Odessa schützt sich gegen russischen Angriff

Die wichtigste Hafenstadt der Ukraine wird von Osten und dem Schwarzen Meer in die Zange genommen. Täglich hagelt es ein paar Raketen, doch die eigensinnigen Odessiten wollen sich nicht ergeben.

5 Minuten
Von einer Treppe, die im Film „Panzerkreuzer Potemkin“ eine wichtige Rolle spielt, blickt man auf den Hafen der ukrainischen Stadt Odessa

Wohl jeder Kinofan kennt die Treppenszene in Sergej Eisensteins Revolutionsfilm «Panzerkreuzer Potemkin»: Zuerst wird ein Junge von russischen Kadetten erschossen, dann kaltblütig dessen um Gnade flehende Mutter. Zum Schluss kullert ein Kinderwagen samt Säugling die 192 Stufen zum Hafen von Odessa hinunter. Auch die Statue des ersten Bürgermeisters Armand-Emmanuel Plessis, Fürst von Richelieu, ist im Filmepos immer wieder zu sehen. Dieses Wahrzeichen von Odessa ist heute ganz mit Sandsäcken bedeckt. Die vor gut 220 Jahren von Katharina der Grossen gegründete heutige Millionenstadt am Schwarzen Meer bereitet sich auf die Invasion russischer Besatzungstruppen vor. Diese warten wenige Seemeilen südlich auf Kriegsschiffen, und sie rücken auf dem Landweg von Osten her an.

Ich bin hier geboren und ich bleibe hier

Die nächtlichen Raketeneinschläge an der Steilküste haben die Odessiten in den ersten Kriegstagen eingeschüchtert. Doch seit gut zwei Wochen geht das Leben wieder seinen gewohnten Gang. „Ich gehe nirgendwohin“, sagt die Rentnerin Halina am Telefon. Sie ist gerade beim Einkaufen auf dem „Priwoz“-Markt unweit des Hauptbahnhofs und hat wenig Zeit zum Sprechen. „Hören Sie mir zu, ich bin hier geboren und ich bleibe hier. Ich bete, damit sie nicht hierher kommen, das ist alles, was ich tun kann“, sagt die frühere Lehrerin.

Der Strand der ukrainischen Hafenstadt in der Abenddämmerung mit Menschen. Heute ist er vermint, um sich vor einem russischen Angriff zu schützen
Minen statt Touristen: Zum Schutz hat die Armee den Strand der ukrainischen Hafenstadt Odessa vermint
Das Bild zeigt ein achtstöckiges Gebäude, in der die Gebietsverwaltung der ukrainischen Hafenstadt Odessa untergebracht ist
Das noch unversehrte Gebäude der Gebietsverwaltung von Odessa
Im Hafen der ukrainischen Sadt Odessa befinden sich große dunke Silos, zahlreiche Schiffe und Lastkräne. Davor ist ein großes Gebäude und eine Tankstelle zu sehen.
Der Hafen von Odessa zählt zu den strategisch wichtigen Zielen für einen Angriff

Verantwortlich im Sinne des Presserechts

Paul Flückiger

ul. Grochowska 341 m. 267
PL-03822 Warszawa

Weitere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

Redaktion: Wolf-Dieter Vogel

Faktencheck: Paul Flückiger

Lektorat: Wolf-Dieter Vogel

Fotografie: Paul Flückiger