Sammlung des Corning Museum of Glass und wurde 1885 von den Blaschkas gefertigt.
Glasmodell der Blaschkas einer rosa Koralle mit durchsichtigen Tentakeln.
Vielleicht noch zarter als das lebende Vorbild ist diese gläserne Koralle aus der Sea Creatures in Glass Gallery des Harvard Museum of Natural History.
Ausschnitt einer Staatsqualle mit besonders vielen feinen tentakelartigen Strukturen.
Leopold Blaschka erfand eine eigene Technik, Glas besonders dünn zu ziehen – wie bei dieser Staatsqualle.
Zwei Passionsblumen am Zweig mit filigranen Ranken
Feinste Strukturen: Bis heute ist nicht ganz klar, wie die Blaschkas ihre filigranen Glasmodelle wie diese Passionsblume aus der Ware Collection fertigten.
Zwei lebensechte Glas-Erdbeeren, die von Schimmel überzogen sind.
Zweifach ungeeignet zum Reinbeißen: Diese Erdbeere aus der weltberühmten Ware Collection der Blaschka-Modelle von Pflanzen ist verschimmelt – und aus Glas.
Glasmodell eines Zweigs mit Apfel, der vom krustigen Apfelschorf befallen ist.
Angehende Botaniker sollten auch von Pflanzenkrankheiten erfahren. Deshalb ist diese Glas-Frucht seit 1932 vom Apfelschorf befallen.

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