Elektro-Taxis statt Busse: Wuppertal testet den Nahverkehr der Zukunft

Buchung per App, Luftlinien-Tarif, virtuelle Haltestellen: Viele Kommunen testen neue Modelle für den ÖPNV—nicht immer zur Freude der Fahrgäste.

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Ein Taxi mit geöffneten Türen

Aus dem Nebel der Wupperberge kommt sie angeschwirrt: die Zukunft. Ein hellblaues Elektroauto, Modell LEVC TX, surrt durch ein Wohngebiet im Stadtteil Elberfeld. Es sieht genauso aus wie die berühmten Taxis in London, wird jedoch von den Wuppertaler Stadtwerken betrieben.

Die sogenannten „WSW Cabs“ verfügen über gelbe Haltegriffe, eine Sitzbank und drei Klappsitze. Auf der Motorhaube steht „hol mich app“, ein Wortspiel, das Fahrgäste daran erinnert, wie man dieses Verkehrsmittel bucht: ausschließlich per App.

„Ich war am Anfang auch skeptisch“, sagt Martin Dönch, der Projektleiter der WSW Cabs. „Aber der Slogan kommt wirklich gut an.“ Um das moderne Gefährt zu buchen, müssen Fahrgäste zum Handy greifen, die „Hol mich“-App installieren, ihre Kreditkartennummer oder ihre Paypal-Daten eingeben und danach einen Startpunkt wählen.

Dann surrt ein hellblaues Elektrotaxi herbei, um Fahrgäste an einer „virtuellen Haltestelle“ abzuholen: Einen festen Fahrplan oder echte Haltestellen gibt es nicht; stattdessen plant ein Computer die Strecke so, dass unterwegs möglichst viele Personen zusteigen.

In vielen Städten denken Planerinnen und Planer über die Mobilität der Zukunft nach—in Wuppertal ist sie schon real.

Ein „WSW Cab“ der Wuppertaler Stadtwerke rollt einen Berg hinab.
Echte Haltestellen? Schnee von gestern. Die neuen Elektro-Taxis halten an „virtuellen Haltestellen“.
Projektleiter Martin Dönch sitzt in einem Elektro-Taxi
Martin Dönch, Projektleiter „WSW Cabs“ bei den Wuppertaler Stadtwerken.
Ein Hinweisschild im Taxi informiert Fahrgäste auf Englisch, dass sie sich anschnallen sollen.
Bei solchen Schildern bekommt der Verein Deutsche Sprache wahrscheinlich Bluthochdruck: „Bitte anschnallen“ – auf Englisch!
Nahaufnahme des Cockpits im WSW Cab.
Wunderwerk der Technik: ein Blick ins Cockpit der „WSW Cabs“
Ein Mann steckt einen Stecker in ein Elektro-Taxi.
Nach Dienstschluss stärken sich die „WSW Cabs“ mit Strom.
Eine ältere Dame steigt an einer Haltestelle in ein Taxi.
Im Wuppertaler Zooviertel wurde der reguläre Bus eingestellt. Stattdessen verkehren stündlich Taxis, die man mindestens 20 Minuten vorher telefonisch buchen muss.
Nahaufnahme eines Fahrplans an einer Haltestelle
Seltsames Konstrukt: Statt eines Busses kommt ein Taxi, das nach Fahrplan fährt—aber nur, wenn man vorher anruft.
Ein Mann steigt in ein „WSW Cab“ der Wuppertaler Stadtwerke.
„Hol mich app“, lockt das Elektro-Taxi. Für Menschen ohne Paypal-Konto, Kreditkarte oder Handy ist das gar nicht so einfach.

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